Heute bin ich blond (Marc Rothemund)

Heute_bin_ich_Blond_DVD_Standard_888837188098_2D.600x600Sophie sprüht mit ihren 21 Jahren nur so vor Lebenslust und Schönheit. Gerade hat sie ein Party- und Shopping-Wochenende bei ihrer besten Freundin Annabel in Antwerpen verbracht, nun plant sie ihr Studium, das sie als nächstes beginnen will. Im Gegensatz zu ihrer zielstrebigen Schwester, die International Economics studiert, sucht Sophie sich Fächer aus, die einfach Spaß machen und sie interessieren, z. B. „Postmodernes schwedisches Theater“. Zusätzlich schwebt Sophie vor, mit Annabel in eine schicke WG zu ziehen. Auch wenn sie sich mit Eltern und Schwester zuhause sehr gut versteht, will sie endlich ihre Freiheit genießen und vor allem Spaß haben. Flirten und ungezwungener Sex stehen dabei ganz oben auf ihrer To-Do-Liste. Als Sophie (Lisa Tomaschewsky) wegen eines scheinbar harmlosen Hustens und ein paar belangloser Stiche in der Brust zum Arzt geht, verschiebt sich ihre Perspektive von einem Tag auf den anderen.

Diagnose: Lungenkrebs

Als Sophies Arzt sie darüber informiert, dass sie einen Tumor in ihrer Lunge hat, bricht für sie und ihr gesamtes Umfeld zunächst eine Welt zusammen: Sophies Mutter, die selbst vor Jahren Krebs hatte, weiß genau, was nun auf ihre Tochter zukommt. Der Vater kann einfach nicht aufhören zu weinen und recherchiert im Internet alles, was er über Sophies Krebsart finden kann. Die beste Freundin Annabel ist so schockiert, dass sie – sofort nachdem Sophie ihr über Skype von der Krankheit erzählt hat – (aus Versehen) die Gesprächs-Verbindung abbricht.

Doch genau wie Sophie sich bald berappelt und bereit ist, während der Therapie gegen den Krebs zu kämpfen, zeigen auch die Leute aus ihrem Umfeld Stärke, um die 21-jährige zu unterstützen: Die Mutter richtet ihrem Mädchen das Krankenzimmer liebevoll ein und erstellt ihr einen Plan, auf dem Sophie die Tage bis zum Therapie-Ende abhaken kann. Der Vater versucht, zumindest nicht in Gegenwart der Tochter zu weinen, und begleitet sie zu ihren Untersuchungen. Die Schwester kommt jeden Tag ins Krankenhaus, um Sophie selbst gekochtes Essen zu bringen. Der beste Freund Rob fotografiert Sophie auf eigenen Wunsch, solange sie noch ihre herrlichen Haare hat. Und die beste Freundin Annabel bringt Sophie einfach auf andere Gedanken, wann immer sie kann.



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Heute bin ich blond – die vielen Perücken der Sophie

Im Verlauf der Strahlentherapie beginnen Sophie die Haare auszufallen. Mit der Hilfe eines Pflegers rasiert Sophie sich eine Glatze („ganz oder gar nicht“) und ihre Mutter nimmt sie mit zu einer Perücken-Macherin, die jedoch nur ein Modell für Sophie hat, das diese schnell als „Betonfrisur“ betitelt und womit sie sich alles andere als wohl fühlt.

Sophie: „Ich seh‘ aus wie von Playmobil!“

Annabel kommt vorbei und holt ihre geliebte Sophie zu einem Shopping-Trip der besonderen Art ab: Die beiden gehen zu einem Perücken-Macher, der eine riesige Auswahl hat, und Sophie sucht sich gleich mehrere aus, mit denen sie nicht nur wirklich schön aussieht, sondern die ihr auch ein großes Stück ihres Selbstvertrauens zurückgeben. Auch Annabel ist begeistert („Ich seh‘ meine alte Sophie wieder!“) und Sophie findet Gefallen daran, durch regelmäßigen Perücken-Wechsel in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen – passend zu Tagesform, Gemütszustand und Verlangen.

Sich vom Krebs nichts verbieten lassen

Der beste Freund Rob hat für Sophie einen Blog eingerichtet, in dem sie nun täglich aus dem Krankenhaus über alles schreibt, das mit ihrer Krankheit zu tun hat. Schon bald hat Sophie mit ihrem Blog regelmäßige Leser und sogar ein bekanntes Magazin fragt an, ob Sophie nicht für sie schreiben wolle. Doch aktuell ist sie zu beschäftigt, denn mit dem Selbstbewusstsein, das Sophie durch die Perücken zurückgewonnen hat, kehrt auch die Sorglosigkeit wieder. Zusammen mit Annabel geht sie nun ständig bis tief in die Nacht feiern und trinkt dabei sogar regelmäßig Alkohol. Die Warnungen ihres Arztes, dass sie „die Therapie so nicht schaffen“ kann, ignoriert sie. Und obwohl sie eigentlich mittlerweile eine liebevolle Beziehung mit Rob führt, sagt sie ihm, er solle auch andere Frauen treffen. Plötzlich sieht sich Sophie an einem Punkt, an dem sie Zeit für sich braucht, die fürsorglichen Freunde und Familienmitglieder wegschickt und allein sein will mit „ihrem“ Krebs.

Hintergrund zu „Heute bin ich blond“

Das Drehbuch zum Film ist die Adaption des Bestsellers „Heute bin ich blond. Das Mädchen mit den neun Perücken“ (Original-Titel: „Meisje met negen pruiken“). Die Niederländerin Sophie van der Stap veröffentlichte den autobiographischen Roman, nachdem sie – wie Sophie im Film – ihre Gedanken während des Verlaufs ihrer Krankheit aufgeschrieben hatte. Den sehr eingängigen und die Atmosphäre untermalenden Sountrack stellte Mousse T. zusammen.

Fazit zum Film

„Heute bin ich blond“ zeigt eindrucksvoll, was eine Krebsdiagnose für einen jungen Menschen bedeutet, der Spaß am Leben und zahlreiche Pläne hatte. Eindrucksvoll ist in dem Film vor allem die (meist) mutige Art, mit der sich Sophie ihrer Krankheit stellt, obwohl das Internet gerade mal eine Heilungs-Chance von 15 % prognostiziert. Absolut rührend ist dabei das Umfeld von Sophie: Die Eindrücke, die die besten Freunde und die Familie von Sophie mit ihrer unerschütterlichen Liebe und Fürsorge hinterlassen, sind wirklich dauerhaft. Denn auch das ist etwas, das „Heute bin ich blond“ beeindruckend realistisch zeigt: Eine Krankheit wie Krebs beeinflusst nicht nur den Menschen, der sie hat.

Mein persönliches Fazit: Der Titel des Films verleitet dazu, ihn noch vor dem Anschauen als platte Teenie-Komödie abzustempeln. Im Gegenteil handelt es sich bei „Heute bin ich blond“ um die einfühlsam erzählte, rührende, facettenreiche Geschichte einer jungen Frau im Kampf gegen Krebs, ohne dass der Film dabei mit Klischees spielt oder unnötig auf die Tränendrüse drückt. Meine Empfehlung lautet: unbedingt anschauen!

Infos zum Film

Heute bin ich blond
Deutschland, 2013
117 Minuten
Filmverleih: Universum Film
Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Katharina Eyssen
mit Lisa Tomaschewsky,
Karoline Teska, David Rott
FSK: frei ab 6

 

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