Nocturnal Animals (Tom Ford)

Stylisher und extrem spannender Einblick in die US-amerikanische Gesellschaft:

Nocturnal Animals

Nocturnal Animals

Susan Morrow (Amy Adams) führt ein Leben, von dem andere träumen. Sie führt eine eigene Galerie in Los Angeles und beschäftigt sich täglich mit Kunst.

Damit hat sie nicht nur ihr Hobby zum Beruf gemacht, sondern ist auch noch extrem erfolgreich. Die Arbeit erlaubt es Susan, in einem fantastischen Haus zu wohnen. Sie lässt sich das Leben durch zahlreiche Angestellte erleichtern. Außerdem sieht ihr Mann Hutton (Armie Hammer) verdammt gut aus.

Doch die Fassade bröckelt langsam. Die Kunst, die Susan ausstellt, bringt ihr zwar viel Geld ein, berührt sie jedoch nicht mehr. Huttons Geschäfte laufen nicht gut, und außerdem verbringt er die Wochenenden vor allem bei der Arbeit.

Obwohl Susan also den amerikanischen Traum lebt, ist sie nicht wirklich glücklich. Ein Päckchen bringt da eine plötzliche Veränderung in ihr Leben. Ihr Ex-Mann Edward (Jake Gyllenhaal) hat nach jahrelangen Versuchen einen Roman geschrieben. Er ist Susan gewidmet und Edward schickt ihn ihr als erster Leserin zu.

Susan, von Hutton am Wochenende mal wieder allein gelassen, stürzt sich sogleich auf das Werk mit dem Titel Nocturnal Animals (= nachtaktive Tiere). Von hier an erzählt Nocturnal Animals drei Handlungsstränge: Susans gegenwärtiges Leben und ihre zerbröckelnde Ehe mit Hutton, die Geschichte von Edwards Skript und in Rückblenden die gemeinsame Story von Edward und Susan.

Nocturnal Animals: Zwei Seiten Amerikas

Von der ersten Seite an ist Susan gefesselt vom Roman Nocturnal Animals. Dem Kino-Zuschauer ergeht es nicht anders, denn dieser Thriller hat es wirklich in sich. Das Ehepaar Tony (ebenfalls gespielt von Jake Gyllenhaal) und Laura Hastings (Isla Fisher, die nicht nur mit Sacha Baron Cohen verheiratet ist, sondern außerdem Amy Adams sehr ähnlich sieht) fährt mit Tochter India in die Ferien.

Auf Wunsch von India fahren sie schon abends los, um die ganze Nacht durchzufahren und so früher anzukommen. Die Strecke, die sie zurücklegen, führt durch die entlegenen Gegenden der USA, die so gar nichts mehr mit dem großstädtischen Kulturbetrieb gemein haben: Hier gibt es über weite Strecken kein Telefonnetz, und Menschen begegnet man auch kaum.

Den Hastings wäre es sogar lieber, wenn sie noch weniger Menschen begegnen würden, denn eine Gruppe junger Männer macht sich einen Spaß daraus, die Familie zu bedrängen und einzuschüchtern. India lässt das nicht auf sich sitzen und provoziert die Rowdys, die die Einsamkeit der Straße dazu nutzen, den Wagen der Familie vom Straßenrand zu drängen.

Die Situation eskaliert, und allen voran der Hillbilly Ray (Aaron Taylor-Johnson) schürt weiter Angst und Gewalt. Schließlich fahren zwei der jungen Männer mit Hastings‘ Frau und seiner Tochter weg, die dieser lebend nicht wiedersehen wird.

Nach einer angsterfüllten Nacht und wenig bis keiner Hilfe von vorbeifahrenden Texanern schafft Tony es schließlich auf die Polizeiwache, wo sich der Polizist Bobby (Michael Shannon) seiner annimmt und ihn in seinen Rache-Wünschen unterstützt.

