Nightcrawler (Dan Gilroy)

Fesselnder Thriller mit jeder Menge Sozialkritik und Jake Gyllenhaal 4.5 Stars

Filmplakat Nightcrawler

Filmplakat Nightcrawler

Wer es in einer Gesellschaft der begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten und unbegrenzten Wünsche zu etwas bringen will, braucht Ausdauer, Ehrgeiz und ein bisschen Glück. Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) fehlt vor allem letzteres. Er schlägt sich mit dem Diebstahl und Verkauf von Kupferdraht und Gullydeckeln durch, gibt die Hoffnung auf ein Leben mit dem, was andere haben, aber nicht auf. Sein Motto: „Wenn man im Lotto gewinnen will, dann braucht man die Kohle für den Lottoschein.“ Seine Einsatzbereitschaft kennt keine Grenzen, und so bietet er seinen „Geschäftspartnern“ kostenlose Praktika an, um sie von seiner schnellen Auffassungsgabe und seiner Leidenschaft für die Arbeit zu überzeugen. Doch vergeblich – da Lou einmal die Grenzen zur Illegalität überschritten hat, will ihn niemand mehr einstellen.

Schließlich kommt ihm doch das Glück oder zumindest der Zufall zur Hilfe: Auf dem Weg von seinen nächtlichen Deals sieht er zwei Polizisten, die eine Frau aus einem verunglückten Wagen bergen. Lou hält aus Neugier an und kurz darauf ist auch schon jemand anderes am Unfall-Ort: Joe Loder (Bill Paxton), der ausgestattet mit Polizeifunk und Kamera zu den Sensationsereignissen der Nacht fährt, um die Bilder, die er davon einfängt, noch an Ort und Stelle ans Fernsehen zu verkaufen. Lou wittert eine Aufgabe, in der er gut sein könnte, und bietet auch Joe an, kostenlos für ihn zu arbeiten und von ihm zu lernen, doch Joe hält nicht viel davon, sich die Konkurrenz um die begehrten Sendeplätze im eigenen Van heranzuziehen.

Da aufgeben nicht zu Lous Vokabular gehört. rüstet er sich am nächsten Tag selbst mit Kamera und Funkgerät aus, und beginnt seine selbst gewählte Karriere als „Nightcrawler“.


 

Nightcrawler unterwegs zum nächsten Sensationsfilm

Schon in der nächsten Nacht eilt Lou der Polizei hinterher, doch natürlich ist Wettbewerber Joe früher am Ort des Geschehens. Was dieser dem Neuling im Geschäft durch Erfahrung, Kontakte und bessere Ausrüstung voraus hat, kann Lou nur durch eins wettmachen: Er muss die aufregenderen Aufnahmen bringen. Also überschreitet Lou auch in seinem neuen Job von Anfang an wieder Grenzen, stellt sich mit seiner Kamera direkt neben die Helfer und filmt einen sterbenden Mann aus nächster Nähe, bis beide Sensationsfilmer von der Polizei fortgejagt werden. Für Lou reicht dieser erste kurze Film jedoch, um beim quotenschwächsten Lokal-Sender in Los Angeles einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die Leiterin der Nachrichten-Redaktion Nina (Rene Russo) weiß, dass die Zuschauer sich am liebsten schon beim Frühstück über die schreckliche Welt dort draußen gruseln, und erkennt in Lou jemanden, der ihr regelmäßig die bewegten Bilder der Opfer der Nacht liefern kann. Diese ersten Erfolge geben dem ehrgeizigen Jung-Journalisten den Weg vor: Skrupel sind nicht angebracht, wenn man die Aufhänger-Meldung des Tages liefern will.

Entwicklungsgespräch: Lou klärt seinen Praktikanten Rick () über dessen Stärken und Schwächen im Job auf - Szenenbild aus Nightcrawler

Entwicklungsgespräch: Lou klärt seinen Praktikanten Rick (Riz Ahmed) über dessen Stärken und Schwächen im Job auf – Szenenbild aus Nightcrawler

Nightcrawler zeigt zwei unglaublich spannende Stunden lang den Aufstieg eines vom Ehrgeiz Getriebenen, der bereit ist, alles zu tun, was nötig ist, um sich den Platz in der Welt zu sichern, auf den er seiner Ansicht nach einen Anspruch hat. Die schnelle Auffassungsgabe, auf die Lou so stolz ist, hilft ihm, die Regeln seiner Umgebung zu durchschauen und sie sich so weit zurechtzubiegen, bis er seine Ziele erreicht. Andere Menschen lassen sich auf seinem Weg an die Spitze in Hindernisse oder Erfüllungsgehilfen einteilen und wechseln auch schnell mal von einer Kategorie in die andere.

Das wirklich beklemmende an Nightcrawler ist jedoch nicht die Tatsache, dass es jemanden wie Lou gibt, der mit aller Macht an die Spitze seiner doch recht überschaubaren Welt will, sondern dass er auf ein System trifft, dass dies nicht nur zulässt, sondern sogar fördert. Richtungsweisend dabei ist die Szene, in der Nina den Rechtsbeistand des Senders fragt, ob es in Ordnung sei, das Material, das Lou gebracht hat, zu senden, und auf Rückfrage sagt, dass sie natürlich nur die rechtliche Beurteilung interessiere, moralische und ethische Einwände seien ihr egal. Genau so handelt auch Lou: So lange es nicht verboten ist (oder man ihm nichts Verbotenes nachweisen kann), muss erlaubt sein, was er tut. Wer will denn nachweisen, dass er nicht gehört hat, wie ihn jemand ins Haus eines gerade überfallenen Ehepaar gerufen hat? Vor allem aber gibt der Erfolg ihm Recht, denn jemand, der ein paar Minuten Film für fünfstellige Beträge verkauft, muss schließlich irgendetwas richtig machen.

Erster! Lou weiß, worauf es in seinem Business ankommt - Szenenbild aus Nightcrawler

Erster! Lou weiß, worauf es in seinem Business ankommt – Szenenbild aus Nightcrawler

Drehbuch-Autor Dan Gilroy führte in Nightcrawler zum ersten Mal Regie und hat dank toller Story und fantastischer Besetzung (unter anderem mit Gilroys Ehefrau Rene Russo) einen fesselnden und manchmal schockierenden Thriller geschaffen. Getragen wird der Film vom faszinierend-verstörenden Spiel von Jake Gyllenhaal, der nach seiner letzten Doppelrolle als depressiver Hochschullehrer und narzisstischer Schauspieler in der Saramago-Verfilmung Enemy auch hier zeigt, wie unglaublich wandlungsfähig er ist. Lou Bloom möchte man im wahrsten Sinne des Wortes nicht im Dunkeln begegnen, und sein kaltes Lächeln bereitet einem jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut.

Nightcrawler ist bereits seit dem 13. November im Kino zu sehen. Für Fans von Spannung, Gesellschaftskritik und Jake Gyllenhaal eine absolute Bereicherung des Kino-Jahrs.

Infos zum Film

Nightcrawler
USA, 2014
117 Minuten
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Regie: Dan Gilroy
Drehbuch: Dan Gilroy
mit Jake Gyllenhaal, Rene Russo,
Riz Ahmed, Bill Paxton
FSK: frei ab 16

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