Django Unchained (Quentin Tarantino)

Filmplakat Django Unchained

Filmplakat Django Unchained

Auf den ersten Blick scheint Dr. King Schultz (Christoph Waltz) bestenfalls skurril, wenn er zwei Jahre vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg im Pelzmantel auf seiner ziemlich lächerlich mit einem fröhlich über dem Wagen wippenden Zahn „dekorierten“ Kutsche durch die Südstaaten der USA fährt. Doch hinter der höflichen Eloquenz und der humanistischen Weltanschauung verbirgt sich die Bereitschaft, sein Geld so zu verdienen wie das Gesetz es eben noch zulässt: Dr. King Schultz ist Kopfgeldjäger, und wenn es um „tot oder lebendig“ geht, ist für ihn die Wahl stets klar. Außerdem ist er gut in dem, was er tut. Als nächstes würde er gerne die Prämie für die berüchtigten Brittle-Brüder einstreichen. Allerdings gibt es da ein Problem, denn Schultz hat keine Ahnung, wie die Brittles aussehen. Abhilfe schaffen soll hier die Zusammenarbeit mit einem Sklaven, der früher auf der Plantage der Brittles gearbeitet hat.

Mitten im Wald (und wahrscheinlich nicht ganz zufällig) trifft Schultz, der – wie sein Wagen vermuten lässt – als Zahnarzt getarnt unterwegs ist, auf zwei Sklavenhändler mit sechs aneinandergeketteten Sklaven. Einer davon ist Django, der die Brittles besser kennt als ihm lieb ist, und der gerne bereit ist, für den Kopfgeldjäger mit dem Finger auf sie zu zeigen. Nachdem Schultz den anderen Sklaven den buchstäblichen und den bildlichen Schlüssel zur Freiheit in die Hand gibt, machen er und Django sich auf den Weg, die Brittles zu finden.



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Auf der Suche nach Broomhilda

Auf dem Weg über die verschiedenen Plantagen erläutert Schultz Django seinen Beruf und Django öffnet sich und erzählt von seiner Frau Broomhilda, die von ihm getrennt verkauft wurde. Zwar weiß er, auf welchem Sklavenmarkt und wann sie verkauft wurde, aber nicht, an wen. Da Schultz sich für den von ihm befreiten Sklaven verantwortlich fühlt und er sich romantisiert an die Siegfried-Legende aus seiner alten Heimat erinnert fühlt, bietet er Django eine Zusammenarbeit (und damit einhergehend eine Kopfgeldjäger-Ausbildung) über den Winter an, um anschließend gemeinsam auf die Suche nach Broomhilda zu gehen und sie zu befreien, egal, wo man sie findet.

Diabolisch: "Candyland"-Besitzer Candie (Leonardo DiCaprio) - Szenenbild aus "Django Unchained"

Diabolisch: „Candyland“-Besitzer Candie (Leonardo DiCaprio) – Szenenbild aus „Django Unchained“

Da Django ohnehin keine Chance hat, seine Frau alleine zu finden, und die Gespräche zwischen Schultz und ihm bereits sehr früh andeuten, dass sich hier eine ungewöhnliche Freundschaft anbahnt, lässt sich Django auf den Vorschlag ein. Die Brittles sind auch bald gefunden, und zwei von ihnen tötet Django gleich selbst. Den Winter hindurch betreiben die beiden ihr „Geschäft“ ziemlich erfolgreich, und als der Frühling beginnt, löst Schultz sein Versprechen ein. Broomhildas Spur führt ausgerechnet zu Calvin Candie (grandios diabolisch: Leonardo DiCaprio) und seine euphemistisch benannte, berüchtigte Plantage „Candyland“, auf der Candie nicht nur die Sklaven schindet, sondern außerdem noch Mandingo-Kämpfe abhält, bei denen zwei Sklaven Mann gegen Mann kämpfen müssen – bis zum bitteren Ende. Um nicht gleich an der Tür abgewiesen zu werden, geben Schultz und Django vor, einen Kämpfer kaufen zu wollen, doch von Anfang an misstraut ihnen Candies rechte Hand Stephen (ebenfalls ziemlich böse: Samuel L. Jackson), was die ganze Mission in Gefahr bringt.