Alle Figuren sind Nocturnal Animals

Nocturnal Animals ist ein erzählerisch extrem starker Film, der einen von der ersten Minute an mitreißt. Das liegt einerseits natürlich an dem Thriller-Part, den Susan liest (genau so sollten Thriller geschrieben sein!), andererseits aber auch an einer besonders stylishen Visualität vor allem in Susans gegenwärtiger Welt.

Ein solcher Fokus auf visuelle Wirkung zieht natürlich unweigerlich den schon fast reflekthaften „Style over Substance“-Vorwurf nach sich. Bei Nocturnal Animals kann man das auf den ersten Blick auch nachvollziehen, und dass Tom Ford in seinem früheren Leben Modedesigner war, tut natürlich ein Übriges zu solchen Einschätzungen.

Doch wenn man sich näher mit dem Film und seinen Aussagen beschäftigt, wird einem schnell klar, dass Style over Substance immer nur dann gegeben ist, wenn dies in der dargestellten Gesellschaftsschicht ebenfalls der Fall ist.

Die Galerie-Welt ist bunt, schön und glänzend, und kratzt man an der Oberfläche, findet man wahrscheinlich mehr Oberfläche. Das zeigt der Film nicht nur, er spiegelt es durch seine gesamte Bildsprache wider.

Eine der besonderen Stärken von Nocturnal Animals liegt in dem Gegensatz der zwei Seiten der USA, die der Film gleichermaßen treffend charakterisiert: Auf der einen Seite zeigt er die gerade erwähnte Intellektuellen-Welt von Los Angeles, die sich vor allem um sich selbst dreht und glaubt, in ihrer Kunst das wahre Leben darzustellen.

Tritt dieses wahre Leben dann jedoch persönlich in Erscheinung, dann so jäh und gewaltvoll wie in Form von Ray und seinen Kumpels. Diese Seite der USA, die vom Rest des Landes (und der Welt) abgeschnittenen Landstriche, in der jeder eine Waffe im Handschuhfach hat und mehr Zeit, als gut für ihn ist.

Golden Globe-Nominierungen und Auszeichnungen

Aaron Taylor-Johnson heimste für seine Darstellung des gewaltbereiten, in der Mitte der USA und am Rand der Gesellschaft gestrandeten Ray denn auch eine Golden Globe-Nominierung ein. Tom Ford wurde gleich zwei Mal nominiert –  für Regie und Drehbuch, mit dem er den Roman Tony & Susan von Austin Wright adaptierte.

Zwei Preise erhielt Nocturnal Animals bereits: Bei den Filmfestspielen in Venedig erhielt er den Großen Preis der Jury, und auf der Frankfurter Literaturmesse wurde der Film als beste internationale Literaturverfilmung ausgezeichnet.

Was bedeutet das Ende von Nocturnal Animals? Interpretation

Achtung, ab hier folgen Spoiler! Bitte lest nicht weiter, falls ihr den Film noch sehen und euch das Ende nicht verderben lassen wollt.

Ich versuche in meinen Rezensionen immer, so viel zu verraten, wie nötig ist, um sich ein Bild zu machen, aber nie so viel, dass der gesamte Film oder das ganze Buch verdorben wird. Bei Nocturnal Animals breche ich damit, weil das Ende ein paar eigene Sätze verdient. (Im Kino hinter mir rief jemand ganz spontan „Hä?“, als die Credits eingeblendet wurden.)

Daher hier nochmals die Warnung: Es folgen Spoiler. Letzte Chance auszusteigen…

Okay.

Zusammenfassung des Endes von Nocturnal Animals

Gezeigt wird am Ende Folgendes: Susan ist nach der Lektüre von Nocturnal Animals, den jüngsten Eskapaden ihres Ehemanns und der steigenden Entfremdung von der Galerie klar geworden, dass sie einen Fehler gemacht hat, als sie Edward damals verlassen hat. Sie verabredet sich mit ihm, schlägt Zeit und Ort vor, macht sich hübsch, verkleidet sich aber nicht wie sonst, und geht dann ins Restaurant.

