A Most Violent Year (J. C. Chandor)

Spannender Thriller über den Versuch, das Richtige zu tun: 4.0 Stars

DVD-Cover A Most Violent Year

DVD-Cover A Most Violent Year

Mehr als 120.000 Raubüberfälle und über 2.100 Morde: 1981 gilt als das Jahr mit der höchsten Verbrechensquote in der Geschichte New Yorks. Abel Morales (Oscar Isaac) hat es trotz der immer bedrohlicher werdenden Situation stets geschafft, sein Heizöl-Geschäft mit legalen Mitteln zu betreiben. Anders als seine Konkurrenten stattet er seine Fahrer und Verkäufer nicht mit Waffen aus, sondern schult sie in psychologischer Gesprächsführung. Die finanzielle Seite des Geschäfts hat seine Frau Anna (Jessica Chastain) fest im Griff – von ihrem Vater, dem Abel das Geschäft abgekauft hat, hat sie die Buchhaltung im Heizöl-Business gelernt und führt die Bücher der gemeinsamen Unternehmung. Ein großes Risiko gehen beide mit einem besonders verlockenden Geschäft ein: Sie erwerben für einen Millionen-Betrag eine Option auf ein Industrie-Grundstück am Fluss, wo sie das Öl nicht nur direkt in Empfang nehmen, sondern auch lagern könnten. Mit diesem Grundstück könnte ihre Firma zu einer der bedeutendsten New Yorks werden. Doch die Option gilt nur für 30 Tage und die Morales‘ haben all ihr Hab und Gut schon für die erste Zahlung hergegeben – die sie verlieren, wenn sie die zweite Rate nicht auftreiben können.

Abel setzt alles daran, Geldgeber zu finden, die ihn unterstützen. Gleichzeitig droht aber aus zwei anderen Richtungen Ungemach. Immer wieder werden die Heizöl-Trucks der Firma überfallen und gestohlen, was die Fahrer, die oftmals brutal verprügelt werden, demoralisiert, einen großen finanziellen Schaden bedeutet und außerdem ein schlechtes Licht auf die Firma wirft: Im haifisch-Becken der Heizöl-Branche darf man keinerlei Schwäche zeigen. Statt Pistolen für die Fahrer zu besorgen, wie seine rechte Hand es vorschlägt, versucht Abel auf eigene Faust, herauszufinden, wer seiner Widersacher seine LKWs stiehlt. Während die Methoden der Konkurrenz immer brutaler werden, setzt sich Staatsanwalt Lawrence (David Oyelowo) auf die Spur des Ehepaars, um nachzuweisen, dass diese Steuern hinterzogen haben.



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A Most Violent Year: Aus Gewalt wird Politik

A Most Violent Year ist ein äußerst spannender und intelligenter Thriller, der weitestgehend ohne Gewaltdarstellung auskommt, obwohl er im gewaltreichsten Jahr New Yorks spielt. Das Setting, in dem der mit dem gleich doppelt aussagekräftigen Namen benannte Abel Morales für seine Überzeugungen eintritt, könnte schwieriger nicht sein. Verbrechen hat einen Status erreicht, in dem es nicht nur toleriert wird, weil die Staatsgewalt ohnehin machtlos ist, sondern in dem derjenige der Dumme ist, der sich an die Regeln hält. Dass gerade zu dieser Zeit und in dieser korrupten Branche ein Einwanderer sich durchgehend konsequent an die Regeln hält, macht den Film zu einer Fallstudie in Sachen Moral. Gegen alle Widerstände und Unverständnis seiner Einstellung gegenüber, selbst aus seiner eigenen Familie, entscheidet sich Abel immer für den gewaltfreien Weg. Ein Heiliger wird aus ihm dennoch nicht, denn die Lösung der Gewalt ist nicht etwa gewaltfreie, freiwillige Kooperation, sondern Politik, der sich Abel dann doch nicht entzieht. Statt anderen den eigenen Willen mit Gewalt aufzuzwingen, wird so lange verhandelt, bis das Ergebnis das selbe ist. Macht hat dann am Ende nicht mehr der mit der Waffe, sondern derjenige mit den (vielleicht) besseren Argumenten oder den (ganz sicher) besseren Verbindungen.

A Most Violent Year erscheint am 7. August auf DVD.

Infos zum Film

A Most Violent Year
USA, 2014
125 Minuten
Filmverleih: Universum Filmverleih
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
mit Jessica Chastain, Oscar Isaac,
David Oyelowo
FSK: frei ab 12

 

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