Breathe In – Eine unmögliche Liebe (Drake Doremus)

Atmosphärischer Independent-Film, der lange nachwirkt:

DVD-Cover "Breathe In"

DVD-Cover „Breathe In“

Wie eine glückliche Familie wirken die drei: Musiker Keith (Guy Pearce), seine Frau und Keksdosen-Sammlerin Megan (Amy Ryan) und die gemeinsame Tochter, Schülerin und erfolgreiche Schwimmerin Lauren (Mackenzie Davis). Cellist Keith steht ein wichtiges Vorspielen für ein New Yorker Orchester bevor. Sollte er die Stelle bekommen, könnte er seinen ungeliebten Job als Musiklehrer endlich an den Nagel hängen. Da er entsprechend nervös ist und in Ruhe zuhause für den Termin üben möchte, kommt es ihm absolut ungelegen, dass seine Frau eine englische Austauschschülerin bei ihnen einquartieren will. Doch sie lässt sich nicht davon abbringen und schon sitzt Keith mit seiner Frau im Auto, um die 18-jährige Sophie (Felicity Jones) vom Flughafen abzuholen.

Sophie interessiert sich von Anfang an für Keiths Leben als Musiker und stellt ihm allerhand Fragen. Er antwortet höflich, wenn auch knapp. Erst als die Ausstauschschülerin Keiths Klavierunterricht in der Schule fernbleibt, macht er sich auf die Suche nach ihr. Ihre Ausrede lautet, dass der Unterricht nichts für sie sei, aber Keith beharrt darauf, dass sie zumindest so lange teilnimmt, bis ihr Name offiziell von der Teilnehmerliste gestrichen ist. Als Sophie tatsächlich beim nächsten Unterricht erscheint und spontan etwas vorspielen soll, damit die Klasse sie kennenlernt, spielt sie ein schwieriges Stück von Chopin – vollkommen fehlerfrei und dennoch mit Leidenschaft. Die Darbietung bringt nicht nur die komplette Klasse zum Applaudieren, sondern bewirkt auch bei Keith, dass er Sophie plötzlich mit anderen Augen sieht: für ihn ist sie nun eine ernst zu nehmende Musikerin.

Sophie und Keith – eine unmögliche Liebe

In vieler Hinsicht erinnert „Breathe In – Eine unmögliche Liebe“ an „Lost in Translation“ von Sofia Coppola, so sind z. B. die Ausgangssituationen der jeweiligen Hauptfiguren ähnlich: Sophie sagt von sich selbst, dass sie sich für den Austausch entschieden habe, um herauszufinden, was sie machen möchte im Leben. In derselben Situation ist Charlotte in „Lost in Translation“, denn sie begleitet vor allem deswegen ihren Mann nach Tokio, weil sie noch nicht weiß, was sie nach ihrem Uni-Abschluss machen könnte. Keith musste genau wie Bob für seine Familie Kompromisse eingehen, die Ehe ist bestimmt durch Verpflichtungen und Sarkasmus. Entsprechend genießt Keith die Aufmerksamkeit und Bewunderung vonseiten Sophies, die sich – offenbar im Gegensatz zu seiner Frau und seiner Tochter – für seine Musik interessiert. Sophie sucht im Gegenzug ebenso wie Charlotte nach Halt und Orientierung, so dass es nicht weiter verwundert, dass sie sich in einen älteren Mann verliebt, der ihr (ebenfalls wie bei Charlotte und Bob) das Gefühl gibt, etwas besonderes zu sein. Der große Unterschied zwischen den beiden Filmen ist dann allerdings der, dass Charlotte und Bob wissen, dass ihr Flirt nur von kurzer Dauer sein kann, weshalb außer einem (sehr züchtigen) Kuss nichts weiter zwischen den beiden passiert. In „Breathe In“ hingegen planen Keith und Sophie sogar, miteinander irgendwo ein neues Leben zu beginnen.

Keith: „Durch dich sehe ich viele Dinge klarer. Ich möchte, dass du mich aus allem rausholst, genau das wünsche ich mir von dir.“

Differenzierte Darstellung der Familien-Situation

Auch wenn der deutsche Beititel „Eine unmögliche Liebe“ Assoziationen in Richtung Liebes-Schnulze weckt, handelt es sich bei „Breathe In“ nicht um eine gewöhnliche Liebesgeschichte, in der man sich einzig auf die beiden Verliebten fokussiert. Regisseur Drake Doremus hat es geschafft, sowohl die familiären Voraussetzungen bei Keith als auch die Folgen, die seine und Sophies Verliebtheit bei Ehefrau und Tochter auslösen, differenziert darzustellen und einen als Zuschauer im Laufe des Films verschiedene Positionen einnehmen zu lassen. Das macht „Breathe In“ nicht nur spannend und abwechslungsreich, auch das Ende des Films bietet einen nachvollziehbaren, wenn auch dramatischen Abschluss.

Meisterwerk der Atmosphäre: Breathe In – Eine unmögliche Liebe

Auch atmosphärisch erinnert „Breathe In“ an „Lost in Translation“. Mit relativ wenigen Dialogen, dafür durch unfassbar überzeugendes Mienenspiel der Schauspieler und die entprechenden Blicke zwischen Sophie und Keith, die soviel mehr ausdrücken als reines Verlangen, kann sich der Zuschauer kaum den Stimmungen und Spannungen entziehen. Die Kamera ist dabei immer wieder extrem nah an den Figuren und lässt sie den Betrachter teilweise so sehen, als sei man selbst ihr Gegenüber. So kann man auch beim Zuschauen eben jene Momente benennen, in denen sich Sophie und Keith jeweils ineinander verlieben.

Auch Licht und Farben werden in „Breathe In“ so eingesetzt, dass sie nicht nur die aktuelle Stimmung der Figuren unterstreichen, sondern teilweise auf die weitere Entwicklung der Geschichte hindeuten: Die meisten Szenen, in denen Sophie und Keith miteinander allein sind, spielen im Dämmerlicht. Passend zu Keiths Beruf als Musiker und Sophies Passion des Klavierspielens ist die musikalische Untermalung des Films meist klassisch-instrumental, die gewählten Stücke ziehen den Zuschauer immer tiefer in die Gefühlswelt der Figuren hinein.

Fazit zum Film

„Breathe In – Eine unmögliche Liebe“ landete schon nach dem ersten Ansehen auf der Liste meiner Lieblingsfilme, beim zweiten Zuschauen habe ich weitere spannende Details entdeckt, die meinen ersten Eindruck sogar noch übertroffen haben. Ich kann den Film jedem empfehlen, der Filme ohne viel Dialog und Handlung schätzt und der bereit ist, sich auf leise Zwischentöne zu konzentrieren. Für mich ist „Breathe In“ ein Meisterwerk der Atmosphäre mit interessanten Figuren, fantastischen Schauspielern und einer differenziert dargestellten Liebesgeschichte, die nicht sein darf und dennoch nachvollziehbar ist.

Infos zum Film

Breathe In – Eine unmögliche Liebe
(Breathe In)

Irland, 2013
93 Minuten
Filmverleih: Universum Filmverleih
Regie: Drake Doremus
Drehbuch: Drake Doremus, Ben York Jones
mit Felicity Jones, Amy Ryan, Guy Pearce, Mackenzie Davis
FSK: frei ab 12


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