Savages (Oliver Stone)

Filmplakat Savages

Filmplakat Savages

Eigentlich könnten Ben (Aaron Taylor-Johnson) und Chon (Taylor Kitsch) kaum unterschiedlicher sein. Ben hat Botanik studiert und verbringt seine Freizeit damit, ein besserer Mensch zu werden, orientiert sich an buddhistischen Lehren, leistet Entwicklungshilfe und denkt über Investitionen in erneuerbare Energien nach. Dass Chons Einstellung zum Leben etwas kritischer ist als Bens, liegt an seinen Erfahrungen während verschiedener Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan.

Doch seit ihrer Schulzeit sind Ben und Chon beste Freunde, und gemeinsam betreiben sie ein äußerst gut florierendes Geschäft: sie bauen das beste Marihuana an, das die Welt gesehen hat, und verkaufen es an eine exklusive Kundschaft. Ben kümmert sich vor allem um den Anbau und die Gewächshäuser, während Chon eingreift, falls – was ganz selten passiert – jemand nicht gleich zahlen möchte. Doch nicht nur ihr Geschäft teilen die ungleichen Freunde. Sie bewohnen gemeinsam eine Villa im kalifornischen Laguna Beach und führen mit Ophelia „O“ (Blake Lively)  eine Beziehung zu dritt, die geprägt ist durch gegenseitige Freundschaft und Liebe.

 

Mächtige Gegner

Während Ben und Chon sich darauf konzentrieren, ein gutes Produkt anzubieten und ihren Marihuana-Handel möglichst gewaltfrei zu halten, ziehen ihre offensichtlich besseren Anbau-Methoden und ihr Netzwerk das mexikanische Baja-Kartell auf den Plan. Mit einer Video-Botschaft, die sehr eindringlich zeigt, wozu man fähig und bereit ist, werden die beiden Freunde zu einem Gespräch gebeten, bei denen Kartell-Chefin Elena (Salma Hayek) ihnen ein Angebot unterbreiten lässt: Drei Jahre lang sollen die Freunde dem Kartell zeigen, wie sie ihre Drogen anbauen. Außerdem wollen die Mexikaner ab jetzt den Vertrieb und damit die Kunden von Ben und Chon übernehmen – für eine Verkaufsprovision von 20%.

Chon, der eigentlich direkt auf Konfrontation gehen wollte, hat Ben zuliebe eingewilligt, das Drogengeschäft aufzugeben, und so bieten die beiden den Unterhändlern an, sich zurückzuziehen. Für das Kartell zur Verfügung stehen wollen sie aber auch nicht.

Ohne das besondere botanische Wissen und das Netzwerk der Freunde wird es jedoch schwierig werden, den kalifornischen Drogenmarkt zu übernehmen, und so ist Elena alles andere als erfreut über die Entscheidung. Ein wunder Punkt wird gesucht, um die beiden wirkungsvoll überzeugen zu können, – und in Form von O gefunden.

Die Welt noch in Ordnung: Chon, O und Ben

Die Welt noch in Ordnung: Chon, O und Ben – Szenenbild aus „Savages“

Während Ben und Chon die gemeinsame Flucht zu dritt nach Indonesien planen, deckt sich O erst mal mit Reisegarderobe ein und wird prompt von Elenas rechter Hand Lado (Benicio Del Toro) entführt. Elena glaubt nun, die Freunde in der Hand zu haben, doch diese sind zu allem bereit, um O zu schützen. Die Situation eskaliert und entwickelt sich zu einem regelrechten Drogenkrieg, bei dem beide Seiten versuchen, dem Gegner einen Schritt voraus zu sein, Allianzen wie bespielsweise mit dem Drogenpolizisten Dennis (John Travolta) bilden und – wo das nicht geht (oder zu lange dauert) – zu immer stärker ausufernder Gewalt greifen.

 

Action-Kino – aber nicht nur

Tut, was nötig ist - und wozu er Lust hat: Lado

Tut, was nötig ist – und wozu er Lust hat: Lado (Benicio Del Toro) – Szenenbild aus „Savages“

„Savages“ ist ein Film über einen Drogenkrieg, und er ist unter der Regie von Oliver Stone entstanden. Wem das noch nicht reicht, um in etwa abzuschätzen, was einen erwartet, dem wird spätestens nach wenigen Minuten klar, dass der Film einige deutliche Gewaltdarstellungen enthält, die nicht einfach nur fies anzuschauen sind, sondern auf Grund der dahinter stehenden, sehr gut dargestellten psychischen Vorgänge extrem beklemmend sind. Im Vergleich zu „Savages“ wirkt „Looper„, der die gleiche Altersfreigabe erhalten hat, wie Nachmittagsprogramm. Einen ersten Eindruck vom Film kann man sich im Trailer zu „Savages“ verschaffen.

Allerdings ist die Gewalt in „Savages“ integraler Bestandteil der Geschichte und (eigentlich) nie Selbstzweck. Der Umgang der einzelnen Figuren mit Gewalt ist sehr unterschiedlich und wird differenziert dargestellt: Chon hat sie im Krieg als Notwendigkeit kennengelernt und setzt sie ein, um zu schützen, was ihm lieb ist; für Lado ist sie eine Selbstverständlichkeit und ein Spiel, die Kleopatra-Perücke tragende Elena nutzt sie, um ihre Macht als einzige Frau in einem Trupp brutaler Männer zu behaupten. Und der Pazifist Ben geht weit über seine eigenen moralischen Grenzen, um O zu schützen.

Gerade das ist es auch, was „Savages“ meiner Meinung nach sehenswert macht: Jede einzelne der Figuren ist vielschichtig angelegt und überrascht den Zuschauer immer wieder. Widersprüchliche Ziele, falsch eingeschätzte Eigenschaften und Ambitionen – bis zum Schluss weiß man nicht, wen was antreibt. Einzige Ausnahme: O bleibt leider über weite Strecken des Films eindimensional. Sehr gelungen ist dagegen die Darstellung der Freundschaft zwischen Chon und Ben, die Elena O gegenüber unglaublich treffend in einem Satz analysiert.

 

Verfilmung eines Kult-Romans

„Savages“ ist die Verfilmung des Romans „Zeit des Zorns“ von Don Winslow, der auch am Drehbuch gearbeitet hat. Das Buch wurde kurz nach seinem Erscheinen in den USA zum Bestseller und gilt als Kult-Roman. Im September erschien das Prequel „Kings of Cool“ auf Deutsch.

Infos zum Film

Savages
USA, 2012
130 Minuten
Filmverleih: Universal Pictures
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Shane Salerno,
Don Winslow
mit Taylor Kitsch, Blake Lively,
Aaron Taylor-Johnson,
Salma Hayek, John Travolta,
Benicio Del Toro
FSK: frei ab 16

 

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2 Kommentare

  • Mich hat bei dem Film ja vor allem die Synchronisation geärgert, durch die O – im Gegensatz zu Blake Livelys eher tiefer Stimme – noch diese gehauchte Mädchenstimme erhalten hat. Dadurch wirkt sie weitaus mädchenhafter als sie ist und vor allem im Buch entwickelt wird. Ohnehin fand ich es ein wenig schade, dass abgesehen von der Gewalt in der Verfilmung eines solch kompromisslosen Buches im Film viele Kompromisse gemacht wurden.

    • Du hast Recht, die Synchronstimme war wirklich – hm – nicht ganz optimal. Aber ich fand Blake Lively insgesamt auch am schwächsten. Ich bin vor allem auf „Kings of Cool“ gespannt, das hier auf mich wartet – habe es leider noch nicht geschafft, es zu lesen.

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