Extrem laut und unglaublich nah (Stephen Daldry)

World_Trade_Center_fogDer 9-jährige Oscar (Thomas Horn) ist ein außergewöhnlicher Junge, denn er hat von seinem Vater gelernt, wie man Abenteuer besteht, Rätsel löst und die Welt entdeckt. Sein Leben mit seinen Eltern in New York ist schön, ständig ist er mit seinem Vater (Tom Hanks) unterwegs, z.B. im Central Park, um dort Dinge zu entdecken. U.a. muss es da irgendwo Überreste eines „sechsten Bezirks“ geben, der irgendwann weggeschwemmt wurde und von dem niemand weiß, wo er sich jetzt befindet.

 

11. September

Oscars Leben ist schön, bis zum „schlimmsten aller Tage“, dem 11. September 2001. An diesem Tag werden Oscar und seine Freunde früher aus der Schule nachhause geschickt, denn etwas ist passiert, auch wenn von den Erwachsenen noch niemand sagen will oder kann, worum es dabei genau geht. Doch Oscar macht sich zunächst noch keine Sorgen, er freut sich einfach über den frühen Schulschluss und geht nachhause, wo von seinen Eltern noch niemand ist, denn seine Mutter ist auf der Arbeit und sein Vater hat ein Meeting. Zuhause angekommen sieht Oscar nur, dass der Anrufbeantworter blinkt. Zu diesem Zeitpunkt sind sechs Nachrichten darauf und er hört sie eine nach der anderen ab.

 

Nachrichten aus dem World Trade Center

Alle Nachrichten stammen von derselben Person, nämlich von seinem Vater, der aus dem World Trade Center anruft. Während Oscar die Nachrichten abhört, hat er nebenbei den Fernseher eingeschaltet und verfolgt live am Bildschirm, was sich ereignet. In den Nachrichten auf dem Anrufbeantworter sagt sein Vater immer wieder Dinge wie „Ich dachte, du bist da. Es geht mir gut. Man hat uns gesagt, wir sollen bleiben, wo wir sind, die Feuerwehr ist unterwegs.“ In einer späteren Rückblende, dem letzten Telefonat zwischen Oscars Mutter und seinem Vater, erfährt man, dass dieser deshalb so oft zuhause angerufen hat, weil er sich von seinem Sohn verabschieden will. Die letzte, siebte Nachricht hört Oscar sogar live mit, denn sein Vater versucht ein letztes Mal, ihn zu erreichen, doch Oscar sitzt paralysiert zwischen Telefon und Fernseher und schafft es nicht, aufzustehen. In dem Moment, als die Aufzeichnung der Nachricht auf dem Anrufbeantworter endet, sieht Oscar im Fernseher, wie das World Trade Center einstürzt.

 

Nähe zum toten Vater

In den kommenden Wochen versuchen Sohn und Mutter, so gut es geht mit der Situation umzugehen. Oscar hat heimlich einen kleinen Schrein mit Erinnerungen an seinen Vater im Schrank errichtet, denn er will die Illusion aufrecht erhalten, sein Vater würde noch leben. In diesem Zusammenhang erzählt er ein Gleichnis: Wenn die Sonne explodieren würde, würden wir auf der Erde ganze 8 Minuten lang davon nichts mitbekommen. Denn so lange würde es dauern, bis das Sonnenlicht bei uns ankäme. Oscar sagt, dass er diese acht Minuten mit seinem Vater so lange wie möglich festhalten möchte.

Nach ein paar Monaten traut sich Oscar zum ersten Mal in den begehbaren Kleiderschrank seines Vaters. Während er sich umsieht, findet er eine blaue Vase, die zu Boden fällt und zerbricht. Darin entdeckt Oscar einen kleinen Umschlag mit der Aufschrift „Black“ und einem Schlüssel darin. Felsenfest davon überzeugt, dass sein Vater ihm damit eines seiner Abenteuer-Rätsel und somit eine letzte Botschaft hinterlassen hat, arbeitet Oscar einen detaillierten Plan aus, wie er das Geheimnis, das hinter dem Schlüssel steckt, lüften kann. Auf seiner Suche danach überschreitet er nicht nur seine eigenen Grenzen, sondern begibt sich auch in Gefahr.

 

Wirkung von „Extrem laut und unglaublich nah“

Dieser Film ist einfach unglaublich gut erzählt, denn in der Geschichte passiert nichts zufällig. Jeder, dem Oscar auf seiner Suche begegnet, hat eine Funktion, einen Sinn, eine Bedeutung, und so begibt man sich als Zuschauer gemeinsam mit dem Jungen auf die Suche nach der Bedeutung des Schlüssels, nach einem Sinn und letztlich nach dem Sinn des Todes von Oscars Vater. Oscar gelingt es schließlich nicht nur, das Geheimnis des Schlüssels zu lüften, sondern er findet auch seine ganz eigene Erklärung über den sechsten Bezirk.

„Extrem laut und unglaublich nah“ wühlt auf, denn die Bilder des rauchenden und schließlich einstürzenden World Trade Centers in Verbindung mit den unterschwellig immer verzweifelteren, wenn auch mit betont gefestigter Stimme gesprochenen Nachrichten des Vaters auf dem Anrufbeantworter geben einem das Gefühl, mittendrin zu sein. Die Geschichte setzt sich wie ein Puzzle zusammen und der Zuschauer bekommt die einzelnen Teilchen erst nach und nach zu sehen, meist in Form von Rückblenden, was die Sache äußerst spannend und unterhaltsam macht. Insgesamt handelt es sich hierbei nicht um klassiches Taschentuch-Kino. Doch einen hochemotionalen Moment gibt es, an dem klar wird, dass Oscars Mutter (Sandra Bullock), von der er sich immer weiter entfernt fühlte, die ganze Zeit über gar nicht hätte näher sein können.

 

Fazit

Ein sehenswerter Film mit beeindruckenden Bildern, einem tollen, überzeugenden Kinderschauspieler und vor allem einer großartigen Geschichte, die bis zum Ende spannend bleibt. Besonders interessant dürften der Film und die literarische Vorlage von Jonathan Safran Foer für Autoren sein: Hier zeigt sich, mit wieviel Mühe man seine Figuren ausstatten kann. Im Fall von Oscar sind es die zahlreichen Ticks, Angewohnheiten und außergewöhnlichen Verhaltensweisen, die die Figur so glaubhaft machen.

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Infos zum Film

Extrem laut und
unglaublich nah
(Extremely Loud &
Incredibly Close)

USA, 2011
129 Minuten
Filmverleih:
Warner Bros.

Regie: Stephen Daldry
Drehbuch: Eric Roth
mit Thomas Horn, Tom
Hanks, Sandra Bullock

FSK: frei ab 12 Jahren

 

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Bild „World Trade Center fog“: By Flickr user Beija, via Wikimedia Commons

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