Greatest Showman (Michael Gracey)

Emotionaler Musical-Film mit großartigem Soundtrack und wichtigen Botschaften:

Filmplakat Greatest ShowmanP. T. Barnum wächst als Schneiderssohn in armen Verhältnissen auf. Er verliebt sich in das Mädchen Charity, eine Tochter reicher Eltern, und träumt davon, ihr eines Tages dasselbe Leben im Überfluss zu bieten, das sie gewöhnt ist. Dank eines Jobs bei der Bahn schafft er es tatsächlich, die geerbte Armut hinter sich zu lassen. Er heiratet Charity (Michelle Williams) gegen den Willen ihrer Eltern und gründet mit ihr eine Familie mit zwei Töchtern. Das Familienleben der Barnums spielt sich in einfachen aber glücklichen Verhältnissen ab.

Als sein Arbeitgeber Bankrott anmeldet, muss sich Barnum (Hugh Jackman) etwas Neues einfallen lassen, um die Familie ernähren zu können. Er erinnert sich an seine ursprüngliche Vision, seiner geliebten Charity ein Leben im Überfluss zu bieten. Anstatt also einfach nur einen neuen Job zu suchen, geht er ein Wagnis ein, das der Familie mehr Luxus bringen soll – und legt damit den Grundstein für seine Laufbahn als Greatest Showman.

Vom Museums-Betreiber zum Greatest Showman

Beseelt von dem Gedanken, den Menschen Unterhaltung zu bieten, eröffnet Barnum zunächst sein American Museum of Curiosity mit allerhand ungewöhnlichen und exotischen Exponaten in Form von Wachsfiguren und ausgestopften Tieren. Doch die Besucher bleiben aus und seine Töchter bringen ihn darauf, woran es liegt: Niemand interessiert sich für tote Gegenstände, was fehlt, ist etwas Lebendiges.



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Daraufhin rekrutiert Barnum so viele außergewöhnliche Menschen, wie er mit seinen Flugblättern finden kann: von einer bärtigen Frau (Keala Settle) über einen Liliputaner bis hin zu siamesischen Zwillingen. Mit ihnen stellt er eine Show auf die Beine, die fortan jeden Abend ausverkauft ist.

Szenenbild Greatest Showman P.T. Barnum (Hugh Jackman) in der Manege

Der größte Showmaster P. T. Barnum in seiner Manege © 2017 Twentieth Century Fox

Greatest Showman Tanzszene

© 2017 Twentieth Century Fox

Das Streben nach mehr

Barnums Familie zieht in ein prunkvolles Haus und Ehefrau Charity ist mit diesem sorgenfreien Leben mehr als zufrieden. Doch Barnum will mehr, das gewöhnliche Publikum genügt ihm nicht. Er will nun auch die Reichen für sich und sein Showtalent begeistern und macht Phillip Carlyle (Zac Efron), einen jungen Theaterregisseur aus reichem Hause, zu seinem Geschäftspartner.

Carlyle arrangiert für Barnums Show-Truppe nicht nur einen Antrittsbesuch bei der britischen Königin Victoria, sondern stellt Barnum auch Europas derzeit angesagteste Opernsängerin Jenny Lind (Rebecca Ferguson) vor. Barnum bietet ihr spontan an, sie auch in Amerika groß rauszubringen. Sie willigt ein und Linds Auftritte rufen bei der amerikanischen High Society Begeisterungsstürme hervor.

Barnum hat sein Ziel erreicht, auch die Reichen von sich als Greatest Showman zu überzeugen, doch genug hat er immer noch nicht und begibt sich mit seinem Star Jenny Lind auf Tournee. Damit stößt er nicht nur nur seine Show-Truppe vor den Kopf, für die er nicht mehr ansprechbar ist, sondern riskiert auch, seine Frau und seine Töchter zu verlieren.

Greatest Showman Szenenbild mit Jenny Lind gespielt von Rebecca Ferguson

Gesangs-Star Jenny Lind nimmt Standing Ovations entgegen © 2017 Twentieth Century Fox

Greatest Showman - Hugh Jackman als P.T. Barnum

P. T. Barnum genießt den Erfolg © 2017 Twentieth Century Fox

Themen in Greatest Showman

Entgegen verschiedener Filmkritiken zu Greatest Showman, in denen der Film z. B. als „seelenlos“ beschrieben wird, bin ich überrascht von der Vielfalt der Themen, die er anspricht und mithilfe der Filmsongs unterstreicht. Hier eine Übersicht der wichtigsten Themen:

Bestimme, wie du lebst und was du tust.

We can live in a world that we design.
‚Cause every night I lie in bed
The brightest colors fill my head.
A million dreams are keeping my awake.
I think of what the world could be,
A vision of the one I see.
A million dreams is all it’s gonna take,
A million dreams for the world we’re gonna make.

Mit diesen Worten erzählt schon der junge Barnum im Filmsong „A Million Dreams“ seiner späteren Frau Charity, was er vorhat: sein (und ihr gemeinsames) Leben und die Welt selbst zu gestalten und seine Träume von einem Leben voller Wunder in die Tat umzusetzen.

Barnum wird in Greatest Showman gezeigt als ein Mensch, der nicht nur sich selbst sondern auch viele andere Menschen dazu inspiriert, das Leben und den eigenen Erfolg in die Hand zu nehmen und damit die Verantwortung für das eigene Glück zu tragen.

Die Grenzen dessen, was wir sein können, setzt allein unsere Phantasie.

Szenenbild Greatest Showman - Phillip Carlyle und Ann begegnen sich zum ersten Mal

Phillip Carlyle (Zac Efron) und Ann (Zendaya) sehen sich zum ersten Mal © 2017 Twentieth Century Fox

Sei und zeige, wer du bist.

I am brave, I am bruised,
I am who I’m meant to be,
This is me.
I’m not scared to be seen,
I make no apologies,
This is me.

Mit diesem Text im Golden-Globe-ausgezeichneten Filmsong „This is Me“ macht Keala Settle als die bärtige Dame klar, dass sie sich von nun an nicht mehr verstecken wird. In dem Song geht es um die Entscheidung, sich von niemandem vorschreiben zu lassen, ob man sich trotz seiner vermeintlichen Makel zeigen darf, ob man gut genug ist und ob man die Chance hat, erfolgreich zu sein.

Der Song „This is Me“ und seine Botschaft präsentieren sich im Film in einer Szene mit großer Sogkraft: Fast explosiv befreit sich die Frau mit Bart von ihren jahrelang angestauten Ängsten und tritt gemeinsam mit den anderen Künstlern, die bislang ein Leben im Schatten der Gesellschaft gefristet haben, einen Siegeszug an.

Passend dazu erzählt Broadway-Künstlerin Keala Settle in einem Making-of-Video zu Greatest Showman, wie sie sich bei den Proben zu ihrem großen Song-Auftritt immer am liebsten hinter dem Notenständer versteckte, und wie unglaublich es sich anfühlte, sich trotz großer Angst vor dem Urteil der anderen schließlich zu trauen, nach vorne zu treten und allen zu zeigen, was in ihr steckt.

Hier das wirklich lohnenswerte Video von besagtem Workshop zu Greatest Showman, in dem Keala „This is Me“ in einer sehr emotionalen, mitreißenden Version zum Besten gibt:

Finde heraus, was dich glücklich macht – und was nicht.

Herauszufinden, was man wirklich will im Leben, kann bekanntermaßen ein bisschen dauern. Diese Erfahrung macht auch P. T. Barnum, der sich zunächst von Gesangs-Star Jenny Lind und ihrem unersättlichen Streben nach mehr angezogen fühlt.

Mit folgenden Worten im Song „Never Enough“ zeigt Lind bei ihrem ersten großen Auftritt vor amerikanischem Publikum, dass sie selbst als Weltstar noch nicht zufrieden ist – und bildet damit den Gegensatz zu Barnums Frau Charity, der ein glückliches Familienleben vollkommen reichen würde.

All the shine of a thousand spotlights,
All the stars we steal from the nightsky
Will never be enough,
Never be enough.
Towers of gold are still too little,
These hands could hold the world but it’ll
Never be enough.

Die Faszination Barnums für Lind und den mit ihr verbundenen Weltruhm führen unweigerlich zu Problemen, die Barnum schließlich erkennen lassen, dass es nichts bringt, ewig dem Applaus anderer Menschen hinterherzujagen.

Warum funktioniert Greatest Showman so gut?

Greatest Showman will nicht 1:1 die Lebensgeschichte des tatsächlichen P. T. Barnum wiedergeben, dessen Handlungen größtenteils grenzwertig, betrügerisch und nicht einmal in Ansätzen menschenfreundlich waren. Stattdessen nutzt der Film die unbestritten visionären Züge dieser historischen Person als erstem Showman der Welt, um darauf ein Märchen aufzubauen – und was eignet sich besser als Basis für ein Märchen als Wünsche, die in Erfüllung gehen, und Träume, die zum Leben erwachen.

Wie schon in Les Misérables zeigt Hugh Jackman in Greatest Showman, dass er sich absolut als singender Schauspieler sehen lassen kann und dass er es schafft, die Botschaften des Films glaubhaft zu vermitteln. Hierin bildet für mich der Film einen Gegensatz zum typischen Bühnen-Musical à la Starlight Express, wo Texte nach der tausendsten Vorführung zwangsläufig irgendwann heruntergeleiert werden und die Figuren so durch den Gesang eher distanziert und künstlich als nah und authentisch wirken. Jackman und seine Kollegen in Greatest Showman schaffen es dagegen, Szenen durch ihren Gesang besonders emotional und intim zu machen.

Der Soundtrack zu Greatest Showman ist ohnehin eine Nummer für sich und Songs wie „This is me“ und „Never Enough“ gehen mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Einige der Filmsongs wurden von Benji Pasek und Justin Paul geschrieben, die bereits für ihren Songtext zu „City of Stars“ aus LA LA LAND einen Oscar erhielten.

Greatest Showman Szenenbild Zac Efron und Zendaya in der Manege

© 2017 Twentieth Century Fox

Fazit zu Greatest Showman

Sicherlich sollte man dem Genre Musical-Film zumindest aufgeschlossen gegenüber sein, sonst kann man sich den Gang ins Kino sparen, denn ja: Es wird gesungen und getanzt, und zwar viel. Auch ist es besser, sich nicht zu sehr in die Diskussion zu vertiefen, ob der wahre P. T. Barnum ein Ekel war, der mensch- und tierverachtende Praktiken anwandte und dem man nicht auch noch mit einem Film ein Denkmal setzen sollte.

Wer akzeptiert, dass Greatest Showman die Ideen einer historischen Persönlichkeit lediglich als Anregung nutzt, und wer gewillt ist, sich mit den Songtexten zu befassen, wird darin sicher mehr sehen als etwas, das „gnaden- und seelenlos inszeniert“ ist. Nämlich einen inspirierenden Film mit Bildern und einem Soundtrack, der einen für 105 Minuten die Welt vergessen lässt.

Ich bin gespannt, ob der Filme neben seinem Golden Globe für den besten Filmsong „This is Me“ auch den Oscar in dieser Kategorie gewinnen wird.

Infos zum Film

Greatest Showman
(The Greatest Showman)

USA, 2017 (Kinostart Deutschland: 4. Januar 2018)
105 Minuten
Filmverleih: Twentieth Century Fox
Regie: Michael Gracey
Drehbuch: Jenny Bicks, Bill Condon
Schauspieler: Hugh Jackman, Michelle Williams, Zendaya, Zac Efron, Rebecca Ferguson, Keala Settle
FSK: frei ab 6

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