Dort sitzt sie und wartet. Wartet. Über Stunden hinweg (ich schätze, es sind mindestens vier, sie kommt wahrscheinlich um acht, andere Gäste kommen und gehen, und am Ende ist das Restaurant leer). Edward kommt nicht. Schnitt. Film zu Ende. „Hä?“

Um das Ende zu verstehen, muss man natürlich alles vorher angesehen haben, und die Parallelen zwischen dem Roman und Susans und Edwards gemeinsamem Leben erkennen. Denn Susan hat Edward nicht einfach so verlassen, sondern für Hutton. Dummerweise war sie zu diesem Zeitpunkt schon von Edward schwanger und ließ das Kind abtreiben. Edward erfuhr dies zufällig. Sein Leben war zerstört.

In seinem Roman verarbeitet Edward dieses traumatische Erlebnis, weswegen Tony im Film auch vom selben Schauspieler dargestellt wird wie Edward. Tony erlebt Ähnliches wie Edward, wenn auch noch viel offensichtlicher gewaltvoll. Seine Frau und sein Kind werden ihm urplötzlich und ohne jede Vorwarnung von einem anderen Mann weggenommen. Er bleibt allein zurück und sinnt auf Rache.

Tony bekommt diese Rache am Ende auch. In einem Kampf, in dem er selbst schwer einstecken muss, erschießt er Ray. Später fällt er geschwächt auf den Arm, in dem er die Pistole hält, und erschießt sich. Ob das ein Unfall oder Selbstmord ist, ist nicht ganz ersichtlich.

Mir fallen drei Interpretationsmöglichkeiten für das Ende ein, und sie hängen alle damit zusammen, warum Edward seiner Ex-Frau (die er schon Jahrzehnte nicht gesehen hat) sein Manuskript überhaupt schickt.

Interpretation 1: Edward nimmt Rache.

Dies ist die plakativste Interpretation, und es spricht einiges dafür, allen voran die Tatsache, dass Susan mehrere Minuten in der Galerie vor einem Bild mit dem Wort „Revenge“ steht.

Trifft diese Interpretation zu, so hat Edward die vielen Jahre genutzt, um seiner Ex-Frau, die ihn immer wieder für seine Prosa kritisiert hatte, einen Roman vor die Nase zu setzen, den diese nicht mehr aus der Hand legen kann. In dem Moment, in dem Susan dann einsieht, welchen Fehler sie begangen hat, zeigt er ihr die kalte Schulter. Seine Mission ist erfüllt, sie ist ihm egal geworden.

Auch wenn das „Revenge“-Bild dafür spricht, glaube ich persönlich nicht an diese Interpretation. Wenn Edward wirklich so viele Jahre seines Lebens in diesen Roman investiert hat, nur, um Susan zu beeindrucken, so wird er sich nicht damit zufrieden geben, sie im Restaurant sitzen zu lassen. Denn die Genugtuung, die er braucht, erstreckt sich damit ja weit über die Trennung hinaus.

Edward konnte über Jahre nicht loslassen – warum sollte er es jetzt plötzlich können.

Interpretation 2: Edward bedroht Hutton.

Eigentlich will Edward sich ja gar nicht an Susan rächen, sondern an demjenigen, der ihm Frau und (ungeborenes) Kind entrissen hat. Das ist Hutton. Das Ende des Manuskripts – Tony tötet Ray – zeigt dann, worauf Edward eigentlich sinnt: Rache an Hutton.

Die Übersendung des Manuskripts wäre also eine indirekte Drohung gegenüber Hutton. Während Susan im Restaurant sitzt und ein Glas nach dem anderen leert, ist Edward möglicherweise gerade dabei, sich dem Neuen seiner Ex persönlich vorzustellen.

Warum ich an diese Interpretation auch nicht glaube? Edward wird den ganzen Film über als sehr zart und gutmütig charakterisiert. Hätte er wirklich gewalttätig Rache nehmen wollen, so wäre der Zeitpunkt eher gewesen, als er emotional so stark involviert war, dass er sich nicht unter Kontrolle hatte – zu dem Zeitpunkt, als er von der Abtreibung erfahren hat.

Zudem überzeichnet er in seinem Roman die Gewalt der Geschehnisse: Schließlich wurde Susan in Wirklichkeit ja auch nicht getötet.

Interpretation 3: Edward nimmt Abschied.

Dies ist meine favorisierte Lösung: Das Manuskript ist ein Abschiedsbrief. Edward hat ganz offensichtlich nie verwunden, dass Susan ihn verlassen hat. Deswegen hat er sich auch sein ganzes Leben lang weiterhin nur um sie gedreht. Und er hat einen Roman über und für sie geschrieben.

Mit dem Niederschreiben ihrer Geschichte ist sein Zweck nun erfüllt – für Edward gibt es keinen Sinn mehr im Leben. Ihm ist klar, dass selbst, wenn Susan zu ihm zurückkehren würde, kein Anknüpfen mehr an frühere Zeiten stattfinden könnte. Susan hat sich verändert, während er derselbe geblieben ist.

Was bleibt ihm also? Sein im Roman angekündigter Selbstmord. Denn dass der Schuss in den eigenen Bauch nach dem Mord an Ray ein Unfall ist, ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Wie genau soll er denn da worauf fallen, damit er den Abzug drückt?

Der wichtigste Fakt, der für mich für diese Interpretation spricht, ist die lange Zeit, die Susan im Restaurant sitzt und wartet. Obwohl sie vorher per E-Mail mit Edward Kontakt hatte und er ihr sämtliche Nummern und Adressen gegeben hat, versucht sie nicht, ihn zu erreichen. Sie sitzt, trinkt und hofft ganz offensichtlich, dass es noch eine positive Überraschung für sie gibt.

Über Stunden rührt sie sich nicht von ihrem Platz. So wartet jedoch niemand, der versetzt wurde. Vielmehr zeigt die Dauer des Verbleibs im Restaurant, dass sie nicht unbedingt wartet, sondern zögert, in ihr normales Leben zurückzukehren – aus Angst, welche Nachricht sie dort erwarten wird.

Da Susan Edward sehr gut kennt und ihm durch das Lesen des Romans noch einmal näher gekommen ist, wird ihr sicher klar, dass ihr Ex-Mann sich das Leben genommen hat, nachdem er sicher war, dass sie seinen Abschiedsbrief bis zum Ende gelesen hat.

Wie hat euch der Film gefallen? Und wie interpretiert ihr das Ende von Nocturnal Animals?

Infos zum Film

Nocturnal Animals

USA, 2016
117 Minuten
Filmverleih: Universal Pictures
Regie: Tom Ford
Drehbuch: Tom Ford
mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Aaron Taylor-Johnson, Michael Shannon, Isla Fisher
FSK: frei ab 16

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20 Kommentare

  • Ada Vaita

    ACHTUNG! SPOILER! Meine Interpretation des Filmes, nicht Lesen, wenn Du Dich noch überraschen lassen möchtest!

    Meine Interpretation zum Film:

    Das Manuskript gleicht einem Tagebuch, in dem Edward sein Leben verarbeitet – ich wage zu bezweifeln, ob es Edward jemals veröffentlicht wollte.

    Darin verarbeitet er den Verlust der Liebe seines Lebens, Susan. So kann er nicht mal ihr die Schuld geben ihn verlassen zu haben, sondern sieht sie und sich als Opfer einer materialistischen Elite, welche sie ihm entrissen hat. Vergewaltigt und getötet, unwiederbringlich. Und so stirbt auch er.

    Susan wird beim Lesen dieser Schilderungen schwach und scheint sich fast von den materiellen Werten Ihres Lebens wieder abzuwenden. Sie will ein Treffen mit Edward. Doch als dieser ihr bezüglich eines Treffens antwortet und nach dem Ort und der Zeit des Treffens fragt, schreibt Susan nicht zurück.

    So macht sie sich bedrückt fertig, geht an den Ort des Treffens, welchen sie Edward vermutlich nicht mitgeteilt hat, und wartet natürlich vergebens. So erschafft auch sie die Illusion, dass sie Willens war Ihrer Welt zu entkommen, nun aber Edward für ihre Schwäche verantwortlich machen kann.
    Einmal mehr wird ein weiteres Puzzlestück der Fassade hinzugefügt, bis das Bild nun perfekt und Susan gänzlich verloren ist. Die selbsterfüllende Prophezeiung erfüllt sich, Susan gleicht nun ihrer Mutter.

