Silver Linings (David O. Russell)

Silver Linings - Filmplakat

Silver Linings – Filmplakat

Anfang des Jahres wollte ich schon mal Silver Linings sehen. Aber die Bezeichnung „romantische Komödie“ in Kombination mit einem Schauspieler wie Bradley Cooper, den ich bislang in die Klamauk-Ecke gepackt habe, und das alles gekrönt von einem Trailer, der einen Tanzfilm mit überdrehten Liebeskranken verspricht, ließen mich dann doch zuhause bleiben. Die vielen Nominierungen allerdings und der Oscar für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin zusammen mit den neuen Filmausschnitten, die es im Rahmen der Verleihung zu sehen gab, haben mich dann doch neugierig gemacht. Sonntag habe ich also Silver Linings gesehen.

 

Worum geht’s in Silver Linings?

„Excelsior! Aufwärts!“ lautet das neue Motto von Pat Solatano (Bradley Cooper), der gerade von seiner Mutter nach seinem 8-monatigen Aufenthalt in einer psychatrischen Anstalt abgeholt wurde. Nachdem Pat seine Frau inflagranti mit einem Kollegen im Bad des gemeinsamen Hauses erwischt hatte und infolgedessen nicht ganz zimperlich mit dem Konkurrenten umgesprungen war, war er nicht nur in die Anstalt eingewiesen worden, sondern hatte auch noch sein Haus verloren. Daher wohnt er nun erstmal wieder bei seinen Eltern (Robert De Niro, Jacky Weaver), und sein größtes Ziel ist jetzt, seine Frau Nikki zurückzugewinnen. Das gestaltet sich allerdings schwierig, denn durch eine einstweilige Verfügung darf Pat sich ihr nicht nähern und sie auch sonst nicht kontaktieren. Davon abgesehen darf er in keinster Weise auffallen, denn sonst bringt ihn der auf ihn abgestellte Polizist ganz schnell wieder in die Anstalt. Gar nicht so einfach für Pat, nicht auszurasten, rumzuschreien und (versehentlich) um sich zu schlagen, denn allein das Zusammenleben mit dem egozentrischen Vater, der schon mal die gesamten Familienersparnisse in Sportwetten steckt, bringt Pat des Öfteren auf die Palme.


Während die meisten Leute Pat als manisch-depressiven, gewalttätigen Irren abgestempelt haben, laden sein alter Freund Ronnie und dessen Frau Veronica (Julia Stiles) ihn zum Abendessen ein. Dort trifft Pat auf Veronicas Schwester Tiffany (Jennifer Lawrence), die – vor Kurzem ihren Mann verloren – nun ebenfalls unter Depressionen leidet. Obwohl Pat mit der sehr direkten Art von Tiffany nichts anzufangen weiß, treffen die beiden nun täglich aufeinander, denn ganz zufällig joggt Tiffany jetzt immer zur selben Zeit wie Pat dieselbe Strecke entlang. Pat fühlt sich von ihr verfolgt, dabei will er doch nichts anderes, als weiterhin an sich arbeiten und für seine Frau Nikki „in Form kommen“. Pats Psychater, der vermutet, dass Tiffany mit ihrer sexuell agressiven Art eigentlich versucht, eine Freundschaft aufzubauen, rät Pat, der jungen Frau ein bisschen unter die Arme zu greifen. Der positive Nebeneffekt: Wenn Pats Frau Nikki, die mit Tiffanys Schwester befreundet ist, mitbekommt, dass Pat in der Lage ist, jemandem zu helfen und ein guter Freund zu sein, ist sie vielleicht eher bereit, zu ihrem Mann zurückzukehren. Dieses Argument überzeugt Pat und er ringt sich dazu durch, mit Tiffany auszugehen.

Im Restaurant setzt Pat alles daran, Tiffany klarzumachen, dass dies „kein Date“ ist. Dennoch kommen die beiden ins Gespräch und plötzlich bietet Tiffany Pat an, dessen Frau Nikki einen Brief von ihm zu geben – etwas, das aufgrund der einstweiligen Verfügung eigentlich verboten ist. Pat ist überglücklich darüber, und ist sogar bereit, im Gegenzug etwas für Tiffany zu tun, die es satt hat, immer nur anderen Leuten zu helfen, ohne je irgendetwas zurückzubekommen. Pat ist nicht gerade begeistert, als Tiffany ihm ihren Wunsch mitteilt: „Es gibt da so ein Tanzding“, einen Wettbewerb im Freestyle-Tanzen, bei dem Tiffany schon seit Jahren mitmachen wollte, ihr bisher nur immer der Partner dazu fehlte.

Pat (Bradley Cooper) macht Tiffany (Jennifer Lawrence) klar, dass dies kein Date ist und bestellt Knuspermüsli (Film Silver Linings)

Pat (Bradley Cooper) macht Tiffany (Jennifer Lawrence) klar, dass dies kein Date ist und bestellt Knuspermüsli (Film Silver Linings)

Tiffany verlangt von Pat regelmäßiges Training und ihr Druckmittel, vielleicht doch nicht den Briefkurier zwischen Nikki und Pat zu spielen, funktioniert bestens. Doch plötzlich wollen noch mehr Leute irgendetwas von Pat, so z.B. sein Vater Pat Senior, der behauptet, seine Football-Mannschaft könne nur gewinnen (und der Senior selbst damit seine Sportwetten), wenn sein Sohn sich zusammen mit ihm die Spiele anschaut. Vater und Tiffany reagieren gereizt, weil Pat nun plötzlich seine Zeit zwischen ihnen aufteilen muss. Als sein Vater, angestachelt von Tiffany, plötzlich eine Doppelwette abschließt, bei der sowohl die Football-Mannschaft ein Spiel gewinnen und Pat und Tiffany in ihrem Tanzwettbewerb 5 von 10 Punkten holen müssen, will Pat am liebsten aus allem aussteigen. Doch da ist dieser Antwort-Brief von Nikki und die Hoffnung, dass seine Frau vielleicht auch auf dem Tanzturnier erscheinen wird.

 

Silver Linings ist keine Komödie

Pat (Bradley Cooper) im Schatten seines Vaters Pat Sr. (Robert De Niro) - im Film Silver Linings

Pat (Bradley Cooper) im Schatten seines Vaters Pat Sr. (Robert De Niro) – im Film Silver Linings

Wie so oft liegt der Filmverleih mit dem Label „Komödie“ in meinen Augen völlig daneben und die Grinserei der Hauptdarsteller auf dem Filmplakat verstehe ich auch nicht. Natürlich gibt es hier und da Szenen, die einfach absurd und witzig sind, aber der Film lebt von etwas ganz anderem: Im Fokus steht hier ein Mann, der – nachdem er ganz unten angekommen ist – versucht, die Fehler der Vergangenheit bei sich zu finden (er beklagt sich z.B. nie darüber, dass seine Frau fremdgegangen ist), an sich zu arbeiten, die Wünsche seiner Frau zu erfüllen („Nikki wollte immer, dass ich abnehme“), nach vorne zu blicken und den Silberstreif am Horizont (die Silver Linings) nicht aus den Augen zu verlieren. Er will dieses Programm um jeden Preis durchziehen, egal, wie schwer es ihm seine Mitmenschen machen, die alle aus egozentrischen Gründen an ihm zerren und irgendetwas von ihm wollen. Und so erreicht Silver Linings einen der wichtigsten Punkte, die ein Film mitbringen muss, damit der Zuschauer mitgeht: die Identifikation mit der Hauptfigur funktioniert. Mir tat Pat an vielen Stellen vor allem leid, denn man merkt schnell, dass er seinen Hang zur Depression und zum Ausrasten von seinem Vater hat, dem er sich zudem auch noch verpflichtet fühlt. Pat muss sich immer wieder selbst freistrampeln, während er weiterhin inmitten der Vergangenheits-Geister lebt. Die große Frage des Films war für mich, ob Pat es irgendwann schafft, auszubrechen und das zu tun, was das beste für ihn ist.

 

Verdiente Oscar-Nominierungen?

Ich finde es verständlich und verdient, dass Bradley Cooper für die Rolle des Pat eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller bekam (auch, wenn die Konkurrenz in diesem Jahr durch Daniel Day-Lewis in „Lincoln“ einfach zu groß war). Auch die Nominierung von Robert De Niro für den besten Nebendarsteller kann ich nachvollziehen, denn auch seine Rolle hat absolut überzeugt. Was die Nominierungen von Jacky Weaver (Pats Mutter) für die beste Nebendarstellerin und von Jennifer Lawrence anbetrifft, bin ich ein bisschen überrascht. Jennifer Lawrence spielt ihre Rolle okay, wenn auch an einigen Stellen ein bisschen überzeichnet und damit hier und da unglaubwürdig. Nervig finde ich die Art und Weise, wie sie synchronisiert wurde, denn ich finde, man muss eine Stimme nicht krampfhaft tiefer machen, nur, damit sie depressiv klingt. Umso erstaunter bin ich darüber, dass Lawrence den Oscar für die beste Hauptdarstellerin tatsächlich gewonnen hat, muss aber auch gestehen, dass ich die Filme ihrer Konkurrentinnen (bis auf „The Impossible“) nicht gesehen habe.

Nominiert war übrigens auch Regisseur David O. Russell für das beste adaptierte Drehbuch (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Matthew Quick).

 

Silver Linings – mein Fazit

Ein lohnenswertes Drama mit einem tollen und überraschend „anderem“ Bradley Cooper als Hauptdarsteller, der Themen wie Vergangenheitsbewältigung, Arbeiten an sich selbst, das Streben nach Zielen und Positives Denken intensiv rüberbringt. Wer eine lockere Liebeskomödie erwartet, wird enttäuscht sein – oder guckt den Film einfach mit anderen Augen. Meine Empfehlung: anschauen!

Infos zum Film

Silver Linings
(Silver Linings Playbook)

USA, 2012
122 Minuten
Filmverleih: Senator Filmverleih
Regie und Drehbuch:
David O. Russell
mit Jennifer Lawrence,
Bradley Cooper, Rober De Niro,
Jacky Weaver, Julia Stiles,
Chris Tucker
FSK: frei ab 12

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