Seelen (Andrew Niccol)

Filmplakat "Seelen"

Filmplakat „Seelen“

Seelen – so werden in der Verfilmung von Stephenie Meyers gleichnamigen Bestseller die außerirdischen Wesen genannt, die den Planeten Erde besetzt haben. Dabei handelt es sich um Wesen, die selbst keinen richtigen Körper besitzen, sondern einen Wirt (englisch: host; so lautet auch der Originaltitel des Films) benötigen, um auf dem neuen Planeten leben zu können. Und so haben die Seelen unmittelbar nach ihrer Invasion damit begonnen, die gesamte Menschheit zu übernehmen. Dies heißt natürlich nicht, dass die Menschen getötet werden, denn die Seelen brauchen deren Körper lebendig. Stattdessen erhalten die gefangenen Menschen einen Schnitt am Hals, damit die Seelen, die aussehen wie filigrane weißlich-durchsichtige Tentakel einer Qualle, in den Körper eindringen können. Die Seele des Menschen wird so durch die außerirdische Seele verdrängt und der „neue“ Mensch wählt als erstes nach dem Erwachen einen neuen Namen. Untrügliches Erkennungsmerkmal der mit Seelen besetzten Menschen ist ein hellblau leuchtender Ring um die Pupille der Augen.

Handlung in SEELEN

Die Handlung des Films setzt ein, als der Invasionskrieg schon längst vorbei ist und die Seelen nun erfolgreich die Erde bevölkern. Doch ein paar wenige Menschen existieren noch, die sich vor den Seelen verstecken konnten. Melanie Stryder (Saoirse Ronan) ist eine davon. Ihr Vater hat sich in dem Moment das Leben genommen, als die Seelen-Menschen mit ihren Wagen vor seinem Haus vorfuhren. Melanie ist seitdem auf der Flucht zusammen mit ihrem kleinen Bruder Jamie, den sie beschützt und mit gestohlenen Lebensmitteln versorgt. Auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge durch Seelen-besetzte Häuser trifft Melanie auf Jared (Max Irons), der sich bislang ebenfalls vor einer Übernahme schützen konnte. Die beiden werden ein Paar und obwohl sie nun mit Jamie zu dritt ständig darauf achten müssen, versteckt zu bleiben, verbringen Melanie und Jared schöne und sorglose Stunden miteinander. Bis einer von ihnen aufgespürt wird.



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Da die Seelen wissen, dass es immernoch unbesetzte Menschen gibt, senden sie sogenannte Sucher aus. Sucher sind ebenfalls Seelen in Körpern von Menschen, die darauf spezialisiert und trainiert sind, die „Rebellen“ aufzuspüren. Einer bestimmten Sucherin (Diane Kruger) gelingt es eines Tages, Melanie nach einer Verfolgungsjagd durch ein Gebäude gefangen zu nehmen. Die Sucherin bringt die nach einem Sturz bewusstlose Melanie zunächst auf eine Krankenstation, um deren Körper heilen zu lassen. Anschließend lässt sie eine Seele Besitz von Melanies Körper ergreifen, und als diese erwacht und gefragt wird, wie sie genannt werden möchte, antwortet sie mit Wanderer, was später zu Wanda abgekürzt wird.

Wanda merkt schnell, dass sie eine besonders resistente Wirtin erwischt hat, denn Melanies Seele schaltet sich immer wieder in die Gedanken von Wanda ein und versucht, diese zu steuern. Wanda erhält von der Sucherin den Auftrag, sich in Melanies Erinnerungen einzuklinken, damit deren rebellische Gefährten aufgespürt werden können. Doch natürlich lässt Melanie dies nicht so einfach zu. Sie manipuliert Wanda im Gegenteil und bringt sie dazu, aus dem Gebäude der Seelen zu fliehen, sich von einer anderen Seele ein Auto zu „leihen“ und in die Wüste zu fahren. Melanie hat nämlich die Hoffnung, dass ihr Onkel Jeb (William Hurt) ihren Bruder Jamie zu sich geholt hat und für ihn sorgt.

Diane Kruger als Sucherin in SEELEN

Diane Kruger als Sucherin in SEELEN

Wanda wird tatsächlich nach einem nicht enden wollenden Fußmarsch durch die Wüste kurz vor dem Verdursten von Onkel Jeb und anderen Rebellen gefunden. Darunter befindet sich auch Jared, Melanies große Liebe. Doch dieser reagiert mehr als ablehnend auf Wanda, denn an den blauen Ringen um ihre Pupillen sehen er und die anderen sofort, dass Melanie ebenfalls infiziert ist und damit zum Feind gehört. Ohne zu wissen, dass Melanies Seele neben Wandas immernoch in ihrem Körper wohnt, besteht Onkel Jeb als Anführer darauf, dass Wanda nicht getötet, sondern in den gemeinsamen Unterschlupf im Inneren eines riesigen Felsen gebracht wird. Dort ist Wanda zwar in Sicherheit vor den Suchern, ist jedoch dem Misstrauen und den gewaltsamen Übergriffen einiger Rebellen ausgetzt. Wandas Leben im Fels-Labyrinth wird zwar aufregender, aber nicht gerade einfacher, als sie sich in einen Jungen namens Ian (Jake Abel) verliebt, der seinerseits immer wieder ihre Nähe sucht. Das Problem: Melanies Seele, die sich im ständigen Zwiegespräch mit Wanda befindet, ist nach wie vor in Jared verliebt. Einerseits will Melanie nicht, dass Wanda Ian küsst, andererseits reagiert sie eifersüchtig, wenn Wanda sich von Jared küssen lässt, der inzwischen in Wanda wieder Melanie sieht. Und dann wird Wanda auch noch eines Tages im Operationszimmer der Höhle Zeugin einer für sie so grauenvollen Szene, dass sie daran zweifelt, ob sie ihre Loyalität gegenüber den Menschen aufrecht erhalten kann.

Das Besondere an den Seelen

Wenn in Science Fiction-Stories eine außerirdische Macht versucht, die Erde einzunehmen, geht es den Invasoren meist darum, mit aller Gewalt den Planeten zu unterwerfen, um ihn z. B. auszubeuten. Die Seelen haben jedoch einen anderen Ansatz. Als interplanetarische Reisende wählen sie bestimmte Planeten für die Besetzung aus, um möglichst friedlich für „Perfektionierung“ zu sorgen. Im Fall der Erde bedeutet das, ihrer Zerstörung durch den Menschen entgegen zu wirken und für ein sicheres und harmonisches Zusammenleben ohne Gewalt und Misstrauen zu sorgen. Und so wirken auch alle Seelen im Film, bis auf die Sucherin, die eigene Motive verfolgt, sehr ausgeglichen und friedliebend. In einer Szene wird dies besonders deutlich, nämlich wenn Wanda das Auto einer männlichen Seele anhält und darum bittet, es ausleihen zu können. Der Mann zögert nicht und stellt auch keine weiteren Fragen, sondern geht ganz selbstverständlich davon aus, dass es sich hier um einen Notfall handelt. Er überlässt Wanda sofort sein Auto und diese erklärt der überraschten Melanie, dass die Seelen einander einfach vertrauen. SEELEN hebt sich somit von anderen Science Fiction-Geschichten ab, in denen es um die Besetzung eines Planeten geht. Roman-Autorin Stephenie Meyer hat sich hier geschickt einer der Regeln guten Story Tellings bedient, nämlich den Antagonisten mit einer Motivation auszustatten, die man als Leser bzw. Zuschauer ein Stück weit nachvollziehen kann. Dies macht es für den Protagonisten umso schwieriger, am Ende zu siegen, und das Publikum fiebert dabei umso intensiver mit.

