The Company You Keep – Die Akte Grant (Robert Redford)

Filmplakat "The Company You Keep"

Filmplakat „The Company You Keep“

Ein junger und ehrgeiziger Journalist, dem der Weg auf der Karriereleiter wichtiger ist als  die Menschen, auf deren Rücken er sie erklimmt, gibt immer einen tollen Protagonisten für einen Thriller ab, schließlich ist der Journalist schon seines Berufs wegen nur an der Wahrheit interessiert und damit einigermaßen unparteiisch. Verbindungen zwischen Personen, die man zunächst nicht vermutet hat, gehören auch irgendwie dazu. Die Story sollte am besten einen politischen Hintergrund haben, aber nicht so sehr, dass man sich angreifbar oder diskutierbar macht. Und wenn man das Ganze dann noch in die letzte Nebenrolle mit bekannten Schauspielern besetzt, ist der Hit schon vorprogrammiert.

Bei „The Company You Keep“ funktioniert dieses Rezept leider nicht. Dabei hört sich wirklich alles – von der Story bis zum Cast – überzeugend an, und die Geschichte beginnt ganz unscheinbar. In der Vorstadt verabschiedet sich eine Mutter (Susan Sarandon) von ihren Kindern und ihrem Mann, bevor sie sich auf den Weg nach New York macht. An einer Tankstelle wird sie vom FBI verhaftet – die Frau war die seit 30 Jahre gesuchte Terroristin Sharon Solarz, Mitglied der extremistischen Weathermen, die in den 1960ern und 1970ern aus der Studentenbewegung gegen den Vietnam-Krieg hervorgingen. Gesucht wurde Solarz die ganzen Jahre über wegen Mordes: Bei einem Banküberfall durch die Weathermen wurde ein Wachmann erschossen, und Solarz zählt zu den vier Aktivisten, die hierfür verantwortlich gemacht werden. Einer der vier starb kurz nach dem Überfall, die anderen beiden sind ebenfalls noch flüchtig: Nick Sloan und Mimi Lurie, die damals auch ein Paar waren.


 

Von der Vergangenheit eingeholt

Der Journalist Ben Shepard (Shia LaBeouf), tätig für die nicht ganz so renommierte Albany Sun Times, wird von seinem Chef auf die Geschichte angesetzt, nachdem er schon verpasst hat, über die Verhaftung zu berichten. Shepard soll Hintergrundinformationen beschaffen, was er über eine ehemalige Kommilitonin, die nun beim FBI arbeitet, versucht. Tatsächlich erhält Shepard einen Namen, und dieser bringt ihn auf die Spur von Jim Grant (Robert Redford), einem Bürgerrechtsanwalt aus Albany, der die Verteidigung von Sharon Solarz abgelehnt hatte, weil er mit seinen aktuellen Fällen und der Erziehung seiner Tochter Isabel (Jackie Evancho, in den USA bekannt aus „America’s Got Talent“) genug zu tun hat.

Grants Weigerung, Shepard Auskunft über seine wahren Motive zu geben, bringt den Journalisten dazu, genauer hinzuschauen, und mit Hilfe von Handy-Apps, einem Netwerk guter Bekannter, ein paar Bestechungsgeldern und jeder Menge Glück schafft der junge Journalist das, was dem FBI in 30 Jahren nicht gelungen ist: Er findet heraus, dass Jim Grant gar nicht Jim Grant ist, sondern in Wahrheit selbst einer der Weathermen, der ebenfalls seit Jahrzehnten Flüchtige Nick Sloan. Mit der Veröffentlichung der Story beginnt für Grant und Shepard ein Katz- und Maus-Spiel, in das natürlich auch das FBI einsteigt.