    Wer ähnliches erlebt hat, kann es verstehen, für andere ist es eine Geschichte.
    Und das ist das Leben in dem Roman in einem Film.

    • Auch diese Interpretation finde ich völlig schlüssig – zumal ja wirklich nicht gezeigt wird, ob Susan Edward auf seine letzte E-Mail antwortet.
      Vielen Dank, dass du diese Interpretation hinzugefügt hast!

    • Miriu

      Genau mein Gedanke! Ich interpretiere das Ende des Films ebenfalls so.

    • Philipp

      Jemandem nicht Bescheid zu sagen, wo man sich treffen will, dann aber dort auf denjenigen zu warten, hat für mich nichts mit Erschaffen einer Illusion zu tun. Sowas tut kein Mensch, es sei denn er ist geisteskrank. Den ganzen Film über hat die Hauptdarstellerin auf mich aber nicht annähernd den Eindruck von Geisteskrankheit erweckt. Sie ist unglücklich, vielleicht fast depressiv, aber nicht geisteskrank, wodurch einfachste Zusammenhänge für sie nicht mehr klar würden.

  • Farhad Pirouz

    Ein überwältigender Film! Ohne Zweifel!
    Auch ich schließe mich der Interpretation Nr. 3 an!
    Durch das Buch hat Edward, Susan wieder an sich gerissen (zurückerobert) und durch die ohnehin schleichende Unzufriedenheit Susan’s hat sie sich Edward gegenüber geöffnet! Ihr ist es fast wie egal, dass sie weiß, dass Hutton mit einer anderen Frau in New York das Wochenende verbringt! Der Drang Edward wiederzusehen wird mit jeder Sequenz größer! Edward hat so Hutton aus dem Leben von Susan verstoßen ( Er tötet Ray). Er hat seiner Genugtuung genüge geleistet, wissend, dass beide niemals mehr daran anschließen können, wo sie einmal begonnen hatten! Der Schmerz war zu groß für ihn! Denn als Susan ihm vorschlägt sich zu treffen, weiß er dass er erreicht hat , was er wollte. Er setzt aber noch einen oben drauf; nicht nur hat er Susan damit endgültig aus ihrem „American Dream of Life“ gerissen und sie isoliert, sondern er gibt ihr auch keine Chance mehr in eine ihr im Tiefsten immer noch geliebte Lebenerinnerung zurückzukehren!
    Susan weiß, dass das lange Warten der endgültige Schluss dieser Beziehung ist; ob er sich nun umgebracht hat oder nicht!
    Dramaturgie, Musik, Regie, Bildtechnik, Schauspielerleistungen: alles großartig gelungen und hervorragend!
    Congratulations Tom Ford!

  • Es gibt einen Satz im Film, der meine etwas andere Interpretation des Geschehens unterstützt.
    Und zwar wird an einer Stelle gesagt, dass Jake Gyllenhaal schreibt, um Menschen am Leben zu erhalten. Für mich sind die beiden Geschichten verdreht und der Plot rund um Tony Hastings ist die Realität und der Plot rund um Edward fiktional.
    Es geht um einen gebrochenen Mann, der sich die Geschichte seines Lebens ausdenkt, um so einerseits seine tote Familie bei sich zu haben, aber eben auch mit dem Hintergrund, endlich Abschied von den beiden nehmen zu können. Allerdings schafft er es nie so ganz, weswegen er sich den Weg zu ihr zurück in seiner Fantasie offen lässt (das Buch). Die Geschichte ist deswegen so bitterböse, weil er sich das Vergessen auf diese Weise leichter machen möchte. Bis zum Schluss kann er aber nicht loslassen und dann schießt er sich an und erträumt sich, dass er endlich zu seiner Frau zurückkehrt (in den Himmel). Doch er wird wiederbelebt und sie wartet umsonst. Er kann endlich loslassen und weiß, dass er endlich wieder anfangen muss zu leben.

