Man Booker Prize 2013: Die Longlist

130723_MANBOOKER_HEROGestern um 13 Uhr war es so weit: Die Longlist für den Man Booker Prize 2013, einem der wichtigsten Literaturpreise im englischsprachigen Raum, wurde verkündet. Auf der Liste steht ein Titel mehr als in den vergangenen Jahren, und von den 13 Romanen kannte ich bis heute Morgen nicht einen. Damit es euch nicht genau so geht, habe ich Informationen zu den Büchern und ihren Autoren zusammengetragen – wie im letzten Jahr auch.

Auch dieses Jahr lasse ich es mir nicht nehmen, einen Tipp für den Sieger abzugeben. In den letzten beiden Jahren lag ich richtig, auch wenn ich zum Zeitpunkt meiner Einschätzung die Bücher alle nicht kannte. Meine Vermutung dieses Jahr: Jim Crace gewinnt den Man Booker Prize 2013 für seinen Roman „Harvest“.

Die Shortlist für den Man Booker Prize 2013 wird am 10. September 2013 verkündet; der Sieger wird am 15. Oktober 2013 gekürt.

Five Star Billionaire – Tash Aw

In Shanghai treffen fünf verschiedene Personen aufeinander, die nicht aus der Stadt selbst sind, es dort aber schaffen wollen oder – im Fall des titelgebenden „Five Star Billionaire“ – es bereits geschafft haben.

Phoebe ist auf der Suche nach einem guten Job und einem Mann, der ihr die Arbeit in Zukunft ersparen kann. Im Internet lernt sie Gary kennen, dessen Musikkarriere den Bach runter gegangen ist. Die beiden treffen sich nie wirklich, sondern schreiben Nacht für Nacht miteinander. Auch Yinghui und Justin versuchen, sich in Shanghai von ihrer Vergangenheit loszusagen, während der Five Star Billionaire gute Tipps für den Weg zum Erfolg gibt und im Hintergrund die Fäden zieht.

Tash Aw wurde 1971 in Taiwan als Sohn malaysischer Eltern geboren, lebt und arbeitet als Anwalt und Schriftsteller in London. In deutscher Übersetzung sind bisher von ihm sein ebenfalls für den Man Booker Prize nominierter Debütroman „Die Seidenmanufaktur zur schönen Harmonie“ sowie sein zweiter Roman „Atlas der unsichtbaren Welt“ erschienen.

Five Star Billionaire von Tash Aw, Fourth Estate 2013.

We Need New Names – NoViolet Bulawayo

Die zehnjährige Darling wächst in Zimbabwe auf. Das Viertel, in dem sie lebt, nennt sich Paradise, doch das ist natürlich ein Euphemismus. Ihr Vater hat Aids, ihre Freundin Chipo ist vom eigenen Großvater schwanger, und Mugabe-Anhänger und -Gegner bekämpfen sich. Mittendrin träumt Darling mit ihren Freunden von einem besseren Leben in einem anderen Land. Für Darling wird dieser Traum wahr, denn sie schafft es, in die USA auszuwandern. Doch auch dort ist nicht alles so paradiesisch, wie sie es sich erhofft hat.

NoViolet Bulawayo (eigentlich Elizabeth Tshele) stammt aus Zimbabwe und studiert aktuell über ein Stipendium für Kreatives Schreiben an der Stanford University.

NoViolet Bulawayos Debütroman „We need new names“ entstand aus der Kurzgeschichte „Hitting Budapest“, für den sie den Caine-Prize for African Literature erhielt.

Zur Rezension „We Need New Names“ >>

We need new names von NoViolet Bulawayo,Chatto & Windus 2013.

