Der große Gatsby (Baz Luhrmann)

Der große Gatsby_Leonardo DiCaprio

Stefanie mit dem über-großen Gatsby (Leonardo DiCaprio)

New York, 1922. Die „goldenen Zwanziger“ glänzen mit berauschter Ausgelassenheit, dekadentem Alkoholkonsum und in die Höhe schießenden Aktien. Der junge Nick Carraway (Tobey Maguire) gibt seinen Traum von der Schriftstellerei im Mittleren Westen auf, um in New York sein Geld als Aktienhändler zu verdienen. Auf Long Island bezieht er ein Häuschen, eingepfercht zwischen den Prunkbauten der Neu- und Altreichen, baut sich eine bescheidene Karriere auf und verbringt seine Freizeit bei Cousine Daisy (Carey Mulligan) und deren Ehemann Tom Buchanan (Joel Edgerton). Die beiden bewohnen eine riesige Villa direkt am Meer und haben, abgesehen von ausschweifendem Amusement und dem Ausgeben von Toms Reichtum, keinerlei Verpflichtungen. Und so taucht Nick ein in die Welt von Geld, Macht und lockeren Moralvorstellungen.

Wer ist der große Gatsby?

Auch bei Nicks Nachbarn Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio) geht es hoch her: Regelmäßig finden in dessen Palast bombastische Parties statt, zu denen scheinbar ganz New York uneingeladen zum Feiern erscheint. Der Gastgeber selbst bleibt dabei ein Mysterium. Niemand hat den großen Gatsby jemals gesehen und die Gerüchte über ihn besagen, er habe im Krieg gekämpft, in Oxford studiert, einen Mord begangen und sei der letzte Überlebende einer unfassbar reichen Familie. Nick ist das Gesicht des Mannes jedoch bekannt, denn seit geraumer Zeit beobachtet dieser ihn immer wieder von einem Fenster seines Schlosses aus. Eines Tages erhält Nick sogar eine Einladung zu einer der Parties, obwohl Jay Gatsby vorher noch nie eine Einladung verschickt hat. Nick betritt auf diese Weise eine der legendären rauschenden Parties des Great Gatsby, auf denen alles möglich zu sein scheint. Zu den Gästen zählt ebenfalls Daisys Freundin Jordan Baker (gespielt von der australischen Newcomerin Elizabeth Debicki), die Nick erzählt, dass auch sie Gatsby schon einmal gesehen habe. Plötzlich entdeckt Nick den Gastgeber, der sich als Kellner getarnt hat. Kurz darauf richtet ein Bediensteter Jordan Baker aus, dass Mr. Gatsby sie allein zu sprechen wünscht. Als Jordan sich später von Nick verabschiedet, ruft sie ihm nur zu, dass plötzlich alles einen Sinn ergibt, sie jedoch geschworen hat, nichts zu verraten.



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Der große Gatsby und sein Plan

Einige Tage später schickt Gatsby Jordan Baker vor, um Nick um einen Gefallen zu bitten: Dieser soll seine Cousine Daisy zum Tee in sein Haus einladen – ohne ihren Ehemann Tom. Nicht ahnend, welche Motivation hinter Gatsbys Bitte steckt, willigt Nick ein und staunt nicht schlecht, als sein Nachbar mit einer Horde Bediensteter anrückt, um aus Nicks bescheidenem Wohnzimmer ein Blumenmeer zu machen und es mit zahlreichen mehrstöckigen Torten zu bestücken.

[ACHTUNG: AB HIER SPOILER!]

Der Grund für das Brimborium: Jay Gatsby und Daisy Buchanan waren vor über fünf Jahren verliebt liiert, doch dann wurde der junge Jay zum Krieg eingezogen und seine Rückkehr blieb ungewiss. Die trauernde Daisy ließ sich schließlich von einem der begehrtesten, reichsten Junggesellen New Yorks trösten und heiraten: Tom Buchanan. Jay Gatsby, aus dem Krieg zurückgekehrt, hatte nur noch ein Ziel, nämlich Daisy zurückzugewinnen. Dazu kaufte er ein Haus, von dem aus er Daisys Anwesen am anderen Ende der Bucht Tag und Nacht beobachten konnte, stattete es für seine Angebetete zu einem Palast aus und veranstaltete seine berühmten Parties in der Hoffnung, dass Daisy eines Tages hereinschneien würde. Da sie dies jedoch nicht getan hatte, setzte Gatsby seine Hoffnung stattdessen auf ein „zufälliges“ Treffen im Haus von Nick Carraway.