    Allerdings ist das alles obsolet, wenn man das Ende des Romans kennt, denn dort ist der Schluss sehr eindeutig.

    • Das Ende des Romans kenne ich leider nicht, aber ich werde ihn ziemlich sicher lesen! Und auch deine Interpretation finde ich sehr schlüssig. Wirklich unglaublich vieldeutig, dieser Film.

  • Nicole

    Vielleicht könntest du uns mal das Ende des Buches sagen, wenn es so eindeutig ist.

    Lieben Dank 🙂

  • Florian

    Ich hatte das Gefühl, dass Edward nicht nur durch Tony dargestellt wird, sondern auch durch den Sheriff. Der „alte Edward“ erlitt den Verlust seiner Familie wodurch er innerlich zerbrach und letztendlich starb. Der „neue Edward“ ist der recht kühle und pragmatische Sheriff. Durch die Krebserkrankung wünscht er sich noch etwas zu Ende zu bringen. Der Sheriff möchte noch den Kriminellen ein Ende setzen, Edward beendet letztendlich doch noch sein Buch. Gleichzeitig als Abschiedsbrief.

  • maRt!nA

    Kann mir jemand sagen was es mit der „realen“ Tochter Susan’s auf sich hat? Die Sie nach den ersten bösen Geschehnissen am Morgen anrief?
    Ist das doch die gemeinsame Tochter?!

  • reredok

    Ich komme mit dem „abgetriebenen“ Kind nicht ganz klar. In einem Zwischspann kommte es zwischen Edward und Susan zum Dialog [“ … Du kannst nur immer über Dich schreiben …“] . Außerdem: Laura Hastings sieht Susan extrem ähnlich. Ist es die Fiktion von Edward, in der er ja lebt; was wäre passiert falls Susan nicht abgetrieben hätte?
    Es wäre die jugendliche Tochter India die in dieser Geschichte existiert – damit ist die Fiktion für Edward real. Was ich damit sagen will: die Familie Hastings = Susan + Edward + India in Edwards Fiktion. Die Abtreibung und das „Schluß machen“ von Susan hat Edward nie verkraftet. Es spricht für mich viel dafür wegen des extrem emotionalen Edwards. Ist die Abtreibung des gemeinesamen Kindes und der Schlußstrich von Susan eine Analogie zu dem brutalen Tod der beiden Frauen? Vielleicht liege ich ja falsch aber die Handlung und die Interpretation des Film sind ziemlich komplex. Hat den jemand das Buch gelesen? Gibt es dort vielleicht einen Hinweis ?

  • maRt!nA

    Oh ja das würde mich auch brennend interessieren.

  • Peter Lannisters

    Was mich interessiert ist, woher kommt die Tochter India???Oder von wem?
    Man sieht ja wie Susan mit ihrer Tochter telefoniert im realen Leben, also, ist sie ja nicht tot.
    Wie ist denn das zu verstehen? Wenn man das in Betracht zieht, kommen alle drei Interpretierungen ins straucheln.

    • India heißt die Tochter in Eds Roman – also die, die Susan und Ed hätten haben können. Die Tochter, mit der Susan telefoniert, heißt Samantha (gespielt von India Menuez, daher wahrscheinlich die Verwirrung). Noch spannender als ihr Vor- ist ihr Nachname, der Morrow lautet. Das heißt, sie ist die Tochter von Susan und Hutton und hat tatsächlich nichts mit Edward zu tun. Vielmehr hat Susan später dann eben doch noch ein Kind mit ihrem neuen Mann bekommen. Für Edward muss dies das Gefühl, sein Kind von einem anderen weggenommen bekommen zu haben, noch verschlimmern.