 

The Luminaries – Eleanor Catton

1866 in Neuseeland. Goldsucher aus aller Welt versuchen ihr Glück, und so kommt es vor, dass manchmal unerwünschte Gäste in den Ortschaften des Landes eine vorübergehende Heimat suchen. An einem Tag im Januar geschehen den Verantwortlichen einer kleiner Küstenstadt zu viele ungelöste Rätsel gleichzeitig: Eine Prostituierte versucht, sich das Leben zu nehmen, ein Betrunkener stirbt, ein reicher Mann verschwindet spurlos und ein Drogenhändler sagt all seine Geschäfte ab, um ebenfalls zu verschwinden. Die Stadtoberen wittern eine Verschwörung und treffen sich heimlich, um die wahrscheinlich miteinander verwobenen Ereignisse aufzuklären. Mitten in diese Zusammenkunft kommt Walter Moody, ein Goldsucher, der in die Geschehnisse hineingezogen wird.

Eleanor Catton wurde 1985 Kanada geboren und lebt in Neuseeland. Ihr Debütroman „The Rehearsal“ erschien 2008 in Neuseeland und wurde mehrfach ausgezeichnet. „The Luminaries“ ist der zweite Roman von Eleanor Catton.

Zur Rezension „The Luminaries“ >>

The Luminaries von Eleanor Catton, Granta Books 2013.

 

Harvest – Jim Crace

Ein Dorf, in dem 58 Menschen leben und das seit 12 Jahren keine Neuankömmlinge mehr gesehen hat, wird von gleich mehreren Menschen aufgesucht: Zwei Männer und eine Frau errichten ihr Lager am Rand des Dorfs und machen ein Lagerfeuer. Als in der gleichen Nacht der Stall eines der Dorfbewohner abbrennt, ist für alle im Dorf klar, dass auch hierfür die „Neuen“ die Verantwortung tragen. Also ziehen sie sie auf ihre Weise zur Rechenschaft. Schließlich erscheint ein weiterer Neuankömmling, der wirtschaftliche Pläne für das Dorf hat und den Verdacht streut, dass Hexen ihr Unwesen treiben, wodurch noch mehr Unfrieden im Dorf gestiftet wird.

Jim Crace wurde 1946 in Hertfordshire geboren. Er hat bisher 11 Bücher veröffentlicht und stand bereits auf der Shortlist für den Man Booker Prize. Darüber hinaus hat er etliche weitere Literaturpreise gewonnen, darunter den National Book Critics Circle Fiction Award und den Whitbread Book Award. Jim Crace hat angekündigt, dass Harvest sein letzter Roman sein wird.

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Harvest von Jim Crace, Picador 2013.

 

 

The Marrying of Chani Kaufman – Eve Harris

Chani Kaufman ist 19 Jahre alt und lebt in einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde in London. Abgeschottet von der Außenwelt hatte sie noch nie Kontakt zu einem Mann, doch das soll sich nun ändern. Denn Chani wird bald heiraten –  einen Mann, den sie nicht kennt. Von der Frau des Rabbis erhält Chani Vorbereitungsunterricht für die Ehe, doch Chanis wirkliche Fragen werden nicht beantwortet.

Eve Harris wurde 1973 in London als Tochter israelisch-polnischer Einwanderer geboren. Sie unterrichtete an Schulen in England und Israel, unter anderem auch ein Jahr lang an einer orthodoxen jüdischen Schule für Mädchen. „The Marrying of Chani Kaufman“ ist ihr erster Roman.

The Marrying of Chani Kaufman von Eve Harris, Sandstone Press 2013.

 

 

The Kills – Richard House

Der Ingenieur Sutler wird von seiner Firma zum Sündenbock für einen riesigen Betrugsfall im Irak gemacht. Obwohl Sutler nichts damit zu tun hat, ergreift er aus Angst, dass ihm als nächstes ein Mord angehängt wird, die Flucht.

„The Kills“ ist mehr als ein Buch; der Roman besteht aus insgesamt vier Teilen („Sutler“, „The Massive“, „The Kill“ und „The Hit“) und Richard House stellte parallel zur Veröffentlichung der Romane etliches an Zusatzmaterial im Internet bereit.

