Der Fall Wilhelm Reich (Antonin Svoboda)

Filmplakat zu "Der Fall Wilhelm Reich"

Filmplakat zu „Der Fall Wilhelm Reich“

Nachdem der österreichische Psychoanalytiker Wilhelm Reich 1939 vor den Nazis geflüchtet ist, hofft er, seine (Grenz-)Forschungen ungestört in den USA betreiben zu können. Doch aufgrund der Theorien, die Reich vertritt, sorgt er mittlerweile überall für Aufsehen. Der Österreicher, u. a. Autor von Werken wie „Die Funktion des Orgasmus“ (1942), vertritt nämlich die Meinung, dass viele Probleme und Krankheiten durch die Unterdrückung und Kontrolle von Gefühlen und sexueller Lust entstehen. In diesem Zusammenhang erforscht er die von ihm als Orgon bezeichnete Lebensenergie (verbleichbar mit dem chinesischen Qi) und erfindet schließlich den Orgon Akkumulator. Reichs Meinung nach akkumuliert sich bei jedem Menschen, der in dem mit Metall ausgekleideten Kasten eine Zeitlang sitzt, diese Orgon-Energie so, dass sich krankmachende Blockaden lösen.

Wilhelm Reich (Klaus Maria Brandauer), der sich sowohl für die Gesundheit des Menschen wie jener der Natur interessiert, ahnt darüberhinaus schon länger, dass die atomaren Tests, die in der McCarthy-Ära durchgeführt werden, eine ganze Region verseuchen können. Nachdem sich die Atmosphäre über seinem Grundstück durch einen nuklearen Unfall dauerhaft geändert zu haben scheint, erfindet Reich den Cloud Buster – ein Gerät, mit dem sich u. a. Regen erzeugen lässt.

Abgesehen davon, dass sich mittlerweile Kollegen, Dorfbewohner und Presse das Maul über den „Scharlatan“ und „Sexguru“ zerreißen, werden Reich per Gerichtsbeschluss Vermietung und private Nutzung des Orgon Akkumulators verboten. Nicht nur die US-Gesundheitsbehörde sondern auch „Kommunisten-Jäger“ beschatten Wilhelm Reich und wollen ihn mit allen Mitteln aus dem Verkehr ziehen.



_

Zum Hintergrund von Der Fall Wilhelm Reich

Der österreichische Regisseur Antonin Svoboda drehte bereits die TV-Dokumentation „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich“ (2009). Für Svoboda war bei seinen Recherchen für „Der Fall Wilhelm Reich“ schnell klar, dass er die Flut an Informationen und Fakten zuerst in einer Dokumentation verarbeiten wollte, um sich anschließend „dem Kern der Geschichte und der Person gegenüber wieder öffnen und in eine emotionale Geschichtenerzählung zurückfinden“ zu können (s. Interview mit Antonin Svoboda).

 

Der Fall Wilhelm Reich – Fazit

Die Erzählweise von „Der Fall Wilhelm Reich“ verlangt dem Zuschauer mitunter ein wenig mehr Aufmerksamkeit ab, da einzelne Episoden von Reichs Leben in nicht unbedingt chronologisch aufeinander folgenden Rückblenden beleuchtet werden. Sehr beeindruckend fand ich die Bilder, mit der Antonin Svoboda eine zu Reichs Einstellungen passende Entschleunigung erreichen wollte. Als leicht störend habe ich allerdings die Nachsynchronisation empfunden, die v. a. Reichs Tochter Eva (gespielt von Julia Jentsch) hier und da ein wenig künstlich wirken lässt.

Wie so oft bei Biopics sollte man von diesem Film keinen objektiven Bericht über Wilhelm Reich erwarten, sondern das Werk eines Regisseurs und gleichzeitig Drehbuchautors, der den Psychoanalytiker Reich aus seinem eigenen Blickwinkel und vermutlich ein wenig positiv verklärt zeigt. Mich persönlich hat dieser Blickwinkel nicht gestört. Ich habe den Film gesehen als die Geschichte eines charismatischen Mannes (und Vaters), der trotz ständiger Kritik und massiven Gegenwinds von Kollegen, Behörden und teilweise der eigenen Familie an seinen Visionen festgehalten hat und sich mit dem Lebensmotto „It can be done“ immer wieder selbst dazu ermutigte, Grenzen und Normen nicht einfach hinzunehmen. Unter diesem Aspekt fand ich den Film durchaus berührend und empfehle „Der Fall Wilhelm Reich“ gerne weiter.

Der Film „Der Fall Wilhelm Reich“ startet in den deutschen Kinos am 5.9.2013.

Infos zum Film

Der Fall Wilhelm Reich
Österreich, 2012
110 Minuten
Filmverleih: Movienet Film
Regie und Drehbuch:
Antonin Svoboda
mit Klaus Maria Brandauer,
Julia Jentsch, Kenny Doughty,
Jeanette Hain, Jamie Sives
FSK: NN


Google

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite verwendet Cookies. Mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen