Melancholia (Lars von Trier)

Cover "Melancholia"

DVD-Cover Melancholia

Der Planet Melancholia hat Kurs auf die Erde genommen. Einige Wissenschaftler behaupten, dass er an der Erde vorbeifliegt. Andere sagen eine Kollision und damit den Weltuntergang voraus. Schon der Prolog dieses Films überwältigt mit kameratechnisch beeindruckenden Bildern, die in Zeitlupe einige Szenen aus dem Film vorwegnehmen. Unter anderem bekommt der Zuschauer eine Weltraumperspektive davon zu sehen, was passieren würde, wenn Melancholia und die Erde aufeinanderprallten.

Handlung von Melancholia

Der Film handelt davon, wie unterschiedlich Menschen mit ihrem bevorstehenden Ende umgehen. Und darum, dass es für manche sogar Schlimmeres gibt, als den Untergang der Welt.

Im ersten Teil des Filmes spielt die Bedrohung durch den Planeten Melancholia so gut wie keine Rolle. Justine (Kirsten Dunst) ist mit ihrem Bräutigam unterwegs zu ihrer Hochzeitsfeier, die ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und ihr reicher Mann (Kiefer Sutherland) auf deren Landsitz ausgerichtet haben. Justine bemerkt den Planeten am Himmel, der sich zunächst mit blassrotem Schein ins Sternbild einfügt. Für die anderen ist der Planet mit bloßem Auge noch kaum zu erkennen, daher ahnt man schon, dass Justine sich auf eine bestimmte Art und Weise zu ihm hingezogen fühlt.



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Dass sich der Titel Melancholia nicht nur auf den Planeten, sondern auch auf Justines Gemütszustand bzw. Gesundheit bezieht (Melancholia = engl. Schwermut, Trübsinn), wird im Laufe der Hochzeitsfeier immer deutlicher. Am Anfang wirkt sie noch wie eine glückliche Braut, im Laufe des Abends aber zieht sie sich immer häufiger erschöpft von der Feier zurück. Sie wirkt teilweise wie benebelt – eine Fremde auf ihrer eigenen Hochzeit, während um sie herum die Gäste tanzen. Die Hochzeitsnacht lässt Justine ausfallen, ihr Bräutigam ergreift die Flucht. Während Justine in der Zeit nach der Hochzeit durch die Depression immer apathischer und unselbständiger wird, zeigt ihre Schwester Claire Stärke, holt sie zu sich auf den Landsitz und kümmert sich fortan um sie.

Das Kräfteverhältnis der Schwestern ändert sich. Während Justine mit ihrer inneren Bedrohung kämpft, fürchtet Claire mehr und mehr die äußere Bedrohung durch den Planeten, der sich mittlerweile deutlich der Erde genähert hat. Während Claire nach und nach zum Nervenbündel wird und ihr verzweifelter Fluchtversuch scheitert, wird Justine immer ruhiger im Angesicht des herannahenden Todesplaneten. Schließlich übernimmt Justine gänzlich die Führung. Zum Filmzitat >>

Was macht Melancholia so besonders?

Herausragend sind die Bilder, die eine absolut treffende Atmosphäre erzeugen. Einerseits sind da die Zeitlupen im Prolog, die alles wie einen bösen Traum scheinen lassen. Andererseits lässt einen der wackelige Handkamara-Effekt noch näher an die Figuren rücken und ihre Ängste spüren. Und am Ende gibt es einen der überwältigendsten Special Effects, die ich je gesehen habe.Zur Atmosphäre tragen auch ganz deutlich die Geräusche des Films bei. Der Film kommt streckenweise völlig ohne Musik aus, dafür wird die Aufmerksamkeit auf die Geräusche der nahenden Bedrohung gelenkt (z. B. unentwegtes Pferdewiehern oder das unaufhaltsame Herandonnern von Melancholia). Die Atem- und Schluckgeräusche der Figuren geben einem das Gefühl, man säße daneben.

Die Figuren

Szenenbild 2 "Melancholia"

Claire und ihr Mann John blicken zum Himmel

Kirsten Dunst spielt die wachsende Verzweiflung der depressiven Justine dermaßen echt, dass man nicht anders kann, als sie abgrundtief zu bedauern. Zu Recht wurde Dunst bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 zur besten Hauptdarstellerin gekrönt. Zur Glaubwürdigkeit dieser Figur trägt sicher bei, dass sowohl Dunst als auch von Trier Erfahrungen mit Depression als Krankheit haben.Auch der in Hysterie verfallende Claire habe ich ihre Hilflosigkeit geglaubt, wobei mich ihr Schicksal nicht ansatzweise so berührt hat wie das von Justine.

Fazit zu Melancholia

Justine (l.) und Claire im Garten

Ein wirklich sehenswertes Endzeit-Drama. Das Besondere: Der Zuschauer erfährt gar nicht, wie der Rest der Menschheit mit der bevorstehenden Katastrophe umgeht. Er ist gefangen mit den Figuren in einem Mikrokosmos, was die Beklemmung umso intensiver macht. Mit 130 Minuten gibt es Szenen, die man hätte weglassen können. Dennoch bleibt der Film ein fantastisches Gesamtkunstwerk, das mich noch lange beschäftigt hat.

Infos zum Film

Melancholia
DK, S, F, D, 2011
130 Minuten
Filmverleih: Concorde
Regie und Drehbuch: Lars von Trier
Schauspieler: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, Stellan Skarsgård, Alexander Skarsgård, Charlotte Rampling
FSK: frei ab 12 Jahren

 

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