Richard House schreibt nicht nur Romane, sondern unterrichtet an der Universität, ist als Künstler tätig und macht Filme. Nach „Bruiser“ und „Uninvited“ ist „The Kills“ sein dritter Roman. Darüber hinaus ist Richard House der Herausgeber des „Fatboy Review“, eines Online-Magazins.

The Kills von Richard House, Picador 2013.

 

 

The Lowland – Jhumpa Lahiri

Die Brüder Subhash und Udayan wachsen gemeinsam in Kalkutta auf, doch auch, wenn sie in der Kindheit unzertrennlich sind und jede Minute gemeinsam verbringen, entwickeln sie sich in der Jugend weit auseinander. Subhash erhält ein Stipendium, um in den USA zu studieren, was er freudig annimmt, weil er nicht mehr in Indien leben will. Udayan dagegen engagiert sich für die Politik in seinem Land, und das tut er mit solchem Eifer, dass er das Leben seines am anderen Ende der Welt lebenden Bruders damit beeinflusst.

Jhumpa Lahiri wurde 1967 in London als Tochter bengalischer Eltern geboren. Für ihre erste Veröffentlichung erhielt sie im Jahr 2000 den Pulitzer-Prize; darüber hinaus gewann sie zahlreiche weitere Preise für ihre Kurzgeschichten und Romane. „The Lowland“ ist ihr viertes Buch. Jhumpa Lahiri ist Vize-Präsidentin von P.E.N. (Autorenverband).

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The Lowland von Jhumpa Lahiri, Bloomsbury 2013.

 

 

Unexploded – Alison MacLeod

1940, Brighton. Die Landung der Deutschen steht kurz bevor, und Geoffrey und Evelyn Beaumont versuchen, sich und ihren achtjährigen Sohn Philip darauf vorzubereiten. Geoffrey wird Aufseher des Internierungslagers in Brighton, und während Philip versucht, zu verstehen, was vor sich geht, verliebt sich Evelyn ausgerechnet in einen Insassen im Lagers ihres Mannes.

Alison MacLeod wurde in Kanada geboren, wo sie auch aufwuchs. Seit 1987 lebt sie England. „Unexploded“ ist ihr dritter Roman. Außerdem hat Alison MacLeod mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht und unterrichtet Gegenwartslitertaur an der Chichester Universität.

Unexploded von Alison Mac Leod, Hamish Hamilton 2013.

 

TransAtlantic – Colum McCann

Vier Generationen von Frauen zwischen Irland und den USA beschreibt McCann in seinem Roman „TransAtlantic“: 1845 kommt Frederick Douglass, ein ehemaliger Sklave, nach Irland, um dort seine Vorstellungen von Demokratie und Freiheit zu verwirklichen. Doch in Irland ist gerade Hungersnot, und die Menschen haben andere Sorgen als den Kampf um ihre Freiheit. Immerhin kann Douglass Lily Duggans beeinflussen, die auf seinen Rat hin in die USA zieht. Doch auch dort findet sie nicht, was sie sich vorgestellt hat. Ihre Tochter Emily geht schließlich nach Irland zurück, wo sie eines Tages den ersten Transatlantik-Flug beobachtet.

Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren, lebt aber mittlerweile mit seiner Familie in New York. Seine Romane wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Irish Novel of the Year Award. „TransAtlandic“ ist McCanns achte Veröffentlichung.

TransAtlantic von Colum McCann, Bloomsbury 2013.

 

 

Almost English – Charlotte Mendelson

Marina ist 16 und lebt mit ihrer ungarischen Familie in London. Ihre Familie ist stolz auf ihre Herkunft und nicht im Geringsten daran interessiert, sich den englischen Gewohnheiten anzupassen, doch Marina leidet darunter, nicht zu denen zu gehören, unter denen sie lebt. Also ermöglicht die Familie Marina unter großem Verzicht den Besuch der Combe Abbey, einer traditionsreichen englischen Schule. Doch Marina stellt bald fest, dass sie auch hier Außenseiterin ist und nie dazu gehören wird, weil sie eben nicht so englisch ist wie ihre Mitschüler. Und so wünscht sie sich schon bald zurück zu ihrer Familie.

