The Rover (David Michôd)

Düstere und packende Post-Apokalypse:

DVD-Cover The Rover

DVD-Cover The Rover

Die Zeiten, in denen man sein Auto gedankenlos vor der Türe stehen lassen konnte, sind in David Michôds düsterem Endzeit-Drama The Rover ganz offensichtlich vorbei: Zehn Jahre nach dem nicht näher beschriebenen Zusammenbruch – ganz offensichtlich ökologischer, ökonomischer und zivilisatorischer Natur – ist die Welt im australischen Outback eine noch härtere geworden. Ob es überhaupt noch eine Regierung gibt, weiß man nicht, und falls ja, kümmert sie sich nicht um die Menschen, die sich wieder auf das Recht des Stärkeren berufen. Kleine militärische Einheiten kontrollieren die Gegend, doch auch ihre Auffassung von Recht und Ordnung ist durch Willkür geprägt. Wer hier überleben will, muss bereit sein, die Regeln, die zehn Jahre zuvor noch galten, geflissentlich zu ignorieren oder bewusst zu brechen. Dinge, die man in dieser Welt braucht, sind eine Waffe, ein Auto und genügend Stoizismus, um nicht an ihr zu zerbrechen.

Während Eric (Guy Pearce), der über all dies verfügt, in einer der wenigen noch vorhandenen Bars sitzt und ins Leere starrt, schaffen Archie, Caleb und Henry es, ihren Wagen vor der Tür festzusetzen. Ganz offensichtlich in Eile bemühen sie sich gar nicht erst, ihr Auto wieder fahrtüchtig zu bekommen, sondern bedienen sich kurzerhand an Erics, dem titelgebenden Rover. Eric ist nicht bereit, das zu akzeptieren, verfolgt die Bande, so weit es geht, und droht ihnen an, sein Fahrzeug zurück zu holen – koste es, was es wolle.


 

The Rover: Ein Auto als letzte Verbindung zur Zivilisation

Die Drohung war ernst gemeint: Eric setzt alles daran, die Autodiebe zu finden. Einerseits ist ein Transportmittel in der post-akopalyptischen Welt, durch die der Einzelgänger sich kämpft, ein unbezahlbarer Vorteil. Aber gleich zu Beginn wird klar, dass der Rover für Eric mehr ist als nur ein Fahrzeug: Er ist das letzte Bindeglied zu einer längst untergegangenen Zivilisation und auch zu einer persönlichen Vergangenheit, von der schmerzhaft klar ist, dass sie nie wiederkehren kann. Unerwartet erhält Eric Unterstützung: Henrys Bruder Rey (Robert Pattinson) wurde von der Bande, die den Rover gestohlen hat, zurückgelassen. Bei dem Überfall, von dem die vier gerade flohen, als sie Erics Weg kreuzten, wurde Rey angeschossen – so sehr, dass die anderen drei glaubten, er sei tot. Doch wahrscheinlich hat man auch nicht zu genau hingeschaut, denn dass der geistig zurückgebliebene Rey eher eine Last als eine Stütze für die drei übrigen war, ist nur allzu gut vorstellbar. Rey ist verständlicherweise ähnlich wütend auf Henry wie Eric, und auch wenn dieser eigentlich keinerlei Begleitung ertragen kann, geht er davon aus, dass der Junge ihm noch nützlich werden kann.

Auf ihrem Weg durch die australische Wüste treffen Eric und Rey immer wieder auf lebende Beweise dessen, was das Fehlen von Zivilisation mit uns Menschen macht: Eine Großmutter, die ohne mit der Wimper zu zucken, Eric ihren Enkel anbietet, Ladenbesitzer, die Eric zum Kauf der wenigen Waren zwingen und völlig korrupte Überreste eines Staatsapparats, dessen einziger Zweck noch ist, Schrecken zu verbreiten. Einziger Lichtblick in dieser düsteren Welt ist eine Ärztin, die Eric und Rey hilft. Sie hat sich selbst aus den Resten der Zivilisation zurückgezogen, um streunende Hunde zu schützen – sie sperrt sie ein, damit sie nicht zum Abendessen marodierender Banden werden. Doch sowohl Eric als auch dem Zuschauer ist sofort klar: Dieser eine Mensch, der den Namen noch verdient hat, ist ein Relikt aus einer Vergangenheit, dessen Zeit längst vorbei ist.

The Rover ist ein düsteres Endzeit-Drama, das in seinem Pessimismus stark an die Cormac McCarthy-Verfilmung The Road erinnert. Die Welt, in der Eric und Rey nach den Dingen suchen, die ihnen genommen wurden, ist längst tot und die Menschen, die sich in ihr bewegen, leben einfach noch ein bisschen weiter, ohne dass sie noch ein großes Ziel hätten. Die Suche nach Henry, nach dem Auto ist nur eine vorübergehende Beschäftigung in einer Welt, in der niemand mehr weiß, worauf man noch warten und was man noch hoffen darf.

In Deutschland ist The Rover Ende 2014 direkt auf DVD erschienen. Die Geschichte eines Mannes, der um die letzte Verbindung zu seiner Vergangenheit kämpft, ist für Fans des post-apokalyptischen Genres eine echte Bereicherung.

Infos zum Film

The Rover
Australien, 2013
103 Minuten
Filmverleih: Senator Filmverleih
Regie: David Michôd
Drehbuch: David Michôd
mit Guy Pearce, Robert Pattinson,
Scoot McNairy
FSK: frei ab 16

 

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