Foxcatcher (Bennett Miller)

Bedrückend stiller Thriller über einen Ringer und seinen manipulativen Mentor:

Filmplakat "Foxcatcher"

Filmplakat „Foxcatcher“

Ringer Mark Schultz (Channing Tatum) ist ein einsamer Mann, dessen Leben aus täglichem Training und Essen besteht. Einziger sozialer Kontakt des introvertierten jungen Mannes ist sein großer Bruder Dave (Mark Ruffalo), der vor vier Jahren zusammen mit ihm bei Olympia Gold gewonnen hat. Da Marks Karriere seit dem großen Sieg stagniert und er hauptsächlich als Daves kleiner Bruder wahrgenommen wird, ist er offen für das Angebot eines mysteriösen Anrufers. Dieser teilt ihm mit, dass John Du Pont ihn auf auf das Anwesen „Foxcatcher“ einlädt und Mark gerne persönlich kennenlernen möchte. Was genau hinter Mr. Du Ponts Anliegen steckt, will der Anrufer seinem Auftraggeber nicht vorweg nehmen. Mark willigt ein, erster Klasse zum Du Pont-Anwesen zu reisen und den Millionär dort zu treffen.

John Du Pont (Steve Carell) bietet Mark an, auf das Foxcatcher-Anwesen zu ziehen und dort ein Ringer-Team zusammen zu stellen, das sich gemeinsam auf die Olympischen Spiele in Seoul vorbereiten soll. Du Pont bietet nicht nur eine äußerst großzügige Bezahlung, sondern stellt Marc neben einem eigenen Chalet auf dem weitläufigen Grundstück auch eine komplett eingerichtete Trainingshalle zur Verfügung. Mark, der soviel Wohlwollen und Aufmerksamkeit nicht gewöhnt ist, willigt sofort ein und versucht in Absprache mit seinem neuen Mentor und formellen Coach John seinen Bruder Dave ins Team zu holen. Doch dieser stellt sofort die Frage nach John Du Ponts Motivation hinter dem Angebot und Marks vage Begründungen reichen nicht aus, den Familienvater zum Umzug zu bewegen.



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Gehirnwäsche führt zu Abhängigkeit

Mark trainiert und lebt zum ersten Mal in seinem Leben unabhängig von seinem großen Bruder. John Du Pont weiß nicht nur, die beiden zu entzweien und die Lücke des fehlenden Mentors zu füllen, sondern liefert Mark auch gleichzeitig den lang gesuchten Freund und Vaterersatz. Subtil manipuliert John immer wieder Marks Denkweise und lässt ihn Sätze sagen wie „ich habe das Gefühl, dass alles, was ich tue, Dave angerechnet wird“. Schnell hat John Mark soweit, dass dieser praktisch alles für ihn zu tun bereit ist, und baut die Abhängigkeit und unnatürlich wirkende Nähe geschickt aus. Doch eines Tages demonstriert John seine Macht über Mark ein wenig zu deutlich, was sämtliche Figuren-Beziehungen vollkommen neu aufstellt.

Die Figuren in Foxcatcher

Da „Foxcatcher“ ein eher handlungsarmer Film ist, liegt der Fokus umso stärker auf den Figuren. Im Fall von Mark und John geben sie viele Rätsel auf, die man im Verlauf des Films nur teilweise zu entschlüsseln vermag. Dadurch ist man nicht so nah an den Figuren, wie man es sich wünschen würde. Vermutlich versucht Regisseur Bennett Miller so, den Zuschauer auf Abstand zu halten, was auch die Perspektivwechsel im Film erklärt.

Während man Mark Schultz zunächst für einen sehr einfach gestrickten muskelbepackten Sportler hält, offenbart er nach und nach seine persönliche Geschichte, unverarbeitete Konflikte und unerfüllte Sehnsüchte, die den perfekten Nährboden für Johns manipulatives Geschick bieten. John Du Pont ist dagegen schwieriger zu durchschauen, weil er es die meiste Zeit schafft, seine Motive und seine Persönlichkeit hinter einer kaum bewegten Maske zu verstecken (hier gibt es eine Parallele zur Realität, denn Bennett Miller lässt Steve Carell im Film eine künstliche Nase tragen, die den Schauspieler so gut wie unkenntlich macht). Nur in Andeutungen zeigt sich, was hinter der Machtgier, dem Geltungsbedürfnis und den psychopathischen Zügen dieses Mannes steckt. Die Aktionen, mit denen John Du Pont seiner Mutter sowie den Sportlern, die er fördert, imponieren will, bleiben lediglich Versuche, die der Zuschauer mit einer Mischung aus Fremdscham und Mitleid beobachtet. Mark und John sind beide klassische tragische Figuren, wobei John die weitaus interessantere ist.

Was den Film so interessant macht

Der Sport des Ringens, der sehr eindrucksvoll durch Geräusche und an Tanzen erinnernde Bewegungen porträtiert wird, ist gleichzeitig Sinnbild für das Verhalten der Figuren: Zunächst umtänzelt man sich, dann ist man einander auf unnatürliche und intime Weise nah und weiß doch, dass der andere ein Gegner ist, den es niederzuringen gilt. Oft verharren die beiden Gegner sekundenlang und scheinbar regungslos in derselben Position und warten, dass der andere einen Fehler macht. Zudem bedient sich „Foxcatcher“ einer symbolträchtigen Bildsprache und liefert zahlreiche „versteckte“ Hinweise. So ist auf Marks Shirt oft das „F“ in „Foxcatcher“ verdeckt, was ihn sinngemäß zu einem Ochsen (engl. Ox) macht, den John „gefangen“ hat, um ihn wie ein Nutztier für seine Zwecke einzusetzen. Dieser Eindruck wird verstärkt durch eines der letzten Bilder des Films, wenn Mark auf dem Weg in die Arena mit kahlrasiertem Schädel im Gegenlicht wie ein Stier aussieht.

Die Landschaften des Du Pont-Anwesens, das blendend weiße Herrenhaus und Marks museumartiges Chalet wirken verlassen, unnatürlich und bedrohlich. Durch die zermürbende Stille des Films, die Schweigsamkeit der Figuren und die unausgetragenen Konflikte rechnet man ständig damit, dass irgendwann etwas wirklich Schlimmes passiert. Der Showdown trifft den Zuschauer dennoch unvorbereitet und kommt wie aus dem Nichts mit umso größerer Wucht.

Fazit zu Foxcatcher

Dieser 5-fach Oscar-nominierte Film sorgt dafür, dass man sich beim Zusehen regelrecht unwohl fühlt. Das liegt einerseits daran, dass man genau wie Mark und Dave Schultz verstehen möchte, worin John Du Ponts Motivation besteht, dieser sich jedoch kaum in die Karten schauen lässt. Andererseits liegt es an der bedrückenden Stille und dem konfliktbeladenen und mehr als unangenehmen Schweigen zwischen den Figuren. Diesen Film kann man unmöglich auf die Schnelle einordnen, da Bilder und Atmosphäre noch lange nachwirken und man sich nach dem Sehen noch lange mit den Figuren beschäftigt. Ich empfehle „Foxcatcher“ jedem, der Sportdramen oder auch einfach ungewöhnliche Thriller mit mysteriösen und psychologisch komplexen Figuren mag.

Infos zum Film

Foxcatcher
USA, 2014
135 Minuten
Filmverleih: StudioCanal
Regie: Bennett Miller
Drehbuch: E. Max Frye, Dan Futterman
mit Steve Carell, Mark Ruffalo,
Channing Tatum, Vanessa Redgrave,
Sienna Miller
FSK: frei ab 12

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