Charlotte Mendelson wurde 1972 in London geboren. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin ist sie als Journalistin für verschiedene englische Publikationen, u.a. für den Guardian, tätig. „Almost English“ ist der vierte Roman von Charlotte Mendelson

Almost English von Charlotte Mendelson, Mantle 2013.

 

 

A Tale for the Time Being – Ruth L. Ozeki

Ein Tagebuch in einer „Hello Kitty“-Brotdose, das sie am Strand findet, lässt Ruth nicht mehr los: Autor des Tagebuchs ist eine 16-jährige Japanerin aus Tokio, Nao Yasutani, die über die großen und kleine Probleme in ihrem Leben erzählt: Schulkameraden mobben sie im Internet und ihre Familie macht sie auch nicht immer glücklich. Ruth vermutet, dass das Tagebuch mit dem Tsunami 2011 zu ihr gebracht wurde, und sie wird tiefer und tiefer in die Geschichte von Nao gezogen.

Ruth Ozeki wurde 1956 in Connecticut als Tochter eines amerikanischen Vaters und einer japanischen Mutter geboren. Sie lehrt Zen Buddhismus, unterrichtet Kreatives Schreiben und hat zwei Filme gedreht. „A Tale for the Time Being“ ist ihr dritter Roman.

Zur Rezension „A Tale for the Time Being“ >>

A Tale for the Time Being von Ruth L. Ozeki, Canongate 2013.

 

 

The Spinning Heart – Donal Ryan

Im Südwesten Irlands hat 2010 die Rezession Einzug gehalten, und die Einwohner des Dorfes, das Hauptschauplatz von „The Spinning Heart“ ist, bekommen dies zu spüren. 21 verschiedene Personen stehen im Zentrum von Donal Ryans Roman, und jedes Kapitel ist aus der Perspektive einer anderen Hauptfigur geschrieben. Von der alleinerziehenden Mutter bis zum Bauarbeiter befassen sich alle mit den geänderten Lebensumständen auf Grund der wirtschaftlich verschlechterten Situation.

Donal Ryan wurde 1977 in Irland geboren und wohnt heute mit seiner Familie in der Nähe von Limerick. „The Spinning Heart“ ist Donal Ryans Debütroman und gewann 2012 den Book of the Year der Irish Book Awards. Sein zweiter Roman wird im Herbst 2013 erscheinen.

The Spinning Heart von Donal Ryan, Doubleday Ireland 2013.

 

 

The Testament of Mary – Colm Tóibín

In „The Testament of Mary“ wird die Geschichte Jesus Christus aus der Sicht seiner Mutter Maria betrachtet. Maria ist hier nicht die stimmlose Mutter Gottes, sondern eine vom Verlust zermürbte Mutter, die nach dem Tode ihres Sohnes die Ereignisse noch mal mit ihrer eigenen Stimme Revue passieren lässt. Die Wunder, die Jesus vollbringt, sind für Maria eher besorgniserregend, weil sie den eigenen Sohn in Gefahr bringen. Tóibín verleiht Maria neben dem Ton der mütterlichen Fürsorge auch einen trockeneren Blick für Rationalität.

Colm Tóibín, 1955 in Enniscorthy geboren, ist ein bekannter irischer Schriftsteller und Journalist, der bereits zum wiederholten Male für den Man Booker Prize nominiert ist. Neben Romanen schreibt Colm Tóibín auch Essays, Theaterstücke, Sachbücher und Literaturkritiken. Zusätzlich nimmt er regelmäßig universitäre Lehraufträge für kratives Schreiben und Literaturwissenschaft an, z.B. in Princeton und Stanford. Neben Donal Ryan und Colum McCann ist Colm Tóibín der dritte irische Schriftsteller, der in diesem Jahr auf der Longlist des Man Booker Prize steht.

Zur Rezension „The Testament of Mary“ >>

The Testament of Mary von Colm Tóibín, Viking 2013.

 

 

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