Interview mit Autorin und Bloggerin Johanna Wagner

Johanna Wagner - Autorin von "Schlaflos in der Regenzeit"

Johanna Wagner – Autorin von “Schlaflos in der Regenzeit”

Johanna Wagner ist nicht nur Autorin des Blogs marieposamedien.com, sondern auch des Buches “Schlaflos in der Regenzeit”, das eine Brücke schlägt zwischen Lateinamerika und Europa. In unserem Interview erzählt Johanna, welche Themen sie bewegen, was eine Buch-Veröffentlichung ohne klassischen Verlag mit sich bringt und welche Resonanz sie von ihren Lesern bekommt. “Schlaflos in der Regenzeit” könnt ihr für 9,95 Euro auf marieposamedien.com bestellen.

Interview mit Johanna Wagner von marieposamedien.com

Stefanie: Was hat dich dazu veranlasst, deinen Blog marieposamedien.com zu starten?

Johanna:La mariposa ist spanisch und bedeutet Schmetterling. Das Symbol des Schmetterlings hat eine große Bedeutung in meinem Leben und taucht immer wieder überraschend auf. Ich betrachte den Schmetterling als Wegweiser, der mir subtile Hinweise auf meinem Weg gibt. marieposamedien.com ist die Zusammenführung meiner bisherigen Auslandsaufenthalte und zudem die virtuelle Darstellung meiner Leidenschaft. Da ich beruflich im Gesundheitssektor tätig bin, ist der künstlerische und kulturelle Bereich bislang ein privates Hobby gewesen. Das Feedback anderer ist der Grund, warum ich meine Begeisterung für die Fremde in Wort und Bild nun mit einem öffentlichen Publikum teile.


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Die Kurzbeschreibung deines Blogs lautet “Portrait. Reise. Details.”. Wie verbindest du diese drei Bereiche miteinander?

Meine Auslandsaufenthalte drehen sich um Menschen und deren Lebensform. Die kulturelle Andersartigkeit fasziniert und konfrontiert mich immer wieder mit dem eigenen Lebensstil. Der Kontakt zu Einheimischen und das Erlernen ihrer Sprache ermöglichen mir dabei den wahren Kontakt zu den fremden Ländern. Sie sowie ein achtsames Dasein sind der Schlüssel zu Details, die im Überfluss und in der Schnelllebigkeit unserer Welt häufig übersehen werden. Um dem rasanten Lebenstempo etwas von seiner Schnelligkeit zu nehmen und über das Kleine das Große verstehen zu können, fokussiere ich ästhetische, aber auch belastende Details.

Buchcover "Schlaflos in der Regenzeit"

Buchcover “Schlaflos in der Regenzeit”

Wie ist es zu deinem Buch “Schlaflos in der Regenzeit” gekommen? Und worin liegt für dich der Unterschied zu deinem Blog?

Die Idee für das Buch entstand während meines Südamerikaaufenthaltes 2009/2010. Damals arbeitete ich vier Monate in einer Therapieeinrichtung für Kinder mit Behinderungen am Stadtrand von Lima, in Peru. Während und nach dieser Zeit bereiste ich die Andenstaaten Peru, Ecuador und Bolivien und schrieb einen Blog für Familie und Freunde, denen sich ständig weitere Leser anschlossen. Wegen der Leidenschaft am Schreiben sowie der Resonanz meiner Blog-Leser habe ich aus meinen Einträgen ein Buch gemacht.

Der Unterschied liegt in der Ausführlichkeit der Ausführungen. Im Buch nehme ich den Leser von Beginn an mit – während der Reise konnte ich nur Bruchteile des Erlebten über den Ozean senden. »Schlaflos in der Regenzeit« enthält alles – und sogar ein bisschen mehr – weil es nicht in Südamerika verweilt, sondern immer wieder in die Heimat führt.

In 3 – 5 Sätzen: Worum geht es in deinem Buch und was möchtest du damit erreichen?

»Schlaflos in der Regenzeit« ist eine außergewöhnliche Reiseerzählung über Lateinamerika, die immer wieder die Brücke in die Heimat schlägt. Europa und Südamerika werden in Beziehung gebracht, Armut und Reichtum sowie Fortschritt und Ursprünglichkeit ergründet.

Abseits der Touristenpfade unterwegs, lenke ich den Blick immer wieder auf soziale Missstände, ohne dass die oft bedrückenden Erfahrungen meine Faszination für Menschen und Landschaft schmälern könnten. Vor diesem Hintergrund bewegt mich stets die Frage nach dem wahren Reichtum.

Mit meinem Buch möchte ich,

… dass wieder hingeschaut wird, wo die Apathie längst weg schaut.

… meine Faszination für Südamerika teilen.

… zu einem einfachen Lebensstil aufrufen.

Wie hast du das Buch veröffentlicht und warum?

