Literaturpreise 2011

Herbstzeit ist Preisezeit – auch diesen Herbst wurden wieder die wichtigsten Literaturpreise verliehen.

 

 

Nobelpreis für Literatur

Ich könnte mir vorstellen, dass die Bekanntgabe des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers einige Menschen ins Schwitzen gebracht hat. Anfangs dachte ich noch, dass es mal wieder an mir liegt („Tomas wer?“), aber nachdem ich die ersten Artikel über Tranströmer gelesen hatte, in denen als einzige Aussage zu seinem Werk zwei Gedichttitel genannt wurden oder die schnell noch mit der Nennung des „Vorgängers“ Mario Vargas Llosa auf eine Länge von zwanzig Zeilen gestreckt worden waren, schien mir, dass auch gestandene Literatur-Journalisten kalt erwischt worden waren. Wahrscheinlich hatte man selbst auf Verlagsseite so wenig mit der Auszeichnung gerechnet, dass man erst noch mal im Lager nach Restbeständen suchen oder gleich neue Auflagen drucken musste. Anders kann ich mir eine Amazon-Lieferzeit von 13 Tagen nicht erklären. Aber nachdem der Preis in den vergangenen zehn Jahren bereits an drei Frauen und zwei Nicht-Europäer ging, war nun wohl noch mal ein Lyriker dran. Und anscheinend war Tranströmers Name in
den letzten zwanzig Jahren immer mal wieder gefallen.

Eigentlich ist es schade, dass der Eindruck entsteht, die Verleihung des Preises habe noch andere als literarische Gründe. Denn: Tranströmers Gedichte sind gut. Nicht immer leicht zugänglich, da seine Sprache wirklich sehr verdichtend ist, aber auf jeden Fall lesenswert. Immer wieder nutzt er bildreiche Naturbeschreibungen als Grundlage seiner Beobachtungen und als Spiegel der Gesellschaft, und Formulierungen wie „Droge des Schweigens“ oder „Das Meer […] schnaubt Schaum über den Strand“ sind so treffend und lebhaft, dass man sie nicht vergisst. Und so hatte der Literaturnobelpreis dieses Jahr außer der Aufdeckung einer weiteren Bildungslücke bei mir noch den schönen Effekt, dass ich mich seit langer Zeit noch einmal mit Gedichten beschäftigt habe.

 

Deutscher Buchpreis

Traditionell gibt es im Herbst ja noch einige andere Literaturpreisverleihungen. Positiv überrascht wurde ich dieses Jahr von Eugen Ruge, dem Gewinner des deutschen Buchpreises, den es ja erst seit ein paar Jahren gibt und der jeweils zu Beginn der Frankfurter Buchmesse verliehen wird. Der Titel – In Zeiten des abnehmenden Lichts – ließ mich gewollt
intellektuell-anstrengende Satzkonstruktionen um ein Minimum an Handlung erwarten. Doch zum Glück hat das Buch trotz meiner Vorurteile seinen Weg zu mir nach Hause gefunden – die Geschichte ist interessant, sogar mitreißend, die
Sprache gut lesbar und das Buch empfehlenswert.

 

Man Booker Prize

Überhaupt nicht überraschend war dagegen die Verleihung des Man Booker Prize. Julian Barnes stand zum vierten Mal auf der Shortlist, Julian Barnes war der bekannteste und erfolgreichste der Nominierten, Julian Barnes war der Favorit der Buchmacher, und Julian Barnes hat am Ende auch gewonnen. The Sense of an Ending ist ein kurzes (und schönes) Buch über das Erinnern, das mittlerweile unter dem Titel „Vom Ende einer Geschichte“ auch seinen Weg auf den deutschen Markt gefunden hat. Meiner Meinung nach war Barnes jedoch schon mit besseren Büchern im Rennen. Auch hier bleibt am Ende ein Geschmack von „Der musste es ja mal werden“ hängen, aber wahrscheinlich bin ich nur ein bisschen geknickt, dass mein persönlicher Favorit Jamrach’s Menagerie – bei dem mich harmlose Formulierungen wie „The taste of a raspberry puff.“ minutenlang leseunfähig gemacht haben – nicht gewonnen hat. Julian Barnes ist ein toller Schriftsteller, dessen Bücher ich schon sehr lange und sehr gerne lese, und er hat ganz klar alle Preise der Welt verdient.

Für die Freunde der französischen Literatur folgt nächste Woche noch der Prix Goncourt, und vielleicht lerne ich auch dadurch ein gutes neues Buch kennen.

 

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