Seele Wanda ist zwiegespalten

Seele Wanda ist zwiegespalten

Was den Film Seelen so reizvoll macht

Vor dem Hintergrund, dass Autorin Stephenie Meyer zuvor die Twilight-Saga geschrieben hatte, in der es vor allem um verliebte Teenager geht, hatte ich die Befürchtung, dass der Fokus in dieser Geschichte ähnlich gelagert sein würde. Drehbuchautor und Regisseur Andrew Niccol („Gattaca“, „In Time – Deine Zeit läuft ab„) hat es jedoch durch die geschickte Wahl von Schwerpunkten in der Geschichte, Kulissen und Ausstattung geschafft, einen glaubwürdigen und gut durchdachten Science Fiction-Film auf die Leinwand zu bringen. In Zusammenarbeit mit Stephenie Meyer selbst, die an der Produktion des Films beteiligt war, ist es Niccol gelungen, eine Story mit interessanten Twists, spannenden Motivationen der Figuren und vor allem zahlreichen Konflikten zu erzählen.

Den größten Konflikt in SEELEN stellt dabei der Zwiespalt von Wanda / Melanie dar. Die beiden Seelen im selben Körper verfolgen nicht nur unterschiedliche Ziele und haben dabei teilweise nicht vereinbare Wertvorstellungen, sie verlieben sich auch noch in verschiedene Menschen. Große Teile des Films verbringt Wanda in Zwiegesprächen mit Melanie, deren Stimme sie in ihrem Kopf hört und an denen der Zuschauer teilhat. Um die unterschiedlichen Charaktere von Wanda und Melanie darzustellen, brauchte es eine Schauspielerin, die es versteht, kleinste Nuancen in Gestik und Mimik zu unterscheiden, und so dem Zuschauer eine Orientierung zu geben, welches der beiden Mädchen er gerade vor sich hat. Die Irin Saoirse Ronan, die schon im Drama „In meinem Himmel“ brillierte, lernte für ihre Rolle als Melanie / Wanda das Sprechen von gleich zwei amerikanischen Akzenten, einen Südstaaten-Akzent aus Louisiana und einen eher allgemeingültig amerikanischen. Ich gebe zwar zu, dass mich dieser innere Dialog und das dazwischen-Plappern von Melanie zumindest im englischen Original manchmal genervt hat, allerdings ist das auch mein einziger Kritikpunkt an SEELEN.

Produktionsdesign: Die Welt der Seelen

Andrew Niccol und sein Team haben sich konsequenterweise die Frage gestellt, wie die Welt denn nun aussehen soll, nachdem sie größtenteils von den Seelen in Besitz genommen wurde. Passend zu der beschriebenen Philosophie der Seelen sollte zwar alles hoch entwickelt, aber dennoch bescheiden und schlicht wirken. Das spiegelt sich z. B. in der Kleidung der Seelen wieder (Ausnahme bildet hier die prägnanten Creme-Farben, die die Sucher tragen), aber auch in der Ausstattung von Supermärkten, die jetzt keine eigenen Namen und Logos mit auffälliger Farbegestaltung mehr sondern die als rein funktionale Gebäude die schlichte Aufschrift „Store“ tragen. Auch die Produkte, die sich die Seelen darin für den alltäglichen Bedarf holen können, zeigen keinerlei Werbebotschaften, sondern sind zweckdienlich verpackt und beschriftet.

Seelen – Mein Fazit

Ohne die Romanvorlage zu kennen, muss ich sagen, dass hier eine solide Geschichte verfilmt wurde, die durch ihre zahlreichen spannenden Konflikte und Wendungen funktioniert und durch Produktionsdesign und Kulissen als Science Fiction-Film überzeugen kann. Wer aufgrund von Stephenie Meyers Twilight-Geschichten befürchtet, mit einer seichten Liebesgeschichte abgespeist zu werden, dürfte angenehm überrascht sein vom Tiefgang und Einfallsreichtum der Ideen und Metaphern. Mein Fazit: sehenswert!

Infos zum Film

Seelen
(The Host)

USA, 2013
125 Minuten
Concorde Filmverleih
Regie und Drehbuch:
Andrew Niccol
mit Saoirse Ronan,
Max Irons, Jake Abel,
Diane Kruger, William Hurt
FSK: frei ab 12

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Ein Kommentar

  • Hoppla – Tiefgang und Einfallsreichtum hab' ich in dem Film überhaupt nicht wahrgenommen. Ich hab' den Film in meiner Rezension eher verrissen – aber eingeräumt, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre.

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