Dame, König, As, Spion (Tomas Alfredson)

Dame, König, As, Spion

Filmplakat „Dame, König, As, Spion“

„Spionagethriller, der zur Zeit des kalten Kriegs spielt“ ist sicher nicht meine spontane Antwort auf die Frage, welchen Film ich mir denn heute gerne ansehen möchte. Diese Beschreibung wird „Dame, König, As, Spion“ (im Original: Tinker, Tailor, Soldier, Spy) allerdings auch nicht gerecht; wer sich zwei Stunden lang im Kinosessel zurücklehnen und von Verfolgungsjagden berieseln lassen will, wird enttäuscht werden (und – wie bei meinem Kinobesuch diverse Male beobachtet – den Film vielleicht vorzeitig verlassen). Wer allerdings Spaß an Geschichten hat, die noch kurz vor Schluss nicht vorhersehbar sind, wird mit einem intelligenten Film belohnt, den man am liebsten gleich noch mal sehen möchte.

 

Suche nach dem Maulwurf

London, 1973. Nach einem missglückten Einsatz in Budapest wird die „alte Garde“ an der Spitze des britischen Auslandsgeheimdiensts MI6, von seinen Mitarbeitern „Circus“ genannt, ausgetauscht: „Control“ (John Hurt) und George Smiley (Gary Oldman), der zudem gerade mal wieder von seiner Frau verlassen wurde, müssen ihre Plätze räumen. Doch der Ruhestand ist für Smiley nur von kurzer Dauer. Nachdem Control offenbar Selbstmord begangen hat, soll Smiley einem Verdacht nachgehen, den der ehemalige Circus-Chef wohl schon länger hegte: An der Spitze des MI6 gibt es einen Maulwurf, der mit dem KGB zusammenarbeitet. Fünf Verdächtige hatte Control, und Smiley selbst war einer davon. Nun hat er die Aufgabe, gegen seine ehemaligen Kollegen zu ermitteln, ohne dass jemand erfährt, was er eigentlich sucht. Als rechte Hand wählt er sich den jungen Agenten Peter Guillam (Benedict Cumberbatch, der die Titelrolle in der BBC-Serie Sherlock spielt), und gemeinsam versuchen die beiden, herauszufinden, wem sie vertrauen können.

 

Keine Berieselung

Dame, König, As, Spion

George Smiley (Gary Oldman) – Szenenfoto aus „Dame, König, As, Spion“

Ein bisschen fühlt man sich beim Ansehen von „Dame, König, As, Spion“ selbst wie George Smiley, während man versucht, sich einen Reim auf das Geschehen zu machen. Vieles wird in Rückblenden erzählt, und die Anzahl der Figuren und deren Beziehungen untereinander muss man von Anfang an im Auge behalten, um nicht den Überblick zu verlieren. Dialog wird eher spärlich eingesetzt, dafür ist wirklich jedes Wort, das gesprochen wird, wichtig für die Handlung. Man sollte sich also darauf einlassen wollen, gut zwei Stunden lang mitzudenken.
Außerdem sehr schön in dem Film ist die authentische Siebziger-Jahre-Stimmung. Der Film zeigt nicht nur ein Bild dieser Zeit, sondern wirkt selbst streckenweise, als wäre er vor vierzig Jahren entstanden. Vieles passiert langsamer, als man das aus aktuellen Filmen gewohnt ist, und die teils etwas blassen Farben unterstreichen das noch. Auch das Alter der Hauptfigur wird so thematisiert: George Smiley wirkt wie ein Relikt zwischen den jungen oder zumindest jüngeren Agenten. Da wird eine Szene, in der Smiley sich eine Brille anpassen lässt, schnell zum Symbol für eine Generation, deren Zeit vorbei zu sein scheint und von der erwartet wird, dass sie nun gefälligst das Staffelholz weiterreicht.

 

Drei Oscar-Nominierungen

Insgesamt ist „Dame, König, As, Spion“ ein wirklich sehenswerter und sehr ungewöhnlicher Film, der zu Recht für drei Oscars nominiert wurde (Gary Oldman als bester Hauptdarsteller, beste Filmmusik und bestes adaptiertes Drehbuch) und bis in die Nebenrollen fantastisch besetzt ist. In die gleichnamige Romanvorlage von John le Carré habe ich natürlich schon reingelesen – und auch hierzu wird es selbstverständlich eine Rezension geben, denn auf den ersten Blick scheint das Buch ebenso ungewöhnlich und doch ganz anders als der Film zu sein, und auf meinem Bücherstapel liegt es nun recht weit oben. Auch wenn „Spionagethriller, der zur Zeit des kalten Kriegs spielt“ normalerweise auch nicht meine spontane Antwort auf die Frage nach dem nächsten Buch, das ich lesen möchte, ist.

Infos zum Film

Dame, König, As, Spion
(Tinker, Tailor, Soldier, Spy)
Frankreich/Großbritannien/Deutschland, 2011
127 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Tomas Alfredson
Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan
mit Gary Oldman, Benedict Cumberbatch, John Hurt, Colin Firth
FSK: ab 12 Jahre

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