Schicksalhaftes Treffen zwischen Gatsby und Daisy

Als Daisy endlich zum Tee bei Nick eintrifft und sie und Gatsby sich zum ersten Mal nach fünf Jahren sehen, scheint nach dem Ablegen erster Nervosität die gegenseitige Anziehung, Vertrautheit und Liebe stärker denn je. Gatsby bittet Nick und Daisy hinüber in sein Haus, um seine Geliebte dort herumführen zu können. Daisy ist sichtlich beeindruckt und geschmeichelt von Gatsbys Hingabe ihr gegenüber und beginnt mit ihm eine Affäre. Tom Buchanan, der seinerseits eine Affäre mit Myrtle Wilson (Isla Fisher), der Frau seines Mechanikers, hat, wird misstrauisch Jay Gatsby gegenüber. Anstatt die beiden jedoch direkt zur Rede zu stellen, arrangiert er einen gemeinsamen Nachmittag in einem Stadt-Hotel, bei dem er Gatsby solange ausfragt und provoziert, bis dieser die Beherrschung verliert. Daisy ist daraufhin so schockiert von Gatsbys Wutausbruch, dass sie zu zweifeln beginnt, ob es überhaupt richtig ist, sich für Jay Gatsby von ihrem Ehemann zu trennen.

Tom Buchanan schickt Daisy mit seinem Konkurrenten Gatsby mit dem Auto voraus, er selbst fährt mit Nick und Jordan im eigenen Wagen hinterher. Da Daisy selbst fahren möchte, um sich ein wenig zu beruhigen, ist sie auch diejenige, die Minuten später eine Frau tötet: Myrtle Wilson läuft wie blind auf die Straße, um vor ihrem Mann George (Jason Clarke) zu flüchten, der inzwischen herausgefunden hat, dass seine Frau eine Affäre hat. Daisy überfährt Myrtle und begeht anschließend Fahrerflucht. Als Tom wenig später mit Nick und Jordan am Unfallort eintrifft und sieht, dass seine Geliebte Myrtle überfahren wurde, kann er nur mit Mühe und Not seine Trauer verbergen.

Da jemand gesehen hat, dass Myrtle von einem gelben Wagen überfahren wurde, nutzt Tom die Gelegenheit, dem verzweifelten Wilson nicht nur einzureden, dass Jay Gatsby Myrtle überfahren hat, sondern auch deren Geliebter war. Gatsby, der Daisy mittlerweile nachhause gebracht hat, klammert sich an die Hoffnung, dass sie sich wie geplant dazu entscheidet, ihren Mann zu verlassen. Er geht fest davon aus, dass Daisy ihn am nächsten Morgen anrufen wird. Doch als am nächsten Tag wirklich Gatsbys Telefon klingelt und er aus dem Pool steigt, um den Anruf entgegen zu nehmen, erschießt der eifersüchtige und um Myrtle trauernde George Wilson erst Gatsby und anschließend sich selbst. Gatsby stirbt mit der Zuversicht, dass Daisy wirklich angerufen hat. Stattdessen hatte jedoch Nick angerufen, um sich nach Gatsby zu erkundigen. Nick ist schließlich auch der einzige, der zu Gatsbys Beerdigung erscheint, während Daisy es vorzieht, mit Ehemann Tom und der gemeinsamen Tochter zu verreisen.

Figuren in Der große Gatsby

Jay Gatsby

Besonders interessant ist die Entwicklung der Figuren des Films. Erwähnenswert ist hier, wie Regisseur Baz Luhrmann es schafft, den großen Gatsby von einer sagenumwobenen, unnahbaren Persönlichkeit zu einem verschwenderisch lebenden, gutmütig wirkenden Großgrundbesitzer zu machen, ihn von dort aus mit einer bodenständigen Geschichte, ehrlichen Gefühlen und einem nachvollziehbaren Ziel auszustatten, um ihn schließlich in einen vor Wut rasenden und vor Verbissenheit und Liebe blinden Mann zu verwandeln, der vor lauter Optimismus und Größenwahn nicht einsieht, dass selbst er nicht alles bekommt, und der schließlich einsam stirbt. Leonardo DiCaprio gelingt es, dem Zuschauer all diese Facetten glaubwürdig zu zeigen, besonders seine ehrliche Liebe und die Intimität zwischen ihm und Daisy. Eine Schlüsselszene war hier für mich jene, in der Gatsby und Daisy sich in Nicks Haus nach all der Zeit wieder begegnen und gemeinsam auf dem Sofa sitzen. Man sieht nichts weiter als Gatsby, der Daisys Hand hält und so leise mit ihr spricht, dass man nichts versteht. Trotzdem spürt man, wie unglaublich nah sich die beiden in diesem Moment sind und wie froh sie sind, sich gefunden zu haben.

Nick: „Es hat aufgehört zu regnen.“

Gatsby: „Ja, das hat es, in der Tat.“

Einzig die Nervosität vor dem Treffen überzeichnet DiCaprio durch sein Spiel: ein bisschen weniger Stirnrunzeln, gehetztes Gucken und Haare-aus-dem-Geschicht-Streichen hätten es auch getan.

Daisy Buchanan

Anders als in der Roman-Vorlage „Der große Gatsby (The Great Gatsby)“ von F. Scott Fitzgerald zeigt Daisy in dieser Verfilmung ein Stück ihrer Seele, was sicherlich dem Können von Carey Mulligan zu verdanken ist. Sie wirkt nicht einfach nur oberflächlich und hedonistisch wie von Fitzgerald dargestellt, sondern transportiert glaubhaft die Zerissenheit zwischen zwei Männern, die an ihr zerren. Sehr bewegend ist der Moment, als Gatsby ihr mantramäßig diktiert, dass sie Tom nie geliebt habe, während Tom sie gleichzeitig an ganz bestimmte Momente in ihrer Ehe zu erinnern versucht. Daisy antwortet schließlich ehrlich und dabei zerbrechlich und unschuldig wirkend, dass es falsch wäre, die einst existierende Liebe zu ihrem Mann zu leugnen.

Tom Buchanan

Daisys Ehemann ist für mich eine der großen Überraschungen des Films, da die Figur in meinen Augen die interessanteste Entwicklung zeigt und sehr konträre Gefühle bei mir ausgelöst hat. Zunächst präsentiert sich Joel Edgerton in der Rolle des Tom als größenwahnsinniger, arroganter und sogar rassistischer Schnösel, der seine Frau betrügt und schlichtweg Antipathie hervorruft. Im direkten Duell zwischen ihm und Gatsby wechselt man jedoch plötzlich die Seiten: Gatsby reagiert einfach nur mit Wut, während Tom psychologisch geschickt, vernünftig wirkend und fast schon rührend seine Frau dazu bringt, etwas Wichtiges zu erkennen: nämlich dass es Zeiten in ihrer Ehe gab, in denen sie sich sehr wohl geliebt haben und die keiner von beiden je vergessen kann. So fühlt man auch in der folgenden Szene mit, in der Tom erkennt, dass seine Geliebte Myrtle überfahren wurde. Einen Umschwung der Sympathie erreicht er jedoch schon Sekunden später dadurch, dass er dem verzweifelten George Wilson einredet, Gatsby sei für alles verantwortlich. Auf diese Weise nämlich bringt er George dazu, Gatsby ein für alle mal aus dem Weg zu räumen.

Nick Carraway

Tobey Maguire bleibt als Nick leider zu einseitig, was jedoch auch an der Rolle ansich liegen könnte: Als Beobachter, der immer nur das tut, was andere ihm sagen, wirkt er den ganzen Film über verklemmt, abwartend und sogar leicht trottelig. Es ist schwierig zu sagen, auf wessen Seite er eigentlich steht, bis er sich am Ende doch noch dazu hinreißen lässt, alle anderen als leer zu bezeichnen und aus Gatsby den „großen Gatsby“ zu machen.

Kritik zum Film

Dass Regisseur Baz Luhrmann in der Lage ist, Pomp zu inszenieren, weiß man seit Filmen wie „Moulin Rouge“ und „William Shakespeares Romeo + Julia„. Im ersten Drittel von „Der große Gatsby“ übertreibt Luhrmann es jedoch ein wenig. Natürlich ist es sinnvoll, die Dekadenz und Maßlosigkeit der „Roaring Twenties“ im Rahmen explodierender Parties darzustellen. Aber irgendwie wirkt hier alles ein bisschen zu laut, zu viel, zu künstlich und dadurch leicht unglaubwürdig. Man könnte sogar meinen, Luhrmann habe die Party-Szenen auf diese Weise ausgestattet, um damit den Einsatz von 3D-Technologie zu rechtfertigen.

So gesehen beginnt für mich der eigentlich interessante Teil des Films im zweiten Drittel, wenn endlich die Geschichte losgeht und sich die Figuren wie oben beschrieben entwickeln können. Diesen Teil des Films fand ich jedoch umso beeindruckender, denn die Story ist und bleibt dank der Vorlage von Fitzgerald und der Adaption durch Luhrmann und Craig Pearce spannend, mitreißend unterhaltsam und sehr emotional. Baz Luhrmann hat Schauspieler ausgewählt, die die Charaktere glaubwürdig darzustellen vermögen und beim Zuschauer Gefühle wie Mitleid und Rührung, aber auch Antipahie und Verachtung auslösen. Insgesamt ist „Der große Gatsby“ ein bildgewaltiger Film mit großartiger Story und außergewöhnlicher Musik, der es schafft, bestens zu unterhalten und 142 Minuten wie im Flug vergehen zu lassen. Fazit: anschauen!

Infos zum Film

Der große Gatsby
(The Great Gatsby)

USA / Australien, 2013
142 Minuten
Filmverleih: Warner Bros.
Regie: Baz Luhrmann
Drehbuch: Baz Luhrmann, Craig Pearce
mit Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire,
Carey Mulligan, Joel Edgerton,
Elizabeth Debicki, Isla Fisher, Callan McAuliffe
FSK: frei ab 12 Jahren

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