The Fountain (Darren Aronofsky)

Fantastischer Science Fiction-Film über die Suche nach dem ewigen Leben:

The Fountain (Darren Aronofsky)

The Fountain (Darren Aronofsky)

Ohne Tod ist kein Leben möglich. So einleuchtend und fast banal diese Begrifflichkeiten schaffende Dichotomie sein mag, so schmerzhaft ist sie, wenn der Tod einen geliebten Menschen bedroht. Izzy Creo (Rachel Weisz) hat einen Hirtumor im Endstadium. Ihr Ehemann Tommy (Hugh Jackman) begegnet dem unausweichlichen Tod seiner großen Liebe mit der einfachsten aller Methoden: Leugnen. Der Wissenschaftler arbeitet wie besessen an einem Heil-Mittel gegen Krebs, überschreitet dabei die Grenzen ethischer Wissenschaft und versäumt es durch seine Arbeit, ganz einfach Zeit mit Izzy zu verbringen.

Während Tom seine Tage und Nächte im Labor damit verbringt, Affen aus südamerikanischen Bäumen gewonnene Substanzen zu injizieren, schreibt Izzy an einer Geschichte für – und wohl auch über – ihren Mann. Der Conquistador Tomás (Hugh Jackman) sucht im 16. Jahrhundert für die spanische Königin (Rachel Weisz) nach dem Baum des Lebens, den er im Reich der Maya vermutet. Neben dem Baum der Erkenntnis ein Stück des Paradieses, das vorm Menschen und seiner Gier nach Wissen und Unsterblichkeit versteckt gehalten wird, gilt der Baum als Quelle ewigen Lebens: Wer von seinem Saft trinkt, wird unsterblich werden. Dass Izzy diese Geschichte nicht zu Ende erzählen will und Tommy Tinte und Federhalter schenkt, damit er dies für sie übernehmen kann, macht den Wissenschaftler wütend – wie alles, was darauf hindeutet, dass Izzy sich mit ihrem baldigen Tod abgefunden hat. Seine Weigerung, Izzys Sterben zu akzeptieren, führt zur Unmöglickeit von Kommunikation zwischen ihnen – und zu vertaner Zeit

Der Sternenreisende auf der Suche nach Xibalbá - Szenenbild aus The Fountain

Der Sternenreisende auf der Suche nach Xibalbá – Szenenbild aus The Fountain

500 Jahre später ist ein ebenfalls von Jackman gespielter Sternreisender auf der Suche nach Xibalbá, dem sterbenden Stern, der für die Maya als Unterwelt galt. Wenn dieser Stern stirbt, so die Sage, verleiht er allem neues Leben. Der Sternreisende, der von der Rinde eines Baums am Leben gehalten wird und den Baum damit gleichzeitig tötet, weiß, dass auch er ohne Xibalbá dem Tod geweiht ist. Von seiner Suche halten ihn immer wieder die Erinnerungen an seine geliebte Frau ab, die in seinen Gedanken weiterlebt und ihn ins Hier und Jetzt zurückholen will.


 

The Fountain: Auf der Suche nach Unsterblichkeit

In drei Erzählsträngen bringt Darren Aronofsky mit The Fountain eine Geschichte über das Streben nach Unsterblichkeit auf die Leinwand. Dabei behandelt er das Thema sowohl auf einer sehr persönlichen Ebene und zeigt, wie Tom und Izzy jeweils mit dem Tod umgehen, als auch aus einer weiter gefassten Perspektive, die eine religionsübergreifende Mystik vermittelt und unter anderem Judentum, Christentum, Buddhimus und die alten Maya-Religionen zum Umgang des Menschen mit seiner eigenen Sterblichkeit bündelt. Wie auch in seinem letzten Film Noah richtete Aronofsky in The Fountain zudem seinen Blick stark auf die Verbundenheit von Mensch und Natur.

Verbunden werden die verschiedenen Storylines einerseits über den gemeinsamen Inhalt und die Besetzung mit den gleichen Schauspielern, andererseits durch Match Cuts, in denen die letzte Einstellung einer Szene zur ersten einer anderen Szene wird und die einzelnen Handlungen so nahtlos ineinander übergehen. Nicht nur diese Technik ist eine Reminiszenz an 2001 – Odyssee im Weltraum, in dem der wohl berühmteste Match Cut der Filmgeschichte einen in die Luft geschleuderten Knochen zu einem die Erde umkreisenden Satelliten. Auch in Kubricks Science Fiction-Epos wurde der Mensch bei der Überschreitung von Grenzen beim Ausprobieren alles Machbaren gezeigt und bei der Suche nach einer Antwort auf die zentralen Fragen des Lebens: Wo kommen wir her und wo gehen wir hin? The Fountain ist dabei ebenfalls in überwältigenden Bildern gedreht: Härchen, die sich an Izzys Arm und am Baum des Lebens aufstellen und den Film fast über den Bildschirm fühlbar machen, der Sternenreisende, der vorm klaren Nachthimmel tanzt und als schwarzes Abbild vor den leuchtenden Sternen quasi durch sein Nicht-Dasein zu erkennen ist, und zum Ende hin eine der schönsten und zugleich verstörendsten Szenen, die ich je in einem Film gesehen habe.

Seltener Moment der Zweisamkeit: Izzy und Tommy - Szenenbild aus The Fountain

Seltener Moment der Zweisamkeit: Izzy und Tommy – Szenenbild aus The Fountain

Insgesamt sechs Jahre dauerte es, bis der Film gedreht war, da Warner Brother nach ursprünglicher Zusage das Budget doch strich und die eigentlich bereits besetzten Brad Pitt und Cate Blanchett in anderen Projekten verplant waren. Erst eine Überarbeitung des Drehbuchs durch Aronofsky, die die Kosten des Films auf die Hälfte reduzierte, ermöglichte die Entstehung von The Fountain.

Die Schwierigkeiten beim ersten Versuch, The Fountain zu drehen, führten dazu, dass in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Kent Williams eine Umsetzung als Graphic Novel anzugehen, die schließlich nach Darren Aronofskys Überarbeitung des Drehbuchs in etwa parallel mit dem Film abgeschlossen wurde. Die Graphic Novel ist bei ersten Lesen zugänglicher als der Film und in jedem Fall eine hervorragende Ergänzung.

The Fountain ist ein zutiefst trauriger und gleichzeitig lebensbejahender und positiver Film, der die Frage nach Unsterblichkit in gleich zwei ganz realen Varianten löst, die zum einen die Seele zum anderen den Körper betrifft: erstere als Teil der Erinnerung einer geliebten Person, zweiterer als Eingang in den Kreislauf der Natur, in dem ein auf ein Grab gelegter Samen zum Baum des Lebens in ganz anderem Sinne wird.

Infos zum Film

The Fountain
USA, 2006
93 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky,
Ari Handel
mit Hugh Jackman, Rachel Weisz,
Cliff Curtis, Sean Patrick Thomas
FSK: frei ab 12

 

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