Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (Andrew Dominik)

Jesse (25) und Frank James (29), 1872, Carolinda, Illinois

Jesse (25) und Frank James (29), 1872, Carolinda, Illinois

Im Jahr 1881 plant die Bande um Jesse James (Brad Pitt) einen Überfall auf einen Zug. Der 19-jährige Robert (Bob) Ford (Casey Affleck) möchte sich seinem Idol aus Kindheitstagen anschließen und schafft es tatsächlich, zu dessen persönlichen Handlanger aufzusteigen. Nach und nach merkt er jedoch, dass sein großes Vorbild alles andere als edelmütig ist und sieht schließlich sein eigenes und das Leben seines Bruders durch Jesse bedroht. Er erschießt den in mehreren Bundesstaaten gesuchten Ganoven. Die Reaktion des Volkes fällt allerdings anders aus, als Robert Ford es sich vorgestellt hatte. Das Drehbuch zum Film schrieb Andrew Dominik nach einer Romanvorlage von Ron Hansen.

 

Charaktere in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“

Die beiden wichtigsten Figuren (Jesse James und Robert Ford) werden nicht nur sehr vielschichtig beschrieben bzw. gespielt, sie vollziehen auch beide mehrere Wandlungen, wie es sich für eine gute Geschichte gehört. Faszinierend und psychologisch interessant war für mich besonders Robert Ford, der auf der Suche nach Identität von seinem größten Idol, der Gesellschaft und letztlich von sich selbst enttäuscht wird. Casey Affleck hat die Rolle perfekt verstanden, wirkte für mich in jeder Sekunde glaubhaft und hat es geschafft, die verschiedensten Reaktionen in mir hervorzurufen. Zu Recht wurde Affleck für diese Rolle mehrfach nominiert und erhielt letztlich einige Filmpreise.

 

Bilder, Musik, Atmosphäre

In diesem Film wirkt jedes Bild wie ein eigenes Foto. Hier und da bleiben die Ränder der Bilder unscharf, Gesichter werden manchmal durch unebenes Glas hindurch gezeigt, was zu Irritationen führt und die Vielschichtigkeit der Charaktere betont. Die Musik (u.a. von Nick Cave) versteht es, die mal melancholisch, mal bedrohliche Stimmung zu verstärken. Der Titel nimmt vorweg, dass Ford sein Vorbild schließlich töten wird. Das mindert die Spannung nicht, sondern verstärkt sie, da man sich die ganze Zeit fragt, wann und wie es dazu kommt (und wer auf dem Weg dorthin sonst noch stirbt). Vieles bleibt im Film wie im wahren Leben unausgesprochen und so sind es selten die Worte, die die beängstigende Atmosphäre erzeugen, sondern vielmehr die Bedeutung dahinter und das, was sich im Inneren der Figuren abspielt.

 

Fazit

Ein sehenswerter Film für Leute, die nicht ausschließlich Action erwarten. Wer sich gerne auf Charaktere und ihre Stimmungen einlässt, sich über den Mythos Jesse James informieren will und Lust auf einen Denkanstoß über die verschiedenen Perspektiven von Moral hat, liegt mit dem Film richtig. Auf jeden Fall auch für solche Leute geeignet, die Western bislang nicht auf dem Zettel hatten.

Infos zum Film

Die Ermordung
des Jesse James
durch den Feigling
Robert Ford
(The Assassination
of Jesse James)

USA, 2007
156 Minuten
Filmverleih:
Warner Bros.

Regie und Drehbuch:
Andrew Dominik

mit Brad Pitt, Casey
Affleck, Sam Shepard,
Mary-Louise Parker,
Zooey Deschanel,
Sam Rockwell

FSK frei ab 12 Jahren

 

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Bild „Jesse and Frank James

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