Schlaflos in der Regenzeit
Johanna Wagner
173 Seiten
Erstausgabe 2013

Ich habe das Buch ohne Verlag veröffentlicht. Vor über zwei Jahren habe ich Manuskript und Exposé an Verlage geschickt und war auf der Leipziger Buchmesse, um Kontakte zu knüpfen – beides war für den Verlauf des Buches leider erfolglos. Doch für die Schublade war das vollendete Werk zu wertvoll und aufgeben kam nicht in Frage. Heute weiß ich, die Barrieren entstehen allein im Kopf. Wenn man etwas wirklich will, wird es immer einen Weg geben.

Mein Weg führte über besondere Ereignisse und Begegnungen zur Veröffentlichung: Kontakt mit einer Autorin, das Erlernen einer Grafiksoftware, die Druckerei im Nachbarort, das Vertrauen, dass Träume wahr werden können, viel Disziplin und ganz nebenbei, die freie Zeiteinteilung, die das Studentendasein gewährt.

Welche Vor-, welche Nachteile haben sich daraus für dich ergeben?

Als Vorteil sehe ich ganz klar den Kontakt zu meinen Lesern. Im Buch mache ich mein Innenleben nackt, das öffnet auch die Schleusen der Leser, von denen ich sehr persönliche Briefe und E-Mails erhalte. Da findet ein Austausch statt, den ich in der Öffentlichkeit häufig vermisse. Das ist unglaublich bereichernd. Zudem bleibt das Buch für mich auf diese Weise genauso lebendig wie zu der Zeit des Schreibens.

Den Nachteil sehe ich im Marketing- und Vertriebsbereich. Die Publikation im Selbstverlag geht mit einem unglaublich hohen Aufwand einher und kann am Ende leider nur viel weniger Menschen erreichen, als über die gebahnten Vertriebswege der großen Verlage.

Doch die kleinen Kreise, in denen das Buch zirkuliert, bergen etwas Privates und Einfaches. Erfolg messe ich nicht nach wirtschaftlichen Prinzipien – ich schreibe mit dem Herzen und rechne nicht in Zahlen – sonst hätte ich nie angefangen zu schreiben. Leidenschaft ist nicht quantifizierbar.

Was tust du dafür, dein Buch bekannt zu machen?

Ich habe ganz klein angefangen und im Familien- und Bekanntenkreis Werbung gemacht. Die Reaktionen ermutigten mich zu weiteren Schritten, sodass ich Kontakt mit der lokalen Presse meiner Heimatstadt Melsungen aufnahm. Seitdem ist »Schlaflos in der Regenzeit« dort in allen Buchläden erhältlich und für den Sommer sind erste Lesungen geplant.

Immer versuche ich auch das vermeintlich Unmögliche, das dann eben manchmal doch möglich ist! So wird mein Buch bei der größten europäischen Inka-Ausstellung (in Stuttgart und Rosenheim) verkauft und findet zahlreiche Abnehmer.

Natürlich bietet auch das Internet unzählige Möglichkeiten, das Buch ins Gespräch zu bringen. Dafür habe ich eine eigene Website erstellt – aber man muss immer dran bleiben …

Wie ist die Resonanz auf dein Buch?

Das Feedback ist eigentlich der spannendste Teil meiner Reise – gereist bin ich schon öfter, aber dass so viele Menschen meine Worte lesen, ist Neuland für mich. Als ich die erste Reaktion erhielt, war ich vor Aufregung und Freude mal wieder schlaflos: Zum Glück war sie positiv und diese positive Resonanz hält an!

Interessant finde ich, wie viele Menschen sich in meinen Zeilen wiederfinden können, obwohl oder vielmehr gerade weil ich an vielen Stellen eine sehr gesellschaftskritische Position vertrete. Das macht Mut für weitere Projekte, da meine persönliche Sehnsucht nach Einfachheit offensichtlich ein viel größeres Bedürfnis unserer Zeit darstellt, als ich vermutete. In ihrem Feedback sprechen die Leser ganz unterschiedliche Themen an, die die verschiedenen Facetten des Buches aufdecken. Das ist für mich unglaublich spannend und ein bisschen so, als dürfe ich mein eigenes Buch aus einer anderen Sicht lesen.

Ich freue mich über jedes Feedback und die Zeit, die sich der Leser dafür nimmt. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön!

Stimmen zum Buch findet man unter diesem Link >>

Wie sehen deine weiteren Pläne aus? Den Blog ausbauen, ein weiteres Buch schreiben, reisen?

Generell schmiede ich keine großen Pläne, aber was das Schreiben betrifft, wartet der zweite Teil von »Schlaflos in der Regenzeit« auf die Veröffentlichung, die ich für Herbst 2015 vorsehe. Außerdem werde ich noch in diesem Jahr den Kalender »On Badimaya Country« publizieren, der über die Geschichte sowie die Herausforderungen der Aborigines informiert. Ansonsten lasse ich mich treiben und vertraue dem Leben – bisher hat es mich immer gut geführt …

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Stefanie Laube

Schreibt beruflich und privat Sach- und belletristische Texte. Den Rest der Zeit verbringt sie mit Filme gucken, Lesen und Spielen. Stefanies Lieblingsfilme werden angeführt vonLost in Translation, während ihre Lieblingsbücher variieren. Immer willkommen sind Dystopien. Mehr über Stefanie >>

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