Großes Kino über Gut und Böse

Mit „Django Unchained“ setzt Quentin Tarantino dem Genre der Italo-Western im Allgemeinen und den unzähligen Django-Filmen im Speziellen ein Denkmal, wobei er den Stil sowohl bezüglich der Bilder als auch hinsichtlich der Erzählung genau trifft und zusätzlich mit seiner eigenen Handschrift versieht. Die Musik stammt selbstverständlich von Ennio Morricone, und neben dem ehemaligen Miami Vice-Star Don Johnson hat auch der „Original“-Django-Darsteller Franco Nero eine Rolle.

Hommage an Italo-Western: Django (Jamie Foxx) wird zum Kopfgeldjäger ausgebildet - Szenenbild aus "Django Uncahained"

Hommage an Italo-Western: Django (Jamie Foxx) wird zum Kopfgeldjäger ausgebildet – Szenenbild aus „Django Unchained“

Doch Quentin Tarantino macht nicht einfach Filme, er macht Kino. Und zwar großes. Die Bösen sind richtig böse; die Guten sind bereit, alles zu tun, um ihr Ziel zu erreichen. Seine Helden heißen Butch Coolidge, Bridget von Hammersmark oder eben Dr. King Schultz und haben für alle Probleme eine einfache Lösung parat, die oft mit Gewalt zu tun hat. Und genau wie in „Inglourious Basterds“ hat sich Tarantino mit „Django Unchained“ ein Kapitel der Menschheitsgeschichte herausgegriffen, das so unfassbar unmenschlich und unrecht ist, dass nur noch ein Blutbad reicht, um die Fassunglosigkeit und vor allem Machtlosigkeit aufzulösen. Wie man es von Tarantino-Filmen gewohnt ist, gibt es etliche Gewaltdarstellungen und das Filmblut fließt (und nicht nur das) in Strömen. Geht die Gewalt von den Plantagenbesitzern und ihren Helfern aus, ist sie realistisch dargestellt und geht oft an die Grenzen des Erträglichen. Djangos Gewalt und ihre Folgen dagegen sind völlig überzeichnet dargestellt, da dieser Teil der Geschichte eben nur im Film vorkommt.

Neben der Geschichte besticht auch wieder das Schauspieler-Ensemble. Neben Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson sticht natürlich der für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominierte Christoph Waltz heraus, für den Quentin Tarantino die Rolle des Düsseldorfer Kopfgeldjägers in „Django Unchained“ nach der Zusammenarbeit in „Inglorious Basterds“ eigens schrieb.

Tarantino, der in „Django Unchained“ wieder selbst eine kleine Nebenrolle übernahm (als Mitarbeiter der LeQuint Minen, der Django an einen neuen Bestimmungsort bringen soll) erhielt außerdem eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch und den besten Film.

Infos zum Film

Django Unchained
USA 2012
165 Minuten
Filmverleih: Sony Pictures
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio,
Samuel L. Jackson, Don Johnson, Franco Nero
FSK: frei ab 16

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3 Kommentare

  • Thorsten Arndt

    Liebe Yvonne, liebe Stefanie,

    da ist euch ja ein schöner Blog gelungen. Ich wünsche euch viel Zuspruch.

    „Django unchained“ ist ein hervorragender Film, der in drastischen Bildern die Rassenproblematik im Amerika des 19. Jahrhunderts schildert.

    Sehr gerne gesehen.

    Viele Grüße,

    Thorsten

  • Der Film ist sicher toll inszeniert, von der Besetzung, über die Filmmusik und bis zur Ausstattung. Kritiker und Zuschauer sind voll des Lobes.

    Trotzdem konnte ich mit dem Film nicht viel anfangen und stehe da scheinbar recht alleine da. Habe allerdings mit den meisten Werken von Tarantino so meine Probleme.

    Zum einen war mir nicht ein einziger der Hauptpersonen im Film sympathisch (Christoph Waltz spielt die Rampensau, was spätestens nach einer halben Stunde nervt). Da fällt es einem schwer in den Film reinzukommen und mitzufiebern.

    Zum anderen geht mir die gezeigte Gewalt mal wieder entschieden zu weit, sowohl in den realistisch dargestellten Szenen (ich möchte nicht sehen wie ein Mensch einem anderen die Augen herausreißt), als auch die überzeichnet dargestellten Massenmorde (woher hat Tarantino nur diese Vorliebe, Gewalt als etwas Ästhetisches darzustellen?). Muss Kino Jahr für Jahr brutaler werden? Offensichtlich ja, aber ohne mich!

    Viele Grüße,

    Christof

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