Call Me By Your Name (Luca Guadagnino)

Ruhiger, wunderschöner Film über die erste leidenschaftliche Liebe:

Call Me By Your Name Filmplakat

Call Me By Your Name Filmplakat

Der Sommer 1983 beginnt für den 17-jährigen Elio (Timothée Chalamet) wie ein Bilderbuch-Sommer: Gemeinsam mit seinen französisch-amerikanischen Eltern verbringt er die Ferien auf dem Landsitz der Professorenfamilie, widmet sich dem Lesen und der klassischen Musik, faulenzt mit seiner Freundin und genießt die Aprikosen, die an den Obstbäumen des riesigen elterlichen Grundstücks in voller Reife süß und verführerisch hängen.

Aufgebrochene Normalität

Diese lustvolle, wenn auch ereignislose Idylle wird für Elio aufgebrochen, als der neue Doktorand seines Vaters in der Sommerresidenz eintrifft: Oliver (Armie Hammer) ist Amerikaner, der sich freundlich-charmant, jedoch auch sehr unabhängig und selbstsicher gibt. Er zieht in Elios Zimmer ein, der in das kleinere Zimmer nebenan ausweicht. Verbunden sind die beiden Räume durch ein gemeinsames Badezimmer.

Mehr als Freundschaft

Elio zeigt dem älteren Oliver das Dorf und die Umgebung, sonnt sich mit ihm im Garten, nimmt ihn mit zum Schwimmen, zum Volleyball und zur Dorfdisko. Oliver scheinen die Herzen nur so zuzufliegen, er lernt schnell die Einheimischen kennen und wird von den Mädchen umschwärmt. Auch Elios Interesse an Oliver wird immer stärker und geht bald über rein freundschaftliche Gefühle hinaus. Er beobachtet Oliver beim Frühstück, reagiert eifersüchtig, wenn dieser mit Mädchen tanzt und wird fast verrückt, wenn der Gast ohne sich abzumelden den abendlichen Familienessen fernbleibt.

Sexuelle Spannung

Für Elio scheint der Amerikaner mit dem trainierten Körper und der unverbindlichen Art unerreichbar. Doch bei einem gemeinsamen Fahrradausflug bekundet er Oliver gegenüber dennoch sein Interesse, wenn auch sehr subtil und verschlüsselt. Überraschenderweise versteht Oliver die Andeutungen nicht nur, sondern gibt auch indirekt zu, dass auch er Interesse an Elio hat – indem er ihm sagt, dass zwischen ihnen nichts in dieser Richtung passieren darf. Die sexuelle Spannung zwischen den beiden wird in der folgenden Zeit zusehends stärker, bis sie sich schließlich doch zu einer gemeinsamen Nacht verabreden.

Die Symbolik im Film und das Zwischen-den-Zeilen

Der Film Call Me By Your Name ist reich an Symbolik. So sind die reifen, saftigen Aprikosen, die überall im Garten an den Bäumen hängen, auf dem Tisch stehen, in Saftform gereicht und schließlich noch zu ganz anderen Zwecken benutzt werden, das Sinnbild für Elios überreife Jugendlichkeit an der Schwelle zur erwachsenen sexuellen Reife. Das Badezimmer als intimer Ort, der die beiden Schlafzimmer von Elio und Oliver miteinander verbindet, symbolisiert die intime Verbindung zwischen den beiden. Im Laufe des Films folgen weitere Andeutungen, deren Bedeutung sich jedoch erst am Ende des Films offenbaren, etwa, wenn Oliver in Bergamo kurz mit einem fremden Mädchen tanzt, woraufhin Elio sich übergibt.

In den Dialogen wird selten Klartext gesprochen, vielmehr gilt es, die Botschaften zwischen den Zeilen wie in einer Kurzgeschichte von Hemingway zu dechiffrieren. Dieses Mittel unterstreicht sehr passend die Unsicherheit Elios, der nicht nur zum ersten Mal richtig verliebt ist und lange nicht weiß, wie die von ihm angebetete Person dazu steht, sondern der auch seine Gefühle in Bezug auf seine gerade erst entdeckte Homosexualität ordnen muss. Selbst die äußere Form des Films spiegelt diese Unklarheit wieder: Der Film braucht einige Zeit, um richtig in Gang zu kommen bzw. man selbst als Zuschauer braucht etwas, um sich wirklich im Film wiederzufinden – ebenso, wie Elio Zeit braucht, zu verstehen, was ihn wirklich glücklich macht.

Stimmung, Gefühle und Atmosphäre sind wichtiger als Handlung

Von der Bildsprache und der Erzählweise her erinnert die Verfilmung von Call Me By Your Name an die Filme von Sofia Coppola, in denen es auch nicht in erster Linie auf die Handlung ankommt, sondern darauf, Zeit mit den Figuren zu verbringen, ihre Stimmungen und die Atmosphäre zwischen ihnen aufzunehmen.

Worum es in Call Me By Your Name geht

Call Me By Your Name erinnert uns daran, wie bittersüß die erste Liebe war, wie aufregend es war, sich selbst und den anderen zu entdecken, wie verletzlich man war, aber auch wie unendlich glücklich, wie jeder Moment Bedeutung hatte und wie sich die Zeit bis zum Wiedersehen dehnte oder viel zu schnell verbraucht war. Der Filmtitel Call Me By Your Name (Nenn mich bei deinem Namen) bzw. der Titel der gleichnamigen Romanvorlage und das Filmplakat zeigen deutlich: Wie in jeder intensiven Liebesbeziehung geht es zwischen Elio und Oliver darum, sich im anderen wiederzufinden, ein bisschen so sein wollen wie der andere und schließlich ganz im anderen aufzugehen.

Am Ende ist es Elios Vater (Michael Stuhlbarg), der ihm neben einem persönlichen Geständnis eine schöne Lebenslektion mit auf den Weg gibt: Verleugne nicht die schönen Momente, indem du die damit verbundene schmerzvollen Gefühle unterdrückst. Etwas, das Elio für sich annimmt und in der letzten, sehr langen und wunderschönen Szene am Kamin auslebt und das er so lebt, wie wir Elio in den 133 Filmminuten kennenlernen: intensiv, leidenschaftlich, und auf fast schmerzvolle Weise genussvoll.

Fazit zum Film

Call Me By Your Name ist sicher nichts für Zuschauer, für die ein Film aus Handlung und Aktionen bestehen muss, denn Call Me By Your Name verhält sich als Film genauso wie seine Hauptfigur: lustwandelnd, genießerisch, entdeckend, Minuten zählend, liebend und damit verbunden leidend. Wer solche Filme zu schätzen weiß, wird Call Me By Your Name als atmosphärisches und bildgewaltiges Kunstwerk lieben.

Infos zum Film

Call Me By Your Name
Italien, 2017
133 Minuten
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch: James Ivory
Schauspieler: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg
FSK: frei ab 12

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