      • Peter Lannisters

        Hallo Yvonne.
        Entweder ist der Name im Film nicht gefallen oder ich war unaufmerksam.
        Ich finde es schön, dass du die Interpretationen hier veröffentlicht hast,
        so kann man(n) sich zumindest ein Bild davon machen.
        Ich konnte mir aus dem Film keinen Reim bilden, weil ich angenommen habe,
        die Tochter lebt noch.
        Danke für die Aufklärung 🙂

  • Julia

    Wow! Wahnsinns Film. Im ersten Moment nach dem Ende solcher Filme, bin ich immer verärgert, weil es nicht offensichtlich ist, was nun ist. Dabei ist es eigentlich absolut genial!
    Man wird angeregt darüber zu diskutieren und erfährt viele verschiedene Interpretationen.
    Ich hab tatsächlich auch Nr.1+3 im Kopf gehabt. Nr.2 finde ich aber auch sehr plausibel. Und jemand schrieb im Kommentar von den verdrehten Realitäten. Also dass die Geschichte von Tony die Reale ist und der Edward mit Susan die Phantasie. Daran hatte ich auch gedacht.
    Wie endet denn nun das Buch?

  • Ben Boden

    Wirklich ein toller Film, aber jetzt kommt es:
    Während Susan am Treffpunkt immer länger wartet, wird ihr bewusst, wer der neue Freund ihrer Tochter, den sieh und der Zuschaeuer nie ganz zu Gesicht bekommt, wirklich ist!

    Edward hat seine Rache, sie wollte ihn zurück und hat ihn und die Tochter verloren und zwar an Edward.

    Gruß Ben

  • A.F.

    Leider ist mir nicht ganz ersichtlich warum sowohl der Autor der Kritik als auch die Interpretationen in den Kommentare weitere Fakten, die im Film so einfach nicht vorkommen im wahrsten Sinne des Wortes ,,hineininterpretieren“. (Selbstmord? nicht abschicken von Ort und Zeit der Email? Rache an Hutton? Wegnehmen der Tochter? )

    Für mich erzählt das Manuskript ganz offensichtlich die Gefühlslage von Edward. Er verdeutlicht Suzan dadurch nach so vielen Jahren noch einmal auf seine Weise, dass er durch den Verlust der Tochter und Ehefrau selbst (innerlich) gestorben ist. Suzan ist sich indessen bewusst, dass Sie einen Fehler beging, als sie ihn verließ.
    Durch dieses Manuskript wird ihr mehr denn je bewusst was sie ihm damals angetan hat, wie unglücklich sie ist, wie sehr sie alles bereut und ,,das Gefühl hat, dass ihr Leben nicht so verlaufen ist wie geplant“ (Zitat Suzan).

    Die Erkenntnis und die bittere Wahrheit, dass dies jedoch nie wieder gut zu machen ist, stellen für mich das Ende dar, in dem Suzan so hoffnungsvoll wartet, Edward aber nicht erscheint.

    Auch der Rachegedanke ist im Manuskript nicht sehr ausgeprägt, was durch das ständige Zögern und sogar kurzzeitiges ,,Entkommen lassen“ der 2 Mörder deutlich auffällt.
    Dies ist für mich viel mehr gefühlte Ohnmacht als tiefe Rachegedanken. Der anschließende Tod des Vaters hat da fast schon einen erlösenden Charakter.

    Sicher gibt es viele Interpretationen und Meinungen, da der Regisseur viele Fragen offen lässt oder zumindest nicht eindeutig klärt.
    Dennoch finde ich, sollte man bei jeder Kritik auch nur das interpretieren, was auch tatsächlich im Film gezeigt wird, und sich keine “hätte/wäre/könnte“ Fakten ,,dazudichten“.

    Ps: bitte nicht negativ auffassen, soll eher eine konstruktive Kritik darstellen! 🙂

  • Robert

    Hallo, ich denke am Ende ist es so, dass Suzan die Rolle von Tony aus dem Buch hat. Sie hat Kind und Mann auf brutale Art und Weise verloren, indem sie abtrieb und Ed verlassen hat. Dann hat sie sich einen neuen Lebensinhalt gesucht (im Buch das Finden der Mörder) nur am Ende trotzdem ohne alles dazustehen und innerlich gestorben zu sein.

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