 

Klischee-beladene Literaturverfilmung

Jim Grant mit seiner Tochter Isabel - Szenenbild aus "The Company You Keep - Die Akte Grant"

Jim Grant mit seiner Tochter Isabel – Szenenbild aus „The Company You Keep – Die Akte Grant“

„The Company You Keep“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Neil Gordon, der sich durch akribische Hintergrundrecherchen zu den Weathermen und einem nach wie vor nicht aufgearbeiteten Teil US-amerikanischer Geschichte auszeichnet. Robert Redford legte bei der Umsetzung von „The Company You Keep“ laut eigenen Angaben mehr Gewicht auf die Figuren und die Entwicklung der Personen, die 30 Jahre später ein anderes Leben angefangen haben, aber von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Dadurch verschenkt der Film einiges an Potenzial, denn gerade diese Fragestellungen, die eher angedeutet als wirklich ausgearbeitet werden, sind das, was an „The Company You Keep“ sehenswert ist: Wie sieht es heute mit politischem Engagement der jungen Generation aus? Werden all die technischen Möglichkeiten, die ja nicht nur Regierungen, sondern auch jedem Einzelnen zur Verfügung stehen, genutzt, um sich politisch einzubringen oder doch nur, um sich selbst darzustellen? Ist Gewalt, die durch eine Regierung ausgeübt wird, in jedem Falle legitimiert oder hat man als Bürger nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, in bestimmten Fällen dagegen vorzugehen? Und vor allem: Ist unrechtmäßige Gewalt das richtige Mittel gegen unrechtmäßige Gewalt? Das sind Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt, und wahrscheinlich kann ein Hollywood-Film das gar nicht in ganzer Breite ergründen. „The Company You Keep“ versucht das aber nicht mal, sondern deutet diese politischen Fragen ab einem bestimmten Punkt einfach auf einer sehr individuellen Ebene in die Frage nach richtigen und falschen Entscheidungen um – das ist schade, weil es den spannendsten Aspekt des Films im Sande verlaufen lässt und weil es auch der Story nicht gut tut, die damit eine unglaubwürdige Wendung erhält.

Shepard löst nicht nur den Fall, sondern verliebt sich auch noch - Szenenbild aus "The Company You Keep - Die Akte Grant"

Shepard löst nicht nur den Fall, sondern verliebt sich auch noch – Szenenbild aus „The Company You Keep – Die Akte Grant“

Zudem bedient „The Company You Keep“ nahezu jedes vorstellbare Klischee: den Journalisten hatte ich bereits erwähnt, hinzu kommt ein alleinerziehender Vater, eine alte Liebesgeschichte, ein knallharter FBI-Agent, der dann doch im Bad sein Gesicht in voller Verzweiflung im Spiegel betrachtet, und natürlich eine neue Liebesgeschichte. Dass der Film etliche Längen hat, sich Zeit nimmt, ein Segelboot minutenlang von oben zu zeigen oder Robert Redford dabei beobachtet, wie er gemütlich Türen und Fenster einer unbewohnten Hütte öffnet, um mal Luft reinzulassen, sorgt dafür, dass die Spannung den gesamten Film über im erträglichen Rahmen bleibt. Das sog. „Planting„, die Einführung später wichtig werdender Elemente, geschieht hier so wenig subtil, dass es die Entwicklung der Geschichte vorhersehbar macht und man nur noch darauf wartet, dass die längst überdeutlich gewordene Entwicklung endlich gezeigt wird. Zwei Rätsel werden jedoch nicht gelöst: Wohin all die Figuren verschwinden, die in der ersten Hälfte des Films vorgestellt werden, dann jedoch nicht mehr auftauchen, bleibt unklar. Und was es mit dieser „Akte Grant“ auf sich hat, wird auch nicht erklärt – wenn es eine Akte über den flüchtigen Terroristen gibt, wird sie wohl eher „Die Akte Sloan“ heißen.

Insgesamt ist „The Company You Keep“ vor allem für Fans der vielen bekannten Schauspieler sehenswert. Einen spannenden oder gar tiefgründigen Thriller darf man hier nicht erwarten, wenn auch die leider etwas untergegangenen politischen Fragestellungen durchaus spannnend sind.

Infos zum Film

The Company You Keep –
Die Akte Grant
(The Company You Keep)

USA, 2012
122 Minuten
Filmverleih: Concorde
Regie: Robert Redford
Drehbuch: Lem Dobbs
mit Robert Redford, Shia LaBeouf,
Susan Sarandon, Chris Cooper,
Nick Nolte, Stanley Tucci,
Julie Christie, Anna Kendrick,
Brit Marling, Sam Elliot
FSK: frei ab 6

Google

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite verwendet